Brüder und Schwestern, Genossinnen und Genossen, Kameradinnen und Kameraden, wahrlich, ich sage Euch:
- Hängt Euer Herz nicht an die falschen Götzen! Folget nur dem Wahren!
- Glaubt nicht, was Sie Euch sagen, glaubt nur, was Er Euch sagt!
- Opfert den Zehent nicht den Prassern und Orgiasten, opfert nur den Wohltätern!
- Preiset nicht die Worte und Taten der falschen Propheten, denn nur Er spricht und handelt ohne Falsch!

Aber nein! Den meine ich doch gar nicht. Ein Harlekin-Kaiser im geschmacklosen Abendkleid, dem inzwischen sogar das eigene Bodenpersonal die Zusammenarbeit verweigert, darf von mir aus im Bundestag so viele Reden halten, wie er nur möchte. Unter dessen gläserner Zirkuskuppel wird jeden einzelnen Tag derart viel vorsätzlicher Unfug verzapft, werden so unvorstellbare Mengen an aktiver Realitätsverweigerung freigesetzt, dass nicht nur die ruhmreich strahlenden Ruinen von Fukushima, sondern auch dieses Gebäude am besten vollständig sarkophagiert werden sollten. Da macht ein einzelner bunter Vogel – so schrill auch immer seine Thesen sein mögen – keinen substanziellen Unterschied mehr.
Ich meine weit Schlimmeres! Hier das Beweisfoto:

Wer genau hinsieht, erkennt mühelos die zart bläulich glimmende Aura der Koronaentladungen zwischen dem iPod und dem kindle. In dem kleinen Spalt, wo die Ecke des iPod auf die Seite des kindle trifft, herrscht ein Zustand stabiler vierfach-Quantenverschränkung, wie er immer anzutreffen ist, wenn zwei sich wechselseitig ausschließende Realitäten gleichzeitig auftreten (→vgl. “unzerstörbare Mauer vs. unaufhaltbare Kanonenkugel”).
Wenn der Heilige Steve Jobs schon vollständig tot wäre, würde er mich für meinen Frevel vermutlich mit einem Blitz beim Scheißen niederstrecken. Die Regel ist einfach: “Du sollst keinen Gott neben mir haben” Entweder folge ich dem Goldenen Apfel oder ich opfere auf dem Altar des Großen Jeff Bezos. Beides geht nicht. Oder doch?
Nun, ich habe mich schon lange entschieden. Der AppStore des Heiligen Steve kennt meine Kreditkarte nicht. Nur kostenlose Apps (Heise, Standard, MPoD!,…) dürfen auf meinem iPod Speicher verbrauchen. Amazon hingegen kennt mich schon seit Jahren und verdankt mir in jedem Jahr hohe vierstellige Umsätze. Und das ist gut so. Denn mein Gott ist der Heilige Konsum. Diesen Gott muss ich weder anbeten, noch kann ich ihn verleugnen, er weiß ohnehin, dass er lange schon gewonnen hat.
Bleibt die technische Seite. Seit heute nenne ich diesen Kindle 3 mein Eigen und der erste Eindruck ist sehr geteilt. Das E Ink Display sieht wirklich sagenhaft aus und bietet nach meinem Empfinden den selben Lesekomfort wie ein sehr gut gedrucktes Buch (kein Vergleich mit billigen amerikanischen oder chinesischen Paperbacks). Die Bedienung hingegen ist für Touch-verwöhnte Zeitgeistverfolger arg archaisch geraten. Dauernd tapsche ich erfolglos auf Menüs und Hyperlinks, bis ich kopfschüttelnd meine Fingernägel in das winzige Steuerkreuz bohre. Das Touchen allerdings führt bei echten Büchern ja auch zu nichts (außer Fettflecken). Anders verhält es sich mit dem Suchen, das am Kindle sehr gut funktioniert. Es ist schon recht witzig, innerhalb einer Sekunde zu finden, wo in den gesammelten Werken von Douglas Adams die Formulierung “almost, but not quite, entirely unlike tea” zu finden ist (Seite 83).
Die wahre Kehrseite ist sicherlich die direkte Verbindung zum Amazon-Shop. Jedes Buch lässt sich mit (naja) 3 bis 12 Klicks kaufen und landet nach spätestens 60 Sekunden auf dem Lesegerät. Bei Büchern wie “Die Bibel” (99 Cent) oder “Blog Dich reich!” (1,50€) ist das noch nicht so gefährlich, bei Klassikern wie “The Complete Hitchhikers Guide…” (11€) und Bestsellern wie “Schoßgebete” (13€) geht geiles Klicken allerdings mindestens so schnell ins Geld wie bei Handy-pr0n oder (kennt das noch wer?) Klingeltönen. Ich werde schon sehen, ob der kindle mich ruiniert.
Wenn mich nicht doch noch die Rache des Heiligen Steve trifft, dann werde ich in den nächsten Wochen den kindle auf Brauchbarkeit testen und dann hier Bericht erstatten.







