2012-01-28 15:36 von /cbx

…normalerweise ja eher nicht. Im Gegenteil. Man könnte mich viel eher als veritablen Trendflüchter bezeichnen. Als es beispielsweise wieder fashionable wurde, sich gänzlich in schwarze Gewänder zu hüllen, wurde meine über Jahre aufgebaute umfangreiche Garderobe von schwarzen Hosen, Hemden, T-Shirts und Pullovern quasi augenblicklich zum Schrankhüten verdammt und ich musste eine substanzielle Summe aufbringen, mich mit neuen, bunten Kleidungsstücken einzudecken. Mein diesbezügliches Lebensmotto könnte durchaus heißen:
“To boldly go where all others have already left”
Hier und heute jedoch werde ich einen Trend setzen. Ganz sicher. Mehrmals schon habe ich hier ja schon durchklingen lassen, dass ich als Kind der 80er Jahre (und Besitzer eines mechanischen Gehirns) einen gewissen Faible für Single Purpose Geräte habe. Insofern hat mich die technische Entwicklung der letzten Jahre – insbesondere im Bereich der Telekommunikation – ziemlich irritiert. Aber nicht nur dort. Mit heftigem Kopfschütteln nehme ich zur Kenntnis, dass Toyota im SPIEGEL auf einer ganzen Seite für ein Auto wirbt, das man kaufen soll, weil es dem Besitzer seine SMS vorliest.
Ich glaube, dass unsere (also die “westliche”) Welt gerade tief in einer Phase des Kommunikationsrausches steckt. Kommunikation – beziehungsweise das, was wir noch dafür halten – ist fast vollständig zum Selbstzweck geworden. War Kommunikation früher primär Mittel zur sozialen Bindung und – zum kleinere Teil – zum Informationsaustausch, so wird heute kommuniziert, was das Zeug hält, ohne Rücksicht auf Verluste und – insbesondere – ohne dass dabei Informationen ausgetauscht oder soziale Bindungen gefestigt würden. Und während die einen im Internetcafé der Costa Concordia ersaufen, weil sie noch schnell ihren Facebook-Status updaten mussten “Wow! Das Schiff säuft ab. Ich glaube, wir sollten mal besser an Deck gehen!”, entblöden sich andere kein bisschen, gerade und besonders dann, wenn sie nicht denken und demzufolge nichts zu sagen haben, dies dann möglichst öffentlich zu tun. Hoppla, da wollte ich jetzt eigentlich gar nicht hin.

[Der neue Trend: Das Unsmartphone (Oui, en français)]
Das Bild zeigt es – ich wollte mal wieder über die allgegenwärtigen Nervensägen und Privatsphären-Verhinderer abranten, die wir fast alle permanent mit uns herumtragen. Zuerst wurden die Dinger immer kleiner, was in Anbetracht der Abmessungen eines (beispielsweise) Siemens S3, das ich gelegentlich als “Firmenhandy” mit mir herumschleppen durfte, keine schlechte Idee war. Irgendwann hatte ich dann ein NOKIA 8210, das für mich damals einen Meilenstein der Entwicklung darstellte. Es war so klein, dass man es mit normalen Fingern kaum mehr bedienen konnte und der Akku hielt nicht einmal fünf Tage durch. Damals konnte ich mir nicht vorstellen, dass dies erst der Anfang einer, naja, äh, interessanten Entwicklung war. Zwischendurch gab es noch einmal ein kleines Highjlight, als ich ein NOKIA 6310i mein Eigen nannte. Dieses Ding war gerade so groß, dass man es gut bedienen und dennoch in die Hosentasche stecken konnte. Nebenbei konnte man es mit einer Akkuladung locker drei Wochen betreiben. Da ließ es sich durchaus verschmerzen, dass das Ladegerät ein recht großer, schwerer Klotz mit echtem Trafo drin war.
An dieser Stelle möchte ich mich dann auch ganz klar als Rechtsträger outen. Ich trage mein Telefon praktisch immer in der rechten Hosentasche mit mir herum. Dieser Ort hat den möglichen Alternativen (Sakko, Aktentasche, Hemdtasche) gegenüber unglaublich viele Vorteile. So pflege ich beispielsweise ziemlich genau 100% des Arbeitstages mit Hose herumzulaufen, was man von Sakko und Aktentasche (bzw. Koffer oder Rucksack) nicht behaupten kann. Und jeder, der sein Telefon einmal beim Bücken mit elegantem Schwung aus der Hemdtasche ins Klo befördert hat, weiß um das Problem damit.
Heute hingegen wird dies zunehmend schwieriger. Aktuelle Smartphones protzen – vielleicht abgesehen von Weinkeller und Mikrowelle – mit Features, die man noch vor wenigen Jahren sogar in der heimischen Wohnung in die Kategorie unnützer Luxus einsortiert hätte:
- UMTS
- MMS
- 8 Megapixel-Kamera
- HD-Filmkamera
- MP3-Player
- Mail Client
- Browser
- GPS Navigation
- Twitter, Facebook, Bild.de Apps
undsoweiter. Die Liste lässt sich dank App Store ad nauseam fortsetzen. Bei Licht betrachtet allerdings glänzen all diese Hitech-Wunder nur halb so hell. Wer all diese Features wirklich nutzen möchte, stellt schnell fest, dass die aktuellen Kommunikations-Wunderwaffen ungefähr so praktisch und handlich sind wie dieses 600€-Taschenmesser:

Auch aktuelle “Smartphones”… Warum eigentlich smart? Was ist smart an denen? Ich werde sie fürderhin besser Bloatphones nennen. Also auch moderne Bloatphones sind so groß, dass sie sich kaum mehr sinnvoll in der Hosentasche transportieren lassen. Und dann kommt noch hinzu, dass die riesigen Displays, GPS, WLAN und UMTS derart durstig am Akku saugen, dass jedes dieser einzigartigen Kommunkationsgeräte allabendlich ein verbindliches Rendezvous mit der Steckdose verlangt. Und das wiederum bedeutet, dass man eigentlich auch noch andauernd das Ladegerät dabei haben muss. Naja, wenigstens die sind inzwischen wieder kleiner und leichter geworden.
Weil ich mir in meinem methusalischen Alter kein Gerät mehr antun möchte, das alles ein bissl aber nix g’scheit kann, das mich mit winziger Schrift, winzigen bunten Icons und grotesken Wisch-, Schiebe-, Dreh- und Spreizgesten nervt, habe ich mir ein echtes “Mobiltelefon” angeschafft. Für die unvorstellbare Summe von Zwanzig (in Ziffern: 20) Euro habe ich mir bei Amazon ein NOKIA 1616 besorgt. Schon die einmalige Optik und Haptik (Plastik-Plastik-Plastik!) lassen keinerlei Zweifel aufkommen, dass es bei diesem Produkt um die ernsthafte Konzentration auf die Essenz eines Mobiltelefons gegangen sein muss. Diese Essenz eines Mobiltelefons zeichnet sich dadurch aus, dass sie über all diese Features nicht verfügt:
- UMTS
- MMS
- 8 Megapixel-Kamera
- HD-Filmkamera
- MP3-Player
- Mail Client
- Browser
- GPS Navigation
- Jedwede Art von Apps
dafür aber die von mir geforderten Merkmale:
aufweist. Und nebenbei bietet das 1616 sogar noch eine LED-Taschenlampe (und ein unbrauchbares UKW-Radio). Weil sich die Technik der Li-Ion Akkus aber weitaus mehr entwickelt hat als die Features dieses Geräts muss ich es, auch wenn ich es benutze (zum Telefonieren natürlich, nicht zum Surfen, Filmen, Navigieren oder Facebookstatusupdaten) ungefähr alle zwei Wochen einmal aufladen.
Ich genieße diesen Luxus praktisch jede Minute. Wenn mich jemand anruft, vibriert es unauffällig (und ohne MP3-Gekreische) in meiner Hosentasche, wenn ich jemanden anrufen will, dann tue ich das. Darüber hinaus fällt mein 1616 dadurch auf, dass es nicht auffällt. Der einzige Moment, wo es dann doch mal auffällt, ist, wenn ich es in einer Business-Runde auf den Tisch lege. Dann zieht es mehr erstaunte Blicke auf sich als jedes iPhone-4S-GTX-IIb.
Und das gefällt mir.
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2012-01-26 11:16 von /cbx
Aus gegebenem Anlass geht mir gerade folgende Weisheit durch den Kopf:
“Wenn die Verzweiflung zur Strategie wird, dann wird der Strohhalm zum Werkzeug.”
Beachte aber auch:
“Weisheiten, die in einen Satz passen, sind so gut wie immer Unsinn”
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
/cbx, Kategorie: Leichtes Leben -

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2012-01-24 20:10 von /cbx
Und dabei hat alles so harmlos begonnen. Gerade mache ich mich noch leichtsinnig locker lustig über das schwere Schicksal der armen Frau Xx Xx, da haben sich auch schon die aufsteigenden Grausbirnen meiner eben noch so heiteren Stimmung bemächtigt. Ich habe nämlich den Fehler begangen, dem inzwischen quasi verstorbenen Portal für zweckfreie Dienstleistungen “TOP OF SOFTWARE” etwas hinterher zu recherchieren. Als quasi verstorben darf dieses Portal gelten, weil es inzwischen durch ein vollkommen neues, massiv überarbeitetes und überhaupt total unterschiedliches Portal für ebenso zweckfreie Dienstleistungen unter dem Namen SOFTWARE-UND-TOOLS.de ersetzt wurde.

[Wie gesehen auf:http://www.tropmi.de/ Klick mich groß]
Beide Portale gehören – wie unzählige weitere – mehr oder weniger direkt der Content Services Ltd., die seit Jahren äußerst erfolgreich sehr viel Geld damit einnimmt, im Web Software zu verkaufen, die es nur eine Domain weiter völlig kostenlos gäbe. Allein die Tatsache, dass diese Unternehmen seit vielen, vielen Jahren weitestgehend unbehelligt von Justiz und Exekutive ihren einmalig lukrativen Businessplan verfolgen können, legt den Schluss nahe, dass es sich dabei um eine vollkommen legale und äußerst ehrbare Geschäftstätigkeit handeln muss.
Von dieser Faktenlage unbeeindruckt ist hingegen meine rein persönliche Meinung, dass die hinter diesen Geschäftsprozessen stehenden Herren zum Dank für ihren Dienst an der Menschheit mittels an ihren Testikeln befestigter Klemmzangen an schweren eisernen Ketten hinter einem rumänischen Reisebus von München nach Bukarest geschleift werden sollten.
Lohnenswert ist es (zumindest für Hobby-Grausbirnenzüchter) trotzdem, einen Blick auf die Seite jenes Unternehmens zu werfen, das sich zum “Einziehen der Nutzungsentgelte” für die obengenannten Portale berechtigt wähnt. Die Tropmi Payment GmbH ist ein international sehr breit aufgestelltes renommiertes Musterunternehmen. Sie nimmt nicht nur das Inkasso bei den Opfern Kunden von “TOP OF SOFTWARE” vor, sondern beispielsweise auch, äh, zum Beispiel, äh – naja, vielleicht sind sie ja doch nicht so breit aufgestellt.
Ein Besuch der in hoffnungsfrohen Grüntönen gehaltenen Website rentiert sich trotzdem – und sei es nur, um unter Urteile über einer angsteinflößenden Sammlung von Gerichtsurteilen zu lesen:
Glauben Sie nicht alles, was in Blogs und Foren behauptet wird. Machen Sie sich lieber selbst ein Bild davon, was die Gerichte zu
“top-of-software.de” entschieden haben.
Und die haben natürlich – wenigstens in den zitierten Urteilen – entschieden, dass an der Rechtmäßigkeit der Forderung nicht der geringste Zweifel bestehen kann. In das selbe Horn stoßen auch die Fragen & Antworten. Damit auch Leute, die dem Nutznießer trotzdem weniger glauben als irgendwelchen Blogs und Foren eine Chance haben, auf den rechten Weg geleitet zu werden, hat Tropmi einen weiteren Weg beschritten, der im Bereich der Internetkriminalität zwar nicht neu, im Zusammenhang mit wertfreien Dienstleistungen aber bisher noch nicht auf meinem Radar erschienen ist.
Mit anerkennenswertem Fleiß postet seit einigen Tagen ein fleißiger Bot (oder menschlicher Sklave) auf zahlreichen kostenlosen Blog-Platformen die immer gleichen, eher schlecht verständlichen Texte, die – so weit meine hermeneutischen Fähigkeiten ausreichen – den säumigen Schuldner wohl mit gutem Rat zum Begleichen der Rechnung bringen sollen. Diese Texte finden sich derzeit an prominenten Stellen wie:
und wahrscheinlich noch etlichen anderen freien Blogprovidern. Diese Art des versuchten Googlebetrugs ist für meine 8.3 Stammleser schon lange nichts Neues mehr und nebenbei scheint der große Durchbruch bisher noch nicht gelungen zu sein. Noch finden sich in den Suchergebnissen weiterhin jene Blogs ganz vorne, die mit echten Texten und nützlichen Hinweisen (→nicht bezahlen!) den besseren Rat bieten.
Es bleibt allerdings abzuwarten, ob Google mittelfristig nicht doch vor dem schwäbischen Fleiß der Textautomaten kapituliert. Ich werde die Entwicklung jedenfalls weiter verfolgen und gegebenenfalls auch weiter berichten.
Dieser Post ist allen Freunden des “alten /cbx” gewidmet.
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2012-01-24 13:32 von /cbx
…und professionell jeden, der sich auf unserem Online-Portal anmeldet, denn wir sind ein hoch ehrbares und legal operierendes Unternehmen. Das jedenfalls behaupten die von mir schon umfassend dokumentierten Abofallen-Abzockgangster. Insofern freut es mich besonders, heute ein gar luftig lustiges Leckerli zeigen zu können, das diese Aussagen voll und ganz bestätigt. Im Orkus der verwaisten Mails fand sich heute nämlich folgendes sehr nettes (und völlig unzensiertes!) Dokument, das wohl irgend einem bitterbösen Bösewicht zuzuschreiben ist, der die rechtsverbindliche Angabe seiner persönlichen Daten nicht angemessen ernst genommen hat:

[Klick mich groß]
Die im begleitenden Mail angeführte IP-Adresse gehört übrigens einem anonymen Proxy in China. Insofern wünsche ich dem Inkassobüro schon mal viel Spaß beim Eintreiben der Forderung gegen Frau Xx Xx in Xxxxxxxx.
Ach ja, eins noch. Wer bekommt jetzt eigentlich den vollmundig angedrohten SCHUFA-Eintrag? China?
/cbx, Kategorie: Andere Betrüger - Leichtes Leben

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2012-01-23 21:01 von /cbx
Es soll ja immer wieder einmal vorkommen, dass auch lange und stabil wirkende Partnerschaften dann doch eher plötzlich und irgendwie unerwartet auseinander gehen. Und für diesen Fall, also falls dieser Fall jemals eintritt, sollte man sich dann doch besser schon vorher genügend Gedanken dazu gemacht haben.

[Ewig währt am längsten. Ehe meistens kürzer]
Keine Sorge, ich werde mich jetzt sicher nicht entblöden, auch noch den Beziehungs-Erklärbär zu geben. Viel mehr möchte ich einen Gedanken anreißen, der sogar bei der netzaffinen Jugendgeneration nur selten Raum zwischen den Ohrstöpseln einnimmt – wobei diese Rahmenbedingung die Anzahl möglicher Themen schon ganz beträchtlich einschränkt. Ob die Einschränkung allerdings darin liegt, dass die jungen Netizens doch eh permanent über absolut alles tiefschürfend reflektieren, oder eher daran, dass zwischen den Stöpseln des MP3-Players gemeinhin keine für kognitive Prozesse geeignete Substanz mehr vermutet wird, sei dem persönlichen Vorurteil jedes Einzelnen überlassen.
Ich tendiere (wer hätte das gedacht?) eher zur ersten Variante. Nur alte, im Nexus des Verstaubten, Vergangenen und Vergessenen gefangene Knacker philosophieren heute noch, ob Androiden von elektrischen Schafen träumen. Die junge Generation stellt sich wesentlich konkretere und praktischere Fragen, wie:
- Was passiert mit meinem Facebook-Profil, wenn ich sterbe?
- Wer erbt meinen Warcraft-Account und meine Halo-XP?
- Gibt’s im Jenseits eine SMS-FLat?
und dergleichen mehr. Diese Fragen – beziehungsweise die Antworten darauf – sind sicherlich von erheblicher Bedeutung für unsere heutige Gesellschaft. Dennoch bin ich erschüttert, dass eine andere – mindestens ebenso bedeutende – Frage so gut wie nie gestellt wird. Und zwar diese:
- Was passiert, wenn mein Mail-Account vor mir stirbt?
Diese Frage – und damit komme ich langsam zum Thema dieses Textes – stellt sich mir in nachgerade penetranter Hartnäckigkeit, seitdem mein Kollege Thorsten unter die Domainhändler gegangen ist. Seit vielen Monaten schon kauft er nach, äh, nun ja, metaphysischen Kriterien die verschiedensten .de Domains, so bald sie frei werden, um sie später auf diversen Marktplätzen zu einem deutlich attraktiveren Preis wieder zu verkaufen. So weit, so langweilig.
Weil in Thorsten aber auch ein kleiner Hacker steckt, leitet er gewohnheitsmäßig alle Mails an alle seine rechtmäßig erworbenen Domains per Catchall an ein spezielles Mailkonto weiter. Und an genau dieser Stelle beginnt die Geschichte dann auch, etwas gruselig zu werden. Sobald man einen Blick in dieses Postfach wirft, wird einem schlagartig klar, welche brisanten Informationen da mir nichts, dir schon in den Händen eines vollkommen Fremden landen können.
Bevor ich mich weiter durch ungelenkes Schwurbeln unbeliebt mache, sollen hier ein paar (jugendfreie, SFW) Auszüge andeuten, was ich meine:

So etwas würde ich als ein recht persönliches Mail (und nebenbei ein harmloses Beispiel) bezeichnen. Will ich, dass irgendjemand Unbekannter so etwas liest?

Rechnungen von Online-Versandhändlern finden sich in Massen. Es ist ziemlich interessant, was die Leute so alles kaufen.

Die Mobilfunkrechnung ist ein Klassiker. Sie bietet schon ein sehr anständiges Spielpotenzial.

Und das ist ein Beispiel für Mail vom sozialen Netzwerk.
Jenen, denen bei diesen Beispielen noch kein leichtes Frösteln über den Rücken gelaufen ist, möchte ich mit einem kleinen Denkanstoß dazu verhelfen:
Durch die Mails kennt man schon Mailadresse, Benutzernamen und etliche Realdaten einer Person. Mit diesen Informationen ist der vollständige Identitätsdiebstahl nur mehr einen – auch für Laien beherrschbaren – Mausklick entfernt. Die meisten Seiten, die eine Anmeldung mit Passwort verlangen, bieten nämlich gleichzeitig auch die angenehme Komfortfunktion “Passwort vergessen?”, die üblicherweise binnen Sekunden ein gültiges Passwort an die registrierte Mailadresse (die, wie ich erinnern möchte, jetzt einem Fremden gehört) schickt. Wenn das nicht in die Kategorie “Hacken für Vollidioten” fällt, dann weiß ich nicht, was sonst.
Conclusio: Die Wahl einer privaten Emailadresse ist möglicherweise kritischer als man glaubt. In der Praxis hat man die Wahl zwischen zwei Übeln:
- Man wählt einen großen Mailprovider wie Google, Yahoo, Web.de, T-Online, Microsoft und dergleichen. Das minimiert das Risiko, dass die Maildomain jemals in fremde Hände gerät. Das ist aber andererseits auch nicht so wichtig, weil bei diesen Anbietern ohnehin jeder mitlesen darf, der nur laut genug danach schreit.
- Man wählt einen sehr kleinen Provider oder eine eigene private Domain. Damit erhält man ungleich mehr Freiheiten und Eingriffsmöglichkeiten – allerdings auch das Risiko, dass ein einziger Fehler zum Verlust der Domain und damit der Kontrolle über alle empfangenen Mails führt.
An dieser Stelle bin ich wieder einmal richtig froh, ein Kind der Achtziger Jahre zu sein. Ansonsten müsste ich mir jetzt nämlich noch schlaue Vorschläge einfallen lassen, wie man diesem Dilemma entkommen könnte.
In den Achtzigern hingegen hat es schon vollauf genügt, einfach Problembewusstsein geschaffen zu haben. Na dann – willkommen im Jahr 1986!
/cbx, Kategorie: Netz Dschungelcamp -

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2012-01-22 17:35 von /cbx
Da ist es wieder, dieses scrotum ardens Gefühl, wenn ich mir die aktuelle Nachrichtensituation zu Gemüte führe. Da wird gelogen, dass die Kabel glühen, abgestritten, bis die Fakten dem Lügner mit der flachen Hand ins Gesicht klatschen, dann auch nur zugegeben, was eh schon klar ist, schließlich die Schuld bei allen anderen gesucht und insgeheim gehofft, dass die öffentliche Aufmerksamkeitsspanne endet, bevor auch noch das letzte anrüchige Detail pikant abgeschmeckt dem stets hungrigen Medienkonsumenten vorgesetzt wird.

[Foto: Martina Nolte / Lizenz: Creative Commons BY-SA-3.0 de]
(Ja, es lebe die Orthogonalität.)
Der Umfall (sic!) der Costa Cordalia Concordia zeigt wieder einmal überdeutlich, wie unsere echtzeit-online-am-Puls-der-Zeit-über-alles-informierte Welt funktioniert. Nur so nebenbei: Heute sind bei einem Schiffsunglück im Iran mindestens 17 Menschen gestorben. Das aber war bestenfalls eine unbedeutende Randnotiz in wenigen Randgruppenblättern wert. Nun ja, das waren auch gewöhnliche Menschen auf einer gewöhnlichen Reise.
Wie viel schwerer trifft es uns, wenn welche von uns auf einer Vergnügungsreise in eine veritable Schiffstakastrophe geraten. Das meine ich jetzt ausnahmsweise nicht einmal irgendwie oberlehrerhaft anklagend, sondern nur als einfache Feststellung. Natürlich ist uns die Unterhose näher als die Hose.
Die kleine Randnotiz soll lediglich einer beliebten Fehleinschätzung vorbeugen. Dieser kleine, lästige Vorfall an und mit der toskanischen Küste ist mitnichten eine ganz und gar ungewöhnliche Begebenheit im internationalen Schiffsverkehr. Andauernd gehen irgendwelche Schiffe unter und meistens sterben dabei wesentlich mehr als 20 Menschen. Das sind dann allerdings so gut wie immer unwichtige Menschen, weshalb diese Ereignisse bei uns nur marginale Erwähnung finden. Doch darüber abzuranten wäre sogar für meine Verhältnisse bemerkenswert billig.
Mich interessieren einige andere Aspekte dieses traurigen Schmierentheaters, die es teils bis jetzt noch nicht in die Schlagzeilen geschafft haben.
Ziemlich genau 100 Jahre nach dem Untergang der Titanic und knapp 60 Jahre nach der Andrea Doria könnte man meinen, dass derartige Unglücke doch heutzutage nicht mehr passieren können. Weit gefehlt! Ein kleiner Blick in die Wikipedia korrigiert diese romantische Geistesverirrung nachhaltig. Derartige Unglücke – auch mit weitaus beeindruckenderen Opferzahlen – haben niemals aufgehört zu passieren. Wäre der Concordia-Unfall nicht gerade in Laufweite zum Ufer passiert, wäre er sicher auch für mehrere hundert Tote gut gewesen.
Bemerkenswert erscheint mir, dass man durchaus meinen könnte, die Sicherheitstechnik in der zivilen Schifffahrt habe sich in den letzten 200 Jahren praktisch nicht weiterentwickelt. Während Zivilflugzeuge im Lauf der Zeit stabiler, zuverlässiger und sicherer geworden sind (den A380 und die B787 wollen wir dabei großzügig ausklammern), haben Schiffe zwar noch an Effizienz und apparativer Ausstattung (vor Allem im Bereich Nautik und Kommunikation) zugelegt, nicht aber was Zuverlässigkeit und Sicherheit betrifft.
Wir haben soeben gelernt, dass sich ein Schiff immer noch mittels eines mittelgroßen Felsens binnen Minuten in Richtung Meeresgrund schicken lässt. Weiterhin haben wir gelernt, dass eine kräftige Schlagseite (wie sie für ein leck geschlagenes Schiff jetzt nicht gerade soooo ungewöhnlich ist) immer noch 50% der Rettungsboote außer Gefecht setzt. Weiterhin haben wir gelernt, dass anscheinend sogar die ständig besoffene Bordcrew der Aeroflot Nord besser auf potenzielle Katastrophen vorbereitet ist als die Crew eines mit 3000 Passagieren besetzten Kreuzfahrtschiffs. Weiterhin haben wir gelernt, dass der Kapitän eines derart großen Schiffs sich seiner Verantwortung für Andere offenbar genauso bewusst ist wie ein Daimler-Testfahrer auf seiner Privatautobahn A81. Weiterhin haben wir gelernt, dass, wenn dann einmal wirklich, wirklich die Kacke am Dampfen ist, auch dort das allseits beliebte und immer erfolgreiche Spiel “Abstreiten, Anlügen, Aussitzen” gespielt wird.
Natürlich hat es allein der Kapitän zu verantworten, dass das Schiff in einer grandiosen Aktion völliger Realitätsverweigerung faktisch direkt die Insel Giglio gerammt hat. Insofern kann die Reederei leicht versuchen, jegliche Verantwortung auf einen einzelnen Sündenbock zu schieben. In langjährig bewährter american business tradition ist bekanntlich die wichtigste, nein, eigentlich die einzige Frage, die nach einem kolossalen Fehlschlag zu beantworten ist, jene nach dem Schuldigen. Ist diese Frage geklärt, darf wieder zur Tagesordnung übergegangen werden.
In wie weit die Reederei unschuldig und unbeteiligt daran ist, dass offenbar fast das gesamte Bordpersonal nicht einmal im Ansatz auf eine Evakuierung des Schiffs vorbereitet war, könnte durchaus noch Anlass zur Diskussion geben.
Nachdem inzwischen täglich munter weitere Löcher in das Schiff gesprengt werden, kann man wohl davon ausgehen, dass niemand ernsthaft damit rechnet, den umgekippten Ozeanriesen jemals wieder flott zu machen und anders als in vergleichsweise handlichen Häppchen von der Unglücksstelle zu bergen. Was dies für die involvierte Versicherung bedeutet, möchte ich mir wahrscheinlich gar nicht vorstellen, insbesondere wenn man bedenkt, dass ja auch Versicherungen inzwischen mehr mit spekulativen Finanzderivaten als mit echtem Kapital ausgestattet sind. Auch an dieser Stelle darf mit erbitterten juristischen Scharmützeln und Grabenkriegen gerechnet werden. Und gezahlt wird mit ziemlicher Sicherheit nicht. Unklar ist derzeit nur noch, mit welcher Begründung.
Und weil wir schon beim Bezahlen sind: Das Unglück ist jetzt schon ein Paradebeispiel für die Praxis, unangenehme Kosten zu sozialisieren. Für das betroffene Gebiet wurde bereits der Notstand erklärt. Das bedeutet, dass auch weiterhin erhebliche staatliche Mittel, über die Italien gerade eh nicht in Massen verfügt, in die Rettungsaktion fließen können. Ob jene, die dieses Desaster durch schiere Arroganz und Blödheit verursacht haben, davon jemals auch nur einen Teil zurück zahlen werden, darf getrost bezweifelt werden.
Das soll vorerst genügen. Alternativ dazu hätte ich auch ein Exposé über das enorme technologische Entwicklungspotenzial von Tiefspül-WC-Becken im Kopf gehabt.
Aber wer will denn so etwas lesen?
/cbx, Kategorie: Rant & Grant -

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