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Heute im Räumungsverkauf: Als hochkompetenter IT-Entscheider und -Macher...

Durchsuchungsbefehl:

Wenn das Angebot interessanter ist...

09.09.2015 17:57 von /cbx, derzeit 2.4531 Kommentare

…als es auf den ersten Blick aussieht, dann hat der Anbieter oft seine Hausaufgaben nicht gut gemacht. Na, kryptisch genug? Naja, mit dem Spannungsaufbau wird das wohl nichts, wenn die Bilder direkt darunter schon die halbe Geschichte erzählen. Weil ich aber inzwischen Schwabe bin und demzufolge viel lieber fleißig als effizient, möchte ich doch kurz umreißen. worum es mir geht.

Ich fahre ja inzwischen seit Dezember 2014 einen Hyundai i40 (mit dem inzwischen zweiten Motor – aber das ist eine eigene Geschichte) und bin recht zufrieden damit. Die Firma hat dieses Schiff bei einem Händler in Essen gekauft (woselbst ich es an einem Orkantag im Dezember abholen durfte – da waren die 1.6 Tonnen ein echter Beitrag zur Sicherheit) und deshalb sind wir noch in dessen Kundendatenbank gespeichert, auch wenn Service und Garantie (→zweiter Motor) natürlich über einen Händler vor Ort laufen.


[Ein attraktives Angebot? Nicht wirklich]

Dieser Händler in Essen hat mir nun heute ein Mail mit einem “interessanten” Angebot geschickt. Ich könnte sehr frühzeitig einen Termin zum Räderwechsel vereinbaren und dann nur 70€ für Wechsel sowie Reinigung und Einlagerung der Sommerräder bezahlen. Ob darin auch Wuchten inkludiert ist, geht aus dem Mail nicht hervor. Man mag mich heikel und geizig nennen, aber auch wenn ich dafür nicht zwei mal 400km weit fahren müsste, fände ich das Angebot nicht so berauschend. Die selbe Leistung bekomme ich (mit Wuchten, allerdings ohne Einlagerung) bei der Werkstatt 150m von meiner Türe für unter 20€.

Ich wollte das Mail schon gelangweilt in den Spamordner schieben, als mir die seltsame Position des Scrollbalkens (→Bild) auffiel. Ein beherzter Griff zum Mausrad (ja, so was habe ich hier noch) förderte dann doch noch ein attraktives Angebot zutage:


[Das interessante Goodie gibt es erst für den fleißigen Scrollraddreher…]

Im Klartext der Mail fanden sich nicht weniger als 1718 weitere Mailadressen (sowie meine) von bestätigten Hyundai-Käufern. Da hatte sich jemand wohl beim verkacken ganz besondere Mühe gegeben. Der eigentliche Mailheader war nämlich völlig in Ordnung und adressierte nur uns (also “die Firma”). Dafür hatte das schlaue Spezialprogramm ganz eigenmächtig sämtliche anderen Adressen einfach literal an den Text angehängt. Auch eine Methode, sich beim Kunden unbeliebt zu machen. Und wer hat’s verkackt?

X-Mailer: david by Tobit.Software, Germany (…

Und da wundert mich dann plötzlich gar nicht mehr so viel. Ich habe übrigens dem ersten Impuls widerstanden und kein fressg’scheites Mail zurück geschickt, wie ernst man es in diesem Hause wohl mit dem Datenschutz nähme.

Ja, so abgestumpft bin ich inzwischen.

/cbx, Kategorie: Netz Dschungelcamp - Rant & Grant

Eigener Senf dazu? [2]

 

Toys, Toys, Toys

02.09.2015 19:45 von /cbx, derzeit 2.27620 Kommentare

Quod erat expectandum. Da schreibe ich mir nach langer Abstinenz unter äußersten Entbeerungen (Weder Him- noch Brom- oder gar Heidelberen) ein epochales Epos voller dunkler und apokalyptischer Gedanken von der Seele und was passiert? Nichts. Keine Kommentare.

Gut, dann halt etwas aus dem stets beliebten Kapitel “Geschichten aus der Schule”. Ich habe Abend heute ein bisserl herumdokumentiert und da ist mir doch glatt aufgefallen, dass ich bisher über eine der massivsten Zeit- und Geldsenken(!) bei uns im G’schäft so gut wie gar nichts geschrieben habe.

Nun gut, dabei wird es auch bleiben, immerhin aber möchte ich ein paar (naja – drei) Bilder präsentieren. Wir haben uns nämlich vor langer, langer, langer Zeit schon im Erdgeschoss des Nebengebäudes eingemietet, dort, wo bis vor gut 10 Jahren die Firma BOSCH ein kleines ausgelagertes Entwicklungsbüro betrieb.


[500m² feinste Bürofläche. Irgendwann einmal jedenfalls]

Als BOSCH dann den Mietvertrag kündigte, folgte für den damaligen Vermieter eine Spirale von sehr schlechten Folgegeschäften, die schließlich in dessen Insolvenz endeten. Nachdem die Bank dann das Gebäude übernommen hatte, überkam den ehemaligen Besitzer wohl ein Anfall von gerechtem Zorn – er wütete mit Axt und Flex (jetzt ohne jede Übertreibung) in seinem ehemaligen Besitz und richtete flächendeckende Verwüstungen an. Die im Bild oben erkennbare zerstörte abgehängte Decke (auf dem Bild schon repariert, nur noch nicht fertig) und die beschmierten Wände sind nur letzte Zeugen dieses Amoklaufs.

In diesem Zustand konnte die Bank das Gebäude dann erwartungsgemäß so leicht verkaufen wie einen Kühlschrank in der Antarktis. Erst im Jahr 2013 hat dann die Alevitische Kultusgemeinde Bühl die Bauruine für einen Spottpreis gekauft und anschließend mit enormem Aufwand an Geld und Eigenleistung in ein modernes und großzügiges Gemeindezentrum verwandelt. Wir haben dann die Gelegenheit beim Schopf gegriffen und das für die Gemeinde nicht sinnvoll nutzbare Erdgeschoss langfristig gemietet.


[Vollklimatisiert mit allem, was um 2000 herum gut und teuer war…]

Dass der Vormieter dieser Räume BOSCH hieß, war in diesem Fall ein echter Glücksfall für uns, denn bei der Investition in eigene Infrastruktur war BOSCH noch nie kleinlich. Und seit einigen Wochen weiß ich als Executive Vice President For Infrastructure And Stuff, dass unser kleines Pokerspiel mindestens zwei mal aufgegangen ist. Die gesamte, sehr üppige Netzwerk- und Telefonverkabelung ist vollständig und unbeschädigt, und das Netzwerk auch vollständig Gigabit-tauglich. Besser aber noch ist, dass die Lüftungsanlage nach dem Einbau einer neuen SPS (die alte hatte der wütende Amokläufer per Axt aus dem Schaltschrank explantiert) trotz rund 10 Jahren Stillstand ohne eine einzige Störungsmeldung hochführ und quasi unmittelbar dort fortsetzte, wo sie vor Jahren aufgehört hatte zuarbeiten.


[und in Cat 5e strukturiert verkabelt – mit eigenem Serverraum]

Sogar einen eigenen versperrbaren Serverraum gibt es – ein wahrlich würdiges Heim für fiji und unsere 19” Switches. Irgendwann jedenfalls. Derzeit sorgen die eindrucksvollen vier Patchkabel und der per Kabelbinder befestigte Plaste-Switch lediglich dafür, die Daten unserer zwei VDSL-Anschlüsse per Koppelleitung (selbst verbuddelt!) in unsere alte Halle nebenan zu übertragen. Bis es dann so weit ist, dass hier echte Server und Switches den ganzen Raum in grünes Flackerlicht tauchen, werden wir noch viel Geld versenken und Zeit vernichten müssen.

Weil nämlich das Gebäude jetzt ein Veranstaltungszentrum ist, gelten nachgerade hirnzerfetzende Vorschriften, was (beispielsweise/vorwiegend) Sicherheit und Brandschutz betrifft. So mussten wir bereits ungeplant fünfstellige Beträge investieren, um Brandschutzwände, Brandschutztüren, Brandschutzklappen, Fluchtwege und dergleichen mehr mit geltenden Gesetzen in Einklang zu bringen. Das hat dann auch einen erklecklichen Teil unserer Pokergewinne wieder aufgefressen. Immerhin aber ist dieses Geld größtenteils bei lokalen Handwerksbetrieben gelandet.

Und falls sich irgend jemand gefragt haben sollte, warum ich das ausgerechnet heute geschrieben habe:

Nun, heute beim Fotografieren hatte ich das allererste Mal das Gefühl, dass wir wirklich irgendwann in diese Räumlichkeiten übersiedeln werden…

/cbx, Kategorie: Aus der Schule -

Eigener Senf dazu? [2]

 

Wer dabei nicht den Verstand verliert...

30.08.2015 13:42 von /cbx, derzeit 1.26086 Kommentare

…darf sich mit Recht einen Pragmatiker nennen. Dieser Planet quillt geradezu über von Pragmatikern und – ja – ich bin wohl auch einer von denen. Ganz pragmatisch habe ich vor längerer Zeit beschlossen, mir die Schmerzen, welche die Schere in meinem Kopf immer dann verursacht, wenn sie sich wieder ein Stück weiter öffnet, nicht mehr abzubloggen, sondern unter – haha – Wachstumsschmerzen zu verbuchen und weiter meinem wenig sinnstiftendem Alltagsleben nachzugehen.

Nun aber begab es sich, dass ich unlängst meinem Bruder das Buch “Digitale Demenz” von Manfred Spitzer (auf totem Baum!) geschenkt habe (genauer “geschenkt haben werde, aber das ist eine andere Geschichte) und im Zuge dessen für mich selbst die Kindle-Version erworben habe. Und weil ich schon mal im Kaufrausch war, habe ich anlässlich des 65. Geburtstags von Steve Wozniak auch noch dessen “Autobiographie” mit dem “lustigen” Titel “iWoz” hinterher geschoben.


[Peinlich, aber wahr. Meine Bibliothek…]

Inzwischen habe ich beide Bücher gelesen und muss – was mich sehr erstaunt – immer noch darüber nachdenken. Insbesondere die Wozniak-Geschichte lässt mir keine Ruhe. Während des Lesens hatte ich permanent das Gefühl, hier würde sich ein Held meiner jungen Jahre aktiv als der größenwahnsinnige Vollidiot outen, als den ihn so viele gerne in den überlebensgroßen Schatten des Heiligen Steve Jobs gestellt hatten. Denn einerseits schreibt er mit großer Ausdauer darüber, dass er (zumindest damals in den 70ern und 80ern) sicher der größte und beste Schaltungsdesigner dieses Planeten gewesen sein musste und dass er über einen ganz fantastischen Sinn für Humor verfügt. Andererseits stellten sich seine großartigen “Pranks” in meinen Augen als kindische und dümmliche Nerdspielereien heraus (→TV-Störsender) und seine “Karriere” scheint mehr als einmal äußerst eigentümliche Wege genommen zu haben. Allein die Aussage, dass er, als Apple schon hunderte Millionen Dollar mit dem Apple II verdiente, als mehrfacher Millionär einen ganz gewöhnlichen Fußgängerjob als Hardwareentwickler (mit drei Hierarchieebenen über sich) inne hatte, ließ mich mit dem Kopfschütteln nicht aufhören.

Erst mit einiger zeitlicher Distanz kamen mir gewisse Zweifel, wer in dieser Autor-Leser-Beziehung jetzt eigentlich in Wahrheit der größere Trottel war. Für mich war es anscheinend unvorstellbar, dass jemand, der mit seiner Arbeit quasi im Alleingang den kometenhaften Aufstieg eines Weltunternehmens begründet hatte, sich nun einfach als kleines Rädchen im stetig wachsenden Uhrwerk mitdrehen wollte, anstatt in der dünnen Luft ganz oben die ganz dicken Bretter zu bohren (Na? genug dümmliche Bilder?),

Also mein Ego wäre damit sicher nicht zufrieden gewesen. Je länger aber die Essenz dieses Büchleins im mir weiter gärte, um so mehr wurde mir klar, dass das grundlegende Problem vielleicht doch viel eher bei mir als bei Herrn Wozniak zu suchen war. Der Mann war damals schon ein verdammter Multimillionär, frei von jedweden materiellen Sorgen und durfte sich den ganzen Tag mit der einzigen Sache beschäftigen, die ihn immer begeistert hatte und in der er wirklich einer der Weltbesten war. Was hätte der in Boardmeetings, an den Schalthebeln der Macht verloren gehabt? Wem hätte das genutzt? Indes verlangt, das einzusehen und dann auch noch umzusetzen, ein erhebliches Maß an Erkenntnis und innerer Reife, die mir offenbar fehlen.

Was diesen Teil betrifft, ist mir inzwischen einigermaßen klar, dass der Gewinner eindeutig Woz heißt und nicht /cbx.

Dann war da noch das ziemlich populäre (wenn auch schon ältere) Werk des Herrn Spitzer, das ich mit großem Interesse gelesen habe und das mich schon währenddessen in noch ärgere Zwiespalte stürzte. Denn zweifellos liest sich praktisch der gesamte Text über die Defizite, die (digitale) Medienberieselung und die ständige Verfügbarkeit von “Wissen”, “Information” und Ablenkung(!) in den Gehirnen der (vor allem jungen!) Anwender hinterlässt, wie das grantige Grummeln eines alten Mannes im Stile von “Früher war mehr Lametta”. Gleichzeitig aber scheinen all seine Argumente sowie die zugrunde liegenden Studien durchaus stichhaltig und – was für mich noch mehr zählt – kongruent mit meinem Erfahrungshorizont.

So, das war jetzt aber mal eine wirklich lange Einleitung. Ich habe seit Monaten nichts mehr zur “Zeitgeschichte” geschrieben, weil

  1. mir mehr und mehr davor graust, was da an den verschiedensten Kriegssenschauplätzen so abgeht,
  2. mir klar ist, dass auf diesem Planeten niemand auf meine erhellenden Kommentare gewartet hat und
  3. ich wirklich nicht mehr weiß, wie ich all das einordnen soll.

Eine der letzen Online-Quellen für wirklich nützliche und sinnvolle Inhalte – und das meine ich absolut ernst – Der Postillon hat es wieder einmal perfekt auf den Punkt gebracht:

Wer das makaber findet, hat vielleicht einen Schritt zu wenig weit nachgedacht. Denn dass mittlerweile seit Jahren tausende Hoffnungslose unter unseren Augen im Mittelmeer ertrinken, haben wir gelernt zu akzeptieren wie Bankenrettungen, Korruption und schlechtes Wetter. Die Dorade mit Menschenfleisch ist inzwischen in jeder Hinsicht fester Bestandteil unseres Speiseplans geworden.

Dass nun schon mitten im neuen “vereinten” Europa überall die Zäune in die Höhe schießen um jene von unseren reich gedeckten Tischen fern zu halten, deren Lebensgrundlage wir kurz zuvor in für unsere eigenen Wirtschaftsinteressen (und die unserer “Freunde” natürlich) in Grund und Boden gebombt haben (und dies im Dienste der “Freiheit” weiterhin tun), nehmen wir leicht beunruhigt zur Kenntnis. Nein, da muss schon jemand mit einer zum Himmel stinkenden Fuhre echter Todesopfer unsere heiligen Autobahnen besudeln, dass wir überhaupt noch wach und ein paar Tage lang von unseren eigenen brennenden Existenzsorgen (→Wann kommt das neue iPhone?) abgelenkt werden.

Wen ich – als Kind der 80er Jahre – dann so richtig in diesem Gedankenstrudel rotiere, dann muss ich quasi automatisch an die in den 80ern sehr beliebten alarmistischen Dokumentationen aus der Zukunft denken, in denen alle möglichen dystopischen Szenarien adrett aufbereitet präsentiert wurden – zum gemeinsamen Gruseln für die ganze vor dem Fernsehaltar versammelte Familie.

Schon damals waren da erschreckende Bilder zu sehen, von einem im Jahr 2010 vollständig entwaldeten Deutschland (wir erinnern uns →Waldsterben) oder vom Zusammenbruch der Zivilisation nach einem Unfall in einem Atomkraftwerk., aber auch von einer Welle afrikanischer Flüchtlinge, die über Europas üppig gedeckte Tische und ordentlich gemähte Vorgärten hereinbrechen werde.

Nun, inzwischen wissen wir alle, das unsere Wälder noch viele lange Jahre weiter vor sich in sterben werden, ohne dass es uns kümmern würde und dass so ein kleiner Atomunfall lediglich einige unwesentliche Komforteinbussen in der unmittelbaren Umgebung sowie ärgerliche Verwerfungen im Fernsehprogramm nach sich zieht. Doch beim Bild der Flüchtlingswelle, das mir damals übrigens auch schon in meinem (für Tiroler Verhältnis) linksintellektuellen Gymnasium vorgemalt wurde, kräuseln sich schon gerade ein paar Nackenhaare.

Ein Ausschnitt aus einer günstig gewählten aktuellen Tagesschau unterscheidet sich praktisch in Nichts von den Schreckensszenarien, die man damals erfand um die Menschen aufzurütteln und bei ihnen das in den 80ern alles entscheidende Problembewusstsein zu wecken. Um das Bild abzurunden, hätte auch damals schon ein Bericht über gewalttätige Proteste, Ausschreitungen und natürlich auch Brandstiftungen nicht fehlen dürfen. Man kann ohne große Übertreibung behaupten, dass unsere derzeitige Nachrichtenlage weitestgehend kongruent mit den dreißig Jahre alten Dystopien ist.

Genau deshalb weiß ich jetzt überhaupt nicht mehr, wie ich die Situation wirklich einschätzen soll. Klar ist, sagt meine “Lebenserfahrung”, dass der Großteil aller angekündigten Katastrophen nicht statt findet und alte Menschen seit mindestens 10000 Jahren jammern, dass die Generation der Jungen verkommen, faul und unfähig sei, ergo diese Welt in den Abgrund führen werde. So versuche ich also, mich dem Altmännergejammer nicht blindlings hinzugeben.

Andererseits aber wurde uns beigebracht (ich glaube mich zu erinnern, dass Holocaustleugner sich vor einer Verurteilung gerne in die Aussage “mir wurde in der Schule beigebracht…” flüchten), dass es noch nicht so lange her ist, dass wirtschaftliche Turbulenzen, “klare” Feindbilder, Verteilungskämpfe, schließlich Aufmärsche (→Spaziergänge) und brennende Häuser die Vorboten einer Entwicklung waren, die wenig später einen ganzen Kontinent tief, sehr tief in die Scheiße geritten hat.

“First they ignore you, then they laugh at you, then they fight you, then you win.” Das ist auch so ein Sinnspruch, von dem ich befürchte, dass er beängstigend viel Wahrheit beinhaltet. In etwas abgewandelter Form kann man das Wirken dieser Strategie derzeit gut beobachten. Lange genug wurde das Problem der Flüchtlinge und der unschönen Reaktionen, die ihr Eintreffen bei uns auslöst, mit aller Macht ignoriert. Was jene betrifft, die planmäßig im Meer ersaufen, gilt dies sogar bis heute.

Jetzt aber sind genug von denen hier, um die hässliche Reaktion der kultivierten Abendländer nicht mehr unter den Teppich kehren zu können. Und was passiert? Nun, Teile unserer gewählten Regierung leisten den dümmsten vorstellbaren Offenbarungseid ihrer vollständigen Hilflosigkeit und bezeichnen jene Bürger, die da ihren Unmut und ihre Angst, endgültig zu den Verlierern zu gehören, primitiv und brutal artikulieren, als “Pack” und “Abschaum”. Wer als Regierung seine eigenen Bürger so bezeichnet, hat längst aufgegeben und alles verloren.

Tja, genau das ist es, was mich heute hier an die Tastatur getrieben hat. Wenn ich mir ansehe, wohin wir uns gerade bewegen, einen nicht versiegenden Strom von Flüchtlingen, die wir – das kann man nicht oft genug wiederholen – selbst aus ihrer Heimat ausgebombt haben, eine wachsende Anzahl von Bürgern hier, die bereit sind, das wenige, das ihnen geblieben ist, mit allen vorstellbaren Mitteln zu verteidigen, eine Finanzkrise, aus der kein kontrollierter Weg mehr heraus führen kann und ein Rudel Politiker, die sich nicht einmal mehr die Mühe geben, den Eindruck zu erwecken, sie würden damit irgendwie umgehen können, dann fällt es mir schwer, das als Lametta-Lamento eines alten Mannes abzutun.

Aber wahrscheinlich irre ich mich auch hier und die Zukunft wird ganz wunderbar. Sicher sogar…

/cbx, Kategorie: Rant & Grant -

Eigener Senf dazu? [1]

 

Ein geringfügig anderes Geräusch... [Update]

27.08.2015 19:31 von /cbx, derzeit 1.56631 Kommentare

…geht oft einem heftigen Knall voraus. Das wusste ich bereits. Und heute wurde dieses Wissen wieder einmal auf eindrucksvolle Weise bestätigt.

Ich hatte so gegen halb Neun Uhr eine Maschine, die gerade am Montag aus der Fertigung gekommen war, eingeschaltet um dort ein paar Messungen durchzuführen. Um diese frühe Zeit war es in der Halle noch relativ still und so konnte ich die charakteristischen Geräusche, die ein so komplexes Gerät so von sich gibt, ziemlich gut hören.

Gerade als ich die Messspitzen sauber positioniert hatte, schien sich das heitere Summen der Kühlventilatoren auf eine Art ins Dunkle zu verändern, die in meinem Bauch sofort ein sehr eigentümliches Ziehen verursachte. Ich las noch schnell den Messwert ab und warf dann einen Blick in den vorderen Elektronikraum, wo die gesamte Leistungselektronik verbaut ist.

Und wirklich, dort strahlte mir schon die grellrote LED des Shuntreglers entgegen, dessen eigentliche Aufgabe das Begrenzen von Überspannungen ist, die entstehen können, wenn schwere Motoren schnell abgebremst werden. Wenn diese LED dauerhaft leuchtet, dann kann man mit Gewissheit davon ausgehen, dass gerade etwas ernsthaft schief läuft.

Ich hätte die Messung wohl besser sofort abbrechen sollen, denn während ich noch (ca. 200ms lang) überlegte, ob ich den NOT-AUS Schalter betätigen sollte, nahm mir schon ein kräftiger Knall diese Entscheidung ab. Der Inhalt der beiden 50W Leistungswiderstände des Reglers schoss aus den Enden der Aluminiumgehäuse heraus und der feine schwarze Quarzsand, mit dem der Widerstandsdraht umgeben war, verteilte sich gleichmäßig im gesamten Elektronik-Einbauraum.


[So sieht diese Schaltung aus, wenn sie wieder repariert ist]

Ein herber chemischer Geruch von gegrilltem Draht und Flammschutzmittel machte sich in der Halle breit. Der Knall und der Geruch riefen dann auch die Kollegen auf den Plan, die ob der netten Abwechslung im öden Alltag durchaus amüsiert waren. Sie lobten den satten Klang, wie auch die herb-würzigen Duftnote sowie die äußerst stilsichere Dekoration der Maschine mit dem in elegantem Schwarz glitzernden Sand.

Ich übte mich derweil in umfasendem Grübeln und Rätseln, wie dieses aufsehenerregende Ereignis überhaupt hatte eintreten können, denn eigentlich – und dieses Wort verwendet der Ingenieur gerne inflationär, wenn er schwerwiegende Konstruktionsmängel vertuschen will – gab es da einige Maßnahmen, die genau dies hätten verhindern sollen.

Nachdem nämlich vor einigen Jahren eine Maschine (beim Kunden!) eine nicht unerhebliche Rauchentwicklung (im Reinraum!) gezeigt hatte, als dort die Versorgungsspannung für einige Zeit deutlich über 260V gegangen war, hatte ich die Leistungsbilanz nochmals kontrollgerechnet und eine zweistufige Thermosicherung eingebaut, die im Fall einer unzulässigen Erwärmung der Widerstände zuerst die Maschine und – sollte das unverständlicherweise nicht helfen – später sogar die Widerstände selbst abschaltet.

Die Thermosicherungen indes waren beide intakt. Obwohl das zuvor kaum möglich schien, wuchs meine Ratlosigkeit noch weiter. Also musste ich die gesamte Platine für weitere Untersuchungen explantieren. Während ein Kollege die Maschine mit einem Ersatzteil ausstattete, baute ich die Ruine auf meinem Labortisch auf. Nachdem ich die explodierten Widerstände durch einen 500W Halogenstrahler (→optischer Stromflussindikator) ersetzt hatte, gab ich Spannung auf die Schaltung und – es ward Licht!

Allerdings nicht in meinem Kopf, sondern lediglich im Inneren des Halogenstrahlers. Ich musste also wohl auch noch den Leistungs-FET, dem die Rolle des Schalters zukam, ersetzen. Als das erledigt war, schaltete ich wieder ein und es geschah – absolut nichts. Alle LEDs standen auf grün und der Regler tat so, als hätte nie etwas anderes getan, als vertrauenswürdig, seriös und verantwortungsbewusst über die Einhaltung der vorgesehenen Spannungsgrenzen zu wachen. Dieses Wohlverhalten freute mich nun aber überhaupt nicht, weil es mich der Ursache keine Schritt näher brachte.


[Was ist eigentlich in so einem Drahtwiderstand drin? Und wo mag der fehlende Stöpsel des zweiten Widerstands gelandet sein?]

Weil es ohnehin egal war, wo ich ratlos meinen Kopf schüttelnd saß, blieb ich noch vor dem wirren Drahtigel sitzen, in den ich die Platine zum Test zügig eingebaut hatte. Und das war Glück, denn nach langen Minuten ereignislosen Wartens meinte ich, aus dem Augenwinkel ein winziges Rauchfähnlein zu erhaschen, als auch schon der 500W-Strahler wieder zu leuchten begann.

Also Stecker raus, Kondensatoren entladen (320Vdc!) und schnell zum mobilen Mikroskop gegriffen – wobei das mobile Mikroskop des Kurzsichtigen ganz unkompliziert durch das Abnehmen der Brille aktiviert werden kann – und die vermutete Stelle der Rauchentwicklung genau untersucht. Nach langwierigen Analysen, ausgiebigem Kopfschütteln und diversen verbalen Kommentaren hatte ich schließlich doch eine einigermaßen plausible Kauslakette konstruiert.

Auslöser der ganzen Misere war wohl ein harmlos wirkender 330kΩ Kohleschichtwiderstand, der (über zwei Banden) für die Schnellentladung der Pufferkondensatoren beim Abschalten der Maschine zuständig ist. Dieser Widerstand hatte einen kaum sichtbaren Riss in seiner Keramikhülle, wodurch wohl in den letzten Tagen Feuchtigkeit eingedrungen war, was schließlich dazu führte, dass er die Spannung nicht mehr tragen konnte, wie es seine Aufgabe erforderte und deutlich mehr Strom fließen ließ, als das meine Berechnung vorgesehen hatte. Damit startete dann die Schnellentladung bei weiterhin aktiver Speisung, was die Temperatur der Shuntwiderstände sehr schnell ansteigen ließ.

Praktischerweise kam dann noch hinzu, dass die Thermosicherungen leicht verkantet eingebaut waren, also kaum thermischen Kontakt zu den Widerstandskörpern hatten und damit nicht schnell genug auf die Erwärmung der Widerstände reagieren konnten. Und dieser elegante Doppelfehler hatte dann zu einer netten Abwechslung mit Knalleffekt geführt.

Und was lernen wir daraus? Nun, ich lerne zweierlei.

  1. Der Versuch, jeden Fehlerfall abzufangen, wird letzten Endes immer scheitern und
  2. Sicherheitseinrichtungen muss man nicht nur gut entwerfen, man muss sie auch richtig umsetzen.

Update zur zweiten Bildunterschrift: Im Zuge der freitäglichen Aufräumaktionen wurde der aus dem zweiten Widerstand herausgeschleuderte Stöpsel mitsamt dem abgerissenen 0.6mm Ø Anschlussdraht in gut 3m Entfernung unter einer anderen Maschine gefunden.

/cbx, Kategorie: Aus der Schule -

Eigener Senf dazu? [1]

 

Gut verpackt ist...

24.07.2015 12:41 von /cbx, derzeit 0.26799 Kommentare

…auch Kleines kaum mehr zu verlieren. Aus der locker lustigen Reihe:

Hätte man das nicht auch grösser verpacken können?

folgt hier ein weiteres Kleinod.

Wir hatten (neben allerlei anderem Plunder) 25 Stück Hochgeschwindigkeits-Optokoppler HCPL-0211 im handlichen (→unfassbar scheisse zu löten) SO-8 Gehäuse bestellt. Unser Lager sollte eigentlich noch 4 Stück beinhalten, aufgrund der schieren Grösse dieser SMD-Bauteile war aber klar, dass wir, nachdem sie am vorgesehenen Lagerort nicht waren, gar nicht erst beginnen mussten, danach zu suchen.

Also haben wir 25 (→Staffelpreis) bestellt und – sage und schreibe – zwei (in Ziffern: “2”) vorab bekommen. Diese beiden waren liebevoll in Antistatik-Schaum eingewickelt in einem 20×30mm grossen Tütchen zwischen schweren Schütz-, Trafo- und Kondensatorschachteln in einem grossen Karton herum gekullert (sie haben es aber überlebt).

Diese Woche nun traf die Nachlieferung ein. 23 Stück in der dafür üblichen Stange. Doch anstatt diese Stange in ein kleines Blisterkuvert zu stecken, wurde sie sorgfältig in ein verschliessbares Tütchen gepackt und dann – zusammen mit dem Gegenwert eines kleine Mischwaldes in Papier – in einen angemessen grossen Karton gesteckt.

Wenn unser Lager nicht eh aus allen Nähten platzen würden, hätte ich durchaus List, die 23 Winzlinge auch in genau dieser Verpackung auf Lager zu legen.

Dann könnten Sie wenigstens nicht so leicht verloren gehen…

/cbx, Kategorie: Schöngeistlos - Aus der Schule

Eigener Senf dazu?

 

Wieder da! Aus der Schule!

15.07.2015 19:11 von /cbx, derzeit 4.10625 Kommentare

Das muss ich zuvor noch loswerden. Gerade auf dem Nachhauseweg im Staatsfunk gehört:

»Das Parlament in Griechenland entscheidet heute über die von der EU verlangten Sparmassnahmen«

Nachdem ich nicht kommentieren werde, was ich davon halte, wie in den letzten Tagen nach einem demokratischen Volksentscheid mit den demokratisch gewählten Vertretern eines demokratischen Staates in der Europäischen Union umgesprungen wurde, fällt mir auch dazu nur eine Abwandlung des bekannten Zitats von Henry Ford ein:

»Bezüglich der Farbe haben Sie die Wahl, sich für Schwarz zu entscheiden«

Inzwischen ist es mir scheissegal, dass ich in diesem unserem Bundes-Kasperletheater kein Wahlrecht habe.

Aber da wollte ich ja gar nicht hin. Es begab sich nämlich, dass ich in dieser Woche nach vielen langen Monaten erstmals wieder etwas wenigstens ansatzweise Sinnvolles getan habe – und dann auch noch in meinem Fachgebiet – und funktioniert hat es auch noch!

Im Rahmen dieser bescheidenen Webpräsenz habe ich ja schon nachgerade inflationär über die aufwändige und teure Entwicklung unseres aufwändigen und teuren EPI3-Interfaces gejodelt. Inzwischen funktioniert das Teil so leidlich und ich habe gelernt, dass es eine sehr – richtig – aufwändige und teure Lösung für ein ziemlich triviales Problem geworden ist.


[Und am Brotbrett wird gejumpert…]

Im Zug eines anderen Projekts habe ich vor einigen Monaten der Firmware unserer USB I/O-Module beigebracht, per schnellem Zweipunktregler (100ms Zyklus) bis zu vier Analogwerte autark über einen digitalen Stellausgang zu regeln. Damit konnten wir dann per – Achtung, festhalten – “SS-Relay” und Thermoelement einen 250W Gasvorheizer auf 0.5°C genau regeln.

Aktuell nun müssen wir eine Maschine mit einem beheizten Werkzeug ausstatten und dafür haben wir ein winziges keramisches Heizelement mit rund 50W bei 24V angeschafft. Das könnte man natürlich mit dem großen, teuren und komplexen Eisen erschlagen.

Man könnte aber auch ein kleines Biserl Hirnschmalz investieren und eine spottbillige Alternative entwickeln. Wenn das Heizelement anstatt mit 400V nur mit 24V betrieben wird, kann man nämlich auf so gut wie alle teuren Komponenten und die aufwändige Isolierung verzichten.


[Heizt mit 15K/s]

Es bleibt eine Stromquelle, die nicht einmal abgeschaltet werden muss, ein Messverstärker und ein Leistungssteller – in diesem Fall ein HEXFET mit sagenhaften 17mΩ On-Widerstand. Diese Komponenten kosten sogar zusammen mit einer anständigen Platine nur einen einstelligen Eurobetrag. Dann musste ich der Regler-Firmware nur noch beibringen, während der Widerstandsmessung (worüber ja immer noch die Objekttemperatur erfasst wird) die Heizspannung für ein paar hundert µs abzuschalten.


[Und nicht mal weit daneben]

Was soll ich noch schreiben? Heute habe ich (meinem schwächelnden Ego angemessen) in bewährter Brotbrett-Technik einen Prototypen aufgebaut und damit aus dem Stand geradezu sensationelle Ergebnisse erzielt: Überschwingerfreies Einregeln und Grenzschwingungen unter 0.5°C. Da schien dann doch einmal ein kleinwunziges Lichterl inmitten eines endlosen Tunnels…

Für tschechisch Interessierte sei übrigens noch erwähnt, dass der auf 9.8A Dauerstrom zugelassene Wunder-FET (IRF 9332) das winzige SO-8-Teil links unten im ersten Bild ist, das ich zwecks besserer Zugänglichkeit auf ein Veroboard gelötet habe.

Und nun bitte ich um doppeltes Lobhudeln und/oder Spott!

/cbx, Kategorie: Aus der Schule -

Eigener Senf dazu? [4]

 

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