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Heute im Räumungsverkauf: Asdf asdf asdf qwertz

Durchsuchungsbefehl:

Ein flotter Drei...zeiler.

2013-05-23 14:21 von /cbx, derzeit 0.37863 Kommentare

Erstaunlich, was manchmal noch nach Wochen hier so als Kommentar aufschlägt. Ich glaube jetzt mal die Identität des Kommentators und ersuche meine Leser um geschätzte Kenntnisnahme.

/cbx, Kategorie: Schöngeistlos -

Eigener Senf dazu?

 

Noch schnell ein paar Feinde machen.

2013-05-20 17:28 von /cbx, derzeit 2.53046 Kommentare

Das lange Wochenende neigt sich dem unvermeidlichen – wie so oft viel zu frühen – Ende zu und ich möchte doch noch schnell etwas loswerden, was wohl zwischen den Brüsten von Angelina Jolie verloren gegangen ist. Letzten Dienstag hatte ich – leider nur en passant – auch über eine – naja – ARD-Dokumentation geschrieben, die m ganzen Land erwartungsgemäß kaum ein ernsthaftes Echo hervorrufen konnte.

Offiziell und programmatisch ging es um den Missstand, dass eines der international angesehensten Unternehmen Deutschlands auf offensichtlich illegale Art Lohndumping betreibt und im Interesse des Heiligen Shareholder Value einen erheblichen Teil der Kosten für die illegal überlassenen Leiharbeiter via Hartz-IV Aufstockung dem Steuerzahler aufbürdet.

So weit, so langweilig. Darüber hätten wir uns aufregen sollen und zugegebenermaßen auch können. Dieses Feindbild hätte auch sehr gut ins stromlinienförmige Mainstreamdenken gepasst. Alle Unternehmer sind geldgeile Arschlöcher und Großunternehmer sind großgeldgeile Riesenarschlöcher. Wie spannend. So spannend wie die Behauptung, es würde auch heute Abend vermutlich dunkel werden. Wirklich spannend ist daran vielleicht noch, mit welcher Chutzpe hier mit dem vollen Wissen der gesamten Führungsetage und des Betriebsrates vollkommen offensichtlich Illegales getrieben wurde. Angesichts dessen, was man aus den Medienberichten der letzten paar Jahre lernen könnte, ist das Risiko einer solchen Aktion aber bekanntlich so gut wie vernachlässigbar.

Wie so oft aber hat sich mir eine andere, hinreichend gesicherte, Erkenntnis aus dem Film weit mehr ins Gedächtnis eingebrannt. Der Undercover-Journalist war bei seiner 900€-Beschäftigung zeitweise Kollege einer Mitarbeiterin aus der Stammbelegschaft, die den selben Fließbandjob wie er erledigte, dafür aber laut vorgezeigtem Lohnzettel schon ohne Zulagen über 3400€ verdiente. Mit den im Schichtbetrieb unvermeidlichen Zulagen näherte sich das Monatseinkommen dieser 25-jährigen Frau damit bereits der 4000€-Marke.

Und an dieser Stelle verfiel der kleine Unternehmer in mir in hektische Hyperventilation. 4000€ brutto, das ist die Summe, die ich mir seit einiger Zeit als Geschäftsführer auszahle (Beileidsbekundungen dazu bitte im Kommentarbereich)! Ich aber bin fast (also bald) 50 Jahre alt, angeblich Akademiker und leiste sogar (trotz Geschäftsführer) noch echte Arbeit als Entwicklungsleiter (was bei uns faktisch leit(d)ender Entwickler bedeutet). Wird uns nicht immer erzählt, genau das sei die Arbeit, die Zukunft habe?

Ich will der Dame beim Daimler ihren fürstlichen Lohn nicht streitig machen, aber… Nein, Blödsinn, ich will der Dame beim Daimler ihren fürstlichen Lohn streitig machen, denn dass eine – man verzeihe mir das Weglassen der Goldwaage – stupide Arbeit wie das Verpacken von Motorteilen am Band mit einer derartigen Summe vergütet wird, ist genau der Grund, warum die gleiche Tätigkeit jetzt ein Anderer unter unwürdigen und prekären Bedingungen ausübt.

Erraten, das läuft schon wieder darauf hinaus, dass ich beginne, auf die Gewerkschaften zu schimpfen – insbesondere auf solche wie die IG-Metall oder ver.di, die selbst schon fette, träge Großkonzerne geworden sind. Die nämlich treiben – während sie stereotyp das Gegenteil behaupten – die Spaltung der Gesellschaft und die Öffnung der Einkommensschere genauso weiter voran wie die geldgeilen Unternehmer in ihrem Globalisierungswahn.

Gerade die Globalisierung in den letzten Jahren wohl auch dem letzten romantischen Volltrottel (mir beispielsweise) ihre hässliche Fratze gezeigt. Es geht schon lange nicht mehr um die armen ausgebeuteten Negerlein (verdammt, Triggerwarnung vergessen) in Afrika oder sonst wo, nein, die Globalisierung frisst gerade den Großteil derer auf, die sich mit ihrer Hilfe bisher einen – wie hieß das so schön – ziemlich anstrengungslosen Wohlstand gönnen konnten. Meine Damen und Herren, wir alle stehen jetzt in direkter Konkurrenz zum freundlichen Chinesen, Inder, Honduraner, Bangladeschi und vielen, vielen anderen. Und diese Menschen sind (noch) billig und willig, sie arbeiten zu Löhnen, gegen die sich auch unsere billigsten Billiglöhne noch fürstlich ausnehmen und unter Bedingungen, die (sogar in Deutschland) schnell den Staatsanwalt auf den Plan rufen würden.

In dieser Situation müssen die meisten Unternehmen (wenn sie nicht gerade Porsche oder Google heißen und ein absolutes Monopolprodukt besitzen) ihre Kostenstruktur anpassen – so auch Daimler, ein Unternehmen, das schon lange unter seinen enormen Personalkosten leidet. Und was tun angesichts dessen die Gewerkschaften? Nun, sie tun das, was Gewerkschaften immer schon getan haben – sie fordern mehr – und das kommt dann dem status quo der Stammbelegschaft zu gute. Gut gemacht, IG-Metal! Wenigstens für die Stammbelegschaft ist gesorgt.

Dass dabei diese Stammbelegschaft mit allen (legalen und weniger legalen) Mitteln ausgedünnt wird – mithin also immer weniger Menschen in den Genuss dieser zusätzlichen Wohltaten kommen, ist der Gewerkschaft egal. Genau so wie die unvermeidliche Folge, dass immer mehr und mehr Menschen die ehemals gewerkschaftlich geschützte Arbeit jetzt fast ohne jede Absicherung unter prekären Bedingungen innerhalb fadenscheiniger Firmenkonstruktion verrichten. Allerdings hat auch noch nie jemand behauptet, Gewerkschaften würden sich für jene interessieren, die wirklich eine Vertretung brauchen, weil sie nicht durch eine Gewerkschaft vertreten sind.

Es ist vollkommen klar, dass es so gut wie unmöglich ist, Menschen etwas wegzunehmen, woran sie sich gewöhnt haben, ohne einen – wie schreibt man inzwischen so passend – veritablen Shitstorm anzuzetteln. Deshalb sind (zumindest wird das immer behauptet) Maßnahmen wie betriebsbedingte Lohnkürzungen ein Ding der faktischen Unmöglichkeit.

Mit der Methode allerdings, ausschließlich die Privilegien und den Wohlsand der eigenen Leute mit aller Macht hochzuhalten, wird sich das Problem der Gewerkschaften so oder so bald von selbst lösen – dann nämlich, wenn alle gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter durch Niedrigstlöhner ersetzt wurden.

Und darüber könnte man jetzt durchaus noch 7 bis 12 Sekunden nachdenken.

/cbx, Kategorie: Rant & Grant -

Eigener Senf dazu? [2]

 

Als hochkompetenter IT-Entscheider und -Macher...

2013-05-20 11:14 von /cbx, derzeit 6.27485 Kommentare


[Wenn schon, denn schon…]

…habe ich mich in letzter Zeit immer wieder dabei ertappt, mir heimlich eine schone, saubere, durch und durch übersichtlich strukturierte, hoch professionelle Windows-Landschaft, komplett mit Domänen und Gruppenrichtlinien zu wünschen, die unser gewachsenes Linux-Chaos im G’schäft ersetzen möge.

Na? Sind wenigstens ein oder zwei Leser gerade etwas zusammengezuckt? Ja? Gut. Ich kann nämlich heute schon schreiben, dass ich von dieser Fieberfantasie seit einigen Stunden wieder geheilt bin. Des weiteren gebe ich zu bedenken, dass “kompetent” ja prinzipiell nur “zuständig” bedeutet und – gerade in Politik und Wirtschaft – oft genug mit Begriffen wie “qualifiziert” oder “erfahren” keinerlei kausale Beziehung eingeht.

Doch bevor ich wieder vollends ins sinnleere Schwafeln abgleite (gab es hier jemals Anderes?), möchte ich jene ganz schlichte Geschichte aufschreiben, die meinen beginnenden Sinneswandel zu einem jähen Ende gebracht hat.

Vor wenigen Wochen hat mich ein defektes Kabelmodem dazu gebracht, über die IT-Ausstattung im Haushalt meiner Mutter nachzudenken. Seit einigen Monaten gibt es dort nämlich immerhin sehr brauchbare 18Mbit/s Bandbreite, die dank des guten Providers (→KufNet) auch praktisch immer verfügbar ist. Am anderen Ende des Modems (bzw. hinter dem Router) sitzt allerdings eine Hardware, die mit Begriffen wie “antik” oder “historisch” nur unzureichend beschrieben ist. Derzeit arbeitet sich dort ein Athlon XP 2400 mit grandiosen 768MBytes RAM und einer 80GB Harddisk an – Achtung, jetzt kommt der Brüller – Windows 2000 ab.

Auf der Habenseite ist zu verbuchen, dass dieses Ding einfach so funktioniert und sich durch nichts und niemand ernsthaft aus dem Konzept bringen lässt, denn wer unter Windows 2000 keine Admin-Rechte hat, der kann wirklich kaum Schaden anrichten und auch die meiste Schadsoftware ist mit dieser Antiquität nicht mehr kompatibel. Auf der Sollseite hingegen steht, dass allein das Booten einige Minuten dauert und auch beim Starten von Firefox oder Thunderbird schon mal zehn bis fünfzehn Sekunden der Sanduhr geopfert werden müssen.

So beschloss ich also, diese wahrhaft archaische Hardware in Rente zu schicken und durch ein etwas weniger veraltetes System zu ersetzen. Und genau an dieser Stelle begannen dann auch schon meine Probleme. Einer spontanen Eingebung folgend habe ich mir bei Amazon mal schnell ein Lenovo IdeaCentre H520S für 399€ bestellt – und ich muss sagen, die Hardware ist ziemlich genial und den Preis absolut wert. Allein – das kompakte und stylishe Kleinkraftwerk kommt komplett mit Windows 8.

Ich habe das mal fertig installiert und (zugegeben – nicht sehr leidenschaftlich) versucht, mich damit anzufreunden, bin aber (erwartungsgemäß) gescheitert. Wenn ich mir einen richtigen Desktop-PC anschaffe, dann möchte ich damit auch richtige Desktop-Dinge damit tun und nicht auf einer Smartphone-Oberfläche mit der Maus irgendwelche Fingergesten nachzittern müssen. Insbesondere aber war klar, dass ich meiner Mutter, die, wie man anhand meines biblischen Alters leicht extrapolieren kann, die 35 auch schon seit ein paar Jahren hinter sich gelassen hat, diesen Kulturschock nicht antun wollte.

So blieben mir also im Wesentlichen drei Optionen, was ich auf das IdeaCentre installieren konnte.

  • Windows XP,
  • Windows 7 oder
  • Kubuntu

Ein kurzer Versuch mit der Kubuntu-12.04 DVD zeigte, dass das innerhalb weniger Minuten erledigt wäre und alles out of the box funktionieren würde. Zu einfach. Zu einfach? Mitnichten! Da gab es nämlich noch dieses Digital Arts and Crafts Studio, das zur Beschäftigung der Enkel wahre Wunder wirkt und unter Linux definitiv nicht funktionieren würde. Damit war Kubuntu ausgeschieden.

Windows 7 ließ sich von meiner vor längerer Zeit gekauften Original-DVD dank eines fetten Kratzers nicht installieren, eine Recherche zeigte dann aber auch, dass weder für den Drucker noch für den Scanner noch Treiber zu bekommen waren. Über Programme wie Office 2000 und Nero 6.0 wollte ich dann gar nicht erst spekulieren.

So blieb nur mehr Windows XP. Das allerdings blieb bereits während der Installation mit einem Bluescreen stehen, weil es mit dem Chipsatz des IdeaCentre nicht zurecht kam. Na bravo!

Nach kurzem Weinen kam mir dann die Erleuchtung. Ich würde ein anderes µATX-Gehäuse besorgen und dort das Mainboard meines bisherigen Daheim-PC einbauen. Der verfügte über einen Core2-E8400, 2GBytes RAM, eine 500GBytes Hardisk, einen G41-Chipsatz, PS/2 Anschlüsse und sogar einen Parallelport. Daran würde sich die gesamte Hardware anschließen lassen und wenn ich darauf XP bügelte, wären weder Software noch Geschwindigkeit ein ernstes Problem. Und so geschah es.

Pünktlich diesen Freitag trafen Gehäuse, DVD-Brenner und Festplatte ein, sodass ich dieses längere Wochenende nutzen konnte, die Rechner umzuziehen. Zuerst war die Migration des Daheim-PC auf das IdeaCentre dran – und das ging so:

Daheim-PC booten, IdeaCentre von SD-Karte mit Linux booten, Festplatte partitionieren und formatieren, mittels rsync die rund 200GBytes Betriebssystem und Daten auf die neue Platte kopieren, Bootsektor instalieren, neu starten, fertig. Diese Aktion dauerte rund 3 Stunden (→200GBytes kopieren), davon ungefähr 10 Minuten mit manueller Interaktion. Das IdeaCentre bootete ohne eine einzige Anpassung und war ab diesem Moment unser neuer Daheim-PC.

Der Umbau des alten Mainboards in das stylishe Gehäuse (siehe Bild) war dank einer erfreulich durchdachten Gehäusekonstruktion kein Problem und schon wenige Minuten später konnte ich mit der Installation beginnen. Und genau damit werde ich mich wohl auch noch viele weitere Stunden beschäftigen dürfen.

Ja, diesen delikaten Teilaspekt einer Windows-Installation hatte ich vollkommen vergessen. Nachdem das System selbst in einer halbstündigen Aktion Festplatten-Platz genommen hatte, stand eine mittlere Orgie an Treiberinstallationen an. Für jede verbaute Komponente durfte ich von der Herstellerseite den passenden Treiber laden, installieren und immer und immer wieder “Nein, jetzt nicht neu starten” anwählen. Am Ende dieser zermürbenden Prozedur stand dann ein funktionsfähiges System, dass sich dann – trotz integriertem Servicepack 3 – für eine gute Stunde rund 130 Updates genehmigte. Als Linux-Benutzer hätte ich nun schon seit knapp zwei Stunden arbeiten, surfen oder spielen können, mein Windows hingegen bot bisher nicht mehr als einen Brauser, Wordpad, Solitair und Minesweeper.

Für Heute ist geplant, zahllose CDs zusammen zu suchen, Serien- Registrierungs- und Freischaltnummern wieder aufzutreiben(!), diverse Pakete zu installieren und insgesamt noch viele, viele Stunden damit zu verbringen, das Gerät in einen benutzbaren Zustand zu überführen.

Hätte ich stattdessen irgend eine Linux-Distribution verwendet, hätte ich entweder einfach eine bestehende Installation auf den neuen Computer kopieren (siehe oben) oder eine vollständige Neuinstallation inklusive aller Treiber und Anwendersoftware mittels weniger Mausklicks durchziehen können.

Und die küchentischphilosophische Quintessenz aus diesem Epos? Vielleicht das: “An Vorteile gewöhnt man sich leider all zu schnell und man muss gelegentlich auf sie verzichten müssen, um sie wieder schätzen zu lernen.”

/cbx, Kategorie: Linux LeidenSchaf(f)t - Schöngeistlos

Eigener Senf dazu? [6]

 

Heute ohne Angelina Jolie! [2 Updates]

2013-05-15 22:11 von /cbx, derzeit 3.10267 Kommentare

Habe ich heute eigentlich schon Angelina Jolie erwähnt? Ich möchte nämlich heute eine Geschichte schreiben, die absolut nichts mit Angelina Jolie zu tun hat und die – so weit ich das einschätzen kann Angelina Jolie auch komplett an ihrem immer noch referenztauglichen Arsch (→50Cent in die Sexistenschweinderl-Kasse) vorbei gehen würde.

Ist ja gut – ich gebe zu, diese inakzeptable sexistische Entgleisung gründet einzig und allein in erheblichem Neid, weil meinem Hintern noch nie Referenztauglichkeit bescheinigt wurde. Dieses Problem wiederum wird Angelina Jolie nicht haben und demzufolge auch nicht nachvollziehen können. Aber über Angelina Jolie wollte ich heute ja gar nicht schreiben. Dafür ist der Name Angelina Jolie dann doch recht häufig gefallen, oder? Doch genug des eitlen Namedroppings.


[Virus oder Cirrus? Wer weiß das schon?]

Nicht weit abseits diverser Rundungen von Angelina Jolie (verdammt! schon weider!) hatte ich nämlich gestern einen (für seine Verhältnisse umfangreichen) Post von fefe zu einem heise.de Artikel in einem eigenen Text komplett mit eigener Recherche zweit- und drittverwurstet.

Inzwischen ist allerhand passiert. Die handelsüblichen Forentrolle sind über die sensationslüsterne Berichterstattung von heise.de hergefallen und haben sich dabei mehr als einmal auf diesen ZDNet Bericht berufen. Darin steht – wie immer sinnstörend von mir zusammengefasst (und jetzt, neu und verbessert, in indirekter Rede) – das sei doch alles nicht so schlimm, weil eh nur Informationen über die verlinkten Daten ermittelt würden und nicht die Daten selbst, die Konversationen eh nicht gespeichert würden und überhaupt all das eh nur zu unser aller Bestem sei.

Was? Sensationslüsterne Berichterstattung? An dieser Stelle stecke ich mir dann wieder einmal ein überlegen-süffisantes (wahlweise auch überheblich-versoffenes) Grinsen ins Gesicht und verweise mit einer eleganten Geste auf den subtilen impliziten Zusammenhang der beiden Themen meines letzten Posts. Wenn das keine gar meisterlich gedrechselte Verbalarchitektur ist?

Die Anschuldigungen selbst muss ich wohl nicht wirklich kommentieren. Wenn man einmal von der schlampigen Recherche absieht (Microsoft verfolgt nach meinen Recherchen natürlich auch normale http:// Links), ist an den Behauptungen von heise.de wenig auszusetzen. Natürlich werden alle Chats mitgeschnitten und gespeichert – allein schon, damit die Microsoft-Automaten die enthaltenen URLs extrahieren und zur weiteren Verarbeitung wiederum speichern zu können. Allein die Tatsache, dass der Prüfzugriff erst Stunden nach der Übermittlung stattfindet, setzt ja schon eine Speicherung voraus.

Dass die mitgeschnittenen Test-URLs nur per “HEAD” Request geprüft werden, ist übrigens lediglich ein Indiz.

Klar ist, dass man auch über einen “HEAD” Request Weiterleitungen (→Redirects) erkennen kann, mittels derer sich oftmals wenige böse Server hinter tausenden harmlos wirkenden URLs verstecken. Und die Erkennung eines solchen Redirects kann sehr wohl die Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit eines Links (URL) massiv verbessern.

Zu vermuten ist, dass nach diesem Test als unverdächtig eingestufte URLs nicht weiter verfolgt werden, weil deren Auswertung keinen Informationsgewinn verspricht, der den Aufwand rechtfertigen würde.

Es ist allerdings noch nicht klar, ob im Falle durchaus genauer untersucht werden – und dabei eben doch Daten abgespeichert werden,

Um das empirisch zu ermitteln, habe ich ein sehr verdächtiges File auf meinen Server gestellt und den dazu passenden URL, http://cbx.amadyne.net/mypic.jpg.exe (dahinter versteckt sich übrigens das wirklich harmlose Bild da oben) an mehrere Personen per Skype Chat verschickt. Das war heute gegen 20:00 Uhr. Nun warte ich darauf, was passiert – und das kann bekanntlich schon einige Stunden dauern.

Update: Ich habe jetzt (07:00 Uhr) damit begonnen, mit dem Warten aufzuhören. Außer dem nächtlichen Besuch eines neugierigen Österreichers mit Referrer auf diesen Post ist nichts passiert. daraus schließe ich, dass Microsoft einfach jede noch unbekannte Domain analysiert (egal, ob http oder https), dann aber das Ergebnis speichert und für eine gewisse Zeit nicht wieder nachfragt. Ob das jetzt allerdings besser oder schlechter – beziehungsweise überhaupt ein relevanter Unterschied ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, denn alle anderen Feststellungen bleiben ja weiterhin gültig.

Update 2: Jetzt ist klar, warum alle meine Folgestests ins Leere gelaufen sind. Wie inzwischen auch bei Heise Security zu lesen ist, hat Microsoft diese Checks kurz nach der Veröffentlichung komplett eingestellt. Insofern stehen meine Schlussfolgerungen aus dem ersten Update auf etwas dünnem Boden. Die Tatsache, dass die Linkverfolgung derart schnell und umfassend eingestellt wurde, kann für mich zweierlei bedeuten: Entweder ist die Funktion derart harmlos und zweckfrei, dass Microsoft problemlos darauf verzichten kann, oder aber man fürchtet sich erheblich, dass bei gründlicherer Recherche einige unangenehme Fragen auftauchen könnten…

Deshalb bleibe ich bei der Feststellung, dass man wirklich vertrauliche oder persönliche Informationen schon seit vielen Jahren unverschlüsselt weder über Chats noch über Freemail und auch nicht über die gute alte Post übertragen sollte.

/cbx, Kategorie: Netz Dschungelcamp -

Eigener Senf dazu? [3]

 

Angelina Jolies Hupen und das böse Internetz

2013-05-14 20:44 von /cbx, derzeit 9.34474 Kommentare

Ja, ich gestehe, das hat mich erregt. Und ja – “das hat”, nicht “die haben”. Über die sekundären Geschlechtsmerkmale der Frau Jolie sind für mindestens drei Internetze genug Bits verschwendet worden, da möchte ich mich nicht auch noch hinten in die Schlange stellen.

“Das”, was mich erregt hat, war die Berichterstattung unseres Reichspropagandasenders SWR3 (andere Programme empfange ich nicht im Büro) zu Angelina Jolies Entscheidung, sich das Gewebe beider Brüste entfernen zu lassen um das Risiko einer Krebserkrankung zu reduzieren. Diese Entscheidung an sich geht einerseits mich absolut nichts an und andererseits für mich auch völlig in Ordnung.

Faszinierend und erregend war für mich, dass diese “Information” für Stunden als erste Nachrichtenmeldung herhalten musste, während die Rekationen auf die versehentlich wirklich einigermaßen investigativ recherchierte ARD-Dokumentation darüber, wie angesehene deutsche Großkonzerne sich ungeniert aus allen Steuerkassen bedienen und jedes Verständnis von Fairness mit Füßen treten ihren eigenen Hochgeschwindigkeitspanzern überrollen, gerade mal für drei Erwähnungen am Rande gut waren. Und sogar die Topmeldung stand bis zur Mittagszeit als völlig inhalts-, hintergrund- und zusammenhangsfreies Faktoid im Raum. Erst in den Mittagsnachrichten, mithin 5 Stunden nach der ersten Erwähnung dieser Sensationsmeldung wurden die Beweggründe dafür plausibel erläutert was meine ursprüngliche Erregung abgebaut und einem gewissen Respekt für die Veröffentlichung dieser Entscheidung hat weichen lassen.


[Hupe. Lizenz: gemeinfrei]

Was soll’s – nach so vielen Jahren sollte mich die Vorliebe unserer Informationserzeuger für Leeres, Lautes und Lächerliches nicht mehr überraschen.

Was mich hingegen überrascht hat, war eine Meldung heute bei fefe.

Oh und wo wir gerade bei abschnorcheln und fadenscheinigen Security-Ausreden waren: Microsoft liest eure Skype-Konversationen mit und klickt auf übermittelte Links. Und als Ausrede faseln sie was von Schutz vor Spam, Betrug und Phishing.

Stets unterfordert und gelangweilt wie ich derzeit so bin, konnte es mir nicht verkneifen, diese Behauptung einer Überprüfung zu unterziehen. Ich hatte nämlich gerade gestern mit meiner Nichte gechattet und ihr dabei einen Link auf ein umfangreiches Bildarchiv auf meinem Server geschickt

[21:16:07] Daniela: Servus Christian, hej kannst du mir den .zip-link welchen du meiner Mam per Mail geschickt hast auch mal schnell schicken?
[21:17:27] Daniela: des hat bei meinen Eltern nicht funktioniert. jetzt mach ich den download besser gleich bei mir auf dem PC
[21:17:51] Christian Bucher: sekunde. ich such noch :-S
[21:18:41] Daniela: ja kein stress …. bin eh nu länger do
[21:18:46] Christian Bucher: Das wär dann der:
http://cbx.amadyne.net/ganz_geheimes_file.zip
[21:19:01] Christian Bucher: 450MBytes :D
[21:19:51] Daniela: ma super ja da laden wir schon mal 4o Min hehe

Das war der unschuldige Inhalt dieser Konversation. Und das war der Auszug aus meinem Server-Logfile:

80.187.96.53 – - [13/May/2013:21:17:45 +0200] “GET /ganz_geheimes_file.zip HTTP/1.1” 200 457090192 “-” “Mozilla/5.0 (X11; Linux i686; rv:20.0) Gecko/20100101 Firefox/20.0”

188.22.67.131 – - [13/May/2013:21:18:17 +0200] “GET /ganz_geheimes_file.zip HTTP/1.1” 200 457090192 “-” “Mozilla/5.0 (Windows NT 6.1; WOW64; rv:20.0) Gecko/20100101 Firefox/20.0”

65.52.100.214 – - [13/May/2013:23:37:55 +0200] “HEAD /ganz_geheimes_file.zip HTTP/1.1” 200 – ““ “

Man erkennt drei Zugriffe auf die Datei mit dem geheimen Namen. Der erste Zugriff stammt von mir und war der Test, ob der URL noch funktioniert. Der zweite Zugriff kam dann von der österreichischen IP-Adresse meiner Nichte Daniela. Der dritte Zugriff erfolgte mit über 2 Stunden Verzögerung und von einer IP Adresse aus Redmond/Washington/USA und die gehört – surprise! – einer Firma mit dem Namen “Microsoft Corp.” Diese Microsoft Corp. hat bekanntlich Ende 2011 Skype gekauft.

Fefe hatte also recht. Der Fön hatte gelogen. Er war kein verwunschener Prinz, sondern nur ein verzauberter Rasierapparat. (Kennt dieses Zitat noch jemand?)

Ich kann ganz klar bestätigen, dass

  1. Microsoft den Inhalt der Chats mitschneidet und höchstwahrscheinlich auch speichert, zumindest legt der zeitversetzte Zugriff das nahe.
  2. Microsoft in den Chats enthaltene URLs wirklich verfolgt.

Allerdings wurde anstatt eines “GET” nur ein “HEAD” Request abgesetzt, der nur einige Informationen über die Datei (Dateityp, Größe, Sprache), nicht aber den Inhalt übermittelt. Ob sich der kleine Spion aus Redmond von den 450MBytes abschrecken ließ oder das generell nicht tut, bleibt indes noch herauszufinden (was ich durchaus beabsichtige).

Doch schon jetzt lerne ich: Es ist völlig sinnlos, jetzt noch die vollständige und umfassende Totalüberwachung unserer Kommunikation verhindern zu wollen. Sie findet längst schon statt.

/cbx, Kategorie: Rant & Grant - Netz Dschungelcamp

Eigener Senf dazu? [9]

 

Erregt Euch!

2013-05-05 14:56 von /cbx, derzeit 0.20217 Kommentare

Oh, welch grauenhaftes Dilemma. Hätte ich da oben das korrektere “Empört Euch!” getitelt, würde ich mich des geistlosen Plagiats schuldig machen. So aber habe ich mich um so mehr mit dem weit schwerer wiegenden geistlosen Kalaureat besudelt. Erregt Euch? Was soll das sein? So was?


[Ab in die Schmuddelecke, Du nichtswürdiger Wurm. Und leck mir die Stiefelspitzen!]

Nun, so ganz eigentlich meinte ich durchaus etwas Anderes, als ich diesen Text zu tippen begann – aber Dinge verselbstständigen sich wohl gelegentlich. Gelegentlich? Eigentlich doch eher so gut wie immer. Ja, Dinge verselbstständigen sich. So werden aus manchen gut gemeinten Diskussionen, aus sinnvollen Prozessen mit erstrebenswerten Zielen leicht frei drehende Selbstläufer mit einer zunehmenden Tendenz zum Amok. Demnächst werde ich hier einen Gruppentext starten, der einen solchen Prozess entweder hinterfragt oder selbst zu einem mutiert – das weiß man vorher nie so genau.

So ganz eigentlich wollte ich über zwei “Informationen” schreiben, die im öffentlichen Diskurs der vergangenen Woche präsent waren. Hm – “öffentlicher Diskurs”. Ist eigentlich schon einmal ein Blog unter der Last der sinnleeren Worthülsen zusammengebrochen? Wenn ja, dann wäre das hier ein guter Kandidat dafür.

Wie auch immer. Zwei Themen aus der unheimlichen Welt der elektronische Kommunikation sind bis zum gemeinen Volk der Fußgänger vorgedrungen. Eines, das landesweit und sogar über die Grenzen der Republik hinaus zu massiver öffentlicher Erregung (→siehe da!) und, von mir aus, auch Empörung geführt hat. Ein anderes, das in den meisten Fachmedien und in einigen der etablierteren allgemeinen Faktenverkündungsorgane immerhin für eine Randnotiz gereicht hat.

Da wird einerseits – wie eigentlich immer, wenn es um Fragen der Staatsräson (→Machterhalt) geht – hinter verschlossenen Türen ein Gesetz ausgeklüngelt, das en passant einige vitale Grundrechte der Bürger aushebelt und dem allgegenwärtigen Überwachungs- und Bespitzelungsterror quasi gerade jene Freiheiten zugesteht, um die es die Bürger zuvor gebracht hat. Dieses Gesetz hat Ende dieser Woche den Bundesrat passiert und wird (Hat hier jemand allen Ernstes “Gauck” gerufen?) somit demnächst in Kraft treten. Durch dieses Gesetz werden alle Ermittlungsbehörden in die Lage versetzt, soweit dies für die Erforschung eines Sachverhalts oder die Ermittlung des Aufenthaltsorts eines Beschuldigten erforderlich ist (also eigentlich immer und überall) ganz legal so ziemlich alles an Daten über einen Bürger (→Beschuldigten) zu erfahren – selbstverständlich inklusive PIN, PUK und Passwörtern für Postfächer und Cloud-Dienste. Im Klartext darf also demnächst jeder Ermittler schon wegen einfacher Ordnungswidrigkeiten, oder auch nur, weil man sein Auto zur falschen Zeit am falschen Ort abgestellt hatte, vollkommen legal nach Herzenslust in sämtlichen privaten Daten wühlen. Sogar das unter dem irreführenden Schlagwort “sicher” vermarktete Pseudoprodukt “De-Mail” wird von genau jener Regierung, die es eben noch dem Stimmvieh als staatlich bestens kontrolliertes Kommunikationsprodukt aufzwingen wollte, noch bevor irgend jemand sich ernsthaft dafür interessiert hätte, mit voller Breitseite torpediert. Welche Drogen muss man eigentlich nehmen, um noch zu glauben, dass in diesem Staat Personen entscheiden, die auch nur eine Sekunde lang über die Konsequenzen ihrer Entscheidungen nachdenken (können)?

Bevor jemand hier (wiewohl das eher unwahrscheinlich ist) das Argument mit dem “Richtervorbehalt” in die Waagschale wirft: Wer verfolgt hat, wie in diesem Land mit Hausdurchsuchungen verfahren wird, der weiß, wie viel dieses Alibi-Feigenblatt in Wahrheit wert ist. Und wo ein Zugang ist, da finden sich immer auch genügend Menschen, die diesen für ihre eigenen privaten Zwecke missbrauchen.

Andererseits beschließt der größte Internetprovider des Landes, seine Tarife noch kostspieliger und noch wesentlich unattraktiver zu gestalten, die allgemein akzeptierten Restriktionen aus der Mobilfunkwelt auch im Festnetzbereich gewinnbringend umzusetzen und damit tausende Kunden in die Arme der Konkurrenz zu treiben.

Es bedarf keiner hellseherischen Fähigkeiten um zu erkennen, welche der beiden Meldungen zu tornadoartigem internationalen Blätterrauschen geführt hat. Hier ist der Punkt, wo meine Jahrzehnte lange Lebenserfahrung massiv mit dem kollidiert, was ich gerne glauben möchte. Ich möchte nämlich glauben, dass die Veröffentlichung dieser beiden Faktoide zeitlich präzise aufeinander abgestimmt war, um sicherzustellen, dass im Sturm der Empörung über die unvorstellbare Ungeheuerlichkeit der Telekom das Platzen der wahren Bombe zu nicht mehr verkommt als einem Furz im Schnapsglas. Meine Lebenserfahrung aber besagt, dass große Zusammenhänge, große Verschwörungen und Geheimbünde von gewissen- und rückgratlosen Egomanen niemals (lange genug) funktionieren um komplexere Pläne wirklich umzusetzen.

Ich danke meiner Lebenserfahrung dafür, dass ich all das für ein Produkt kumulierter menschlicher Dummheit halten kann – und nicht für eine echte Verschwörung gegen uns Fußgänger.

/cbx, Kategorie: Rant & Grant - Netz Dschungelcamp

Eigener Senf dazu?

 

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