Aristophanes....Loriot...Nuhr...Barth.../cbx!

11.10.2011 19:48 von /cbx, derzeit 1.7889 Kommentare

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Ja, meine Damen und Herren, wenn man das Niveau so tief schrauben will, muss man – will man eine schmerzhafte Sehnenschneidenentzündung vermeiden – schon den Akkuschrauber bemühen. Nach dem ganzen aufgeblasenen Geseier der letzten Tage finde ich, dass es jetzt Zeit ist, die Niveaulatte auf Didi Hallervorden / Mario Barth zu legen und dann einen Limbo-Rekordversuch zu wagen.

Im Zuge der Aufräumarbeiten vom Wochenende bin ich noch über ein weiteres Dokument gestolpert, das mein Zentralgestirn und ich auf der schon erwähnten Hochzeit im szenischen Dialog vorgetragen haben. Es handelt sich dabei um eine zeitgemäße Überarbeitung eines Artikels in einer Frauenzeitschrift aus den 50er-Jahren, der seinerzeit der Hausfrau wertvolle Tipps zu ihrer Rolle im gemeinsamen Haushalt gab.

Weil ich heute absolut keinen Bock darauf habe, irgendwelche hohlen Leersätze zu den aktuellen Themen auszuscheiden, die man mühelos auch in besserer Qualität bei wirklich klugen Menschen lesen kann, möchte ich hier einfach nur puren LeichtSinn verbreiten.

Es folgt ein unredigiertes Zitat aus 2008:


[Hausfrauen 2011]

Die perfekte Ehefrau 1958 / 2008

1958: Halten Sie das Abendessen bereit. Planen Sie vorausschauend, evtl. schon am Vorabend, damit die köstliche Mahlzeit rechtzeitig fertig ist, wenn er nach Hause kommt. So zeigen Sie ihm, dass Sie an ihn gedacht haben und dass Ihnen seine Bedürfnisse am Herzen liegen. Die meisten Männer sind hungrig, wenn sie heimkommen und die Aussicht auf eine warme Mahlzeit (besonders auf seine Leibspeise) gehört zu einem herzlichen Empfang, so wie man ihn braucht.

2008: Bereiten Sie das Abendessen vor, indem Sie ihm rechtzeitig eine Email schicken, was er auf dem Nachhauseweg noch einkaufen soll. Aber Achtung: Die meisten Männer sind nach der Arbeit hungrig,und tendieren dann zu unverhältnismäßigem Einkauf. Dass die erforderlichen Lebensmittel erst mit ihm eintreffen entbindet Sie gleichzeitig von der Verpflichtung, schon eine Mahlzeit vorzubereiten.

1958: Machen Sie sich schick. Gönnen Sie sich 15 Minuten Pause, so dass Sie erfrischt sind, wenn er ankommt. Legen Sie Make-up nach, knüpfen Sie ein Band ins Haar, so dass Sie adrett aussehen. Er war ja schließlich mit einer Menge erschöpfter Leute zusammen.

2008: Machen Sie sich schick. Gönnen Sie sich 15 Minuten Pause, so dass Sie erfrischt sind, wenn er ankommt. Lassen Sie keinen Zweifel daran aufkommen, dass Sie nicht die Person sind, die allein für Ordnung im Haushalt zuständig ist.

1958: Seien Sie fröhlich, machen Sie sich interessant für ihn! Er braucht vielleicht ein wenig Aufmunterung nach einem ermüdenden Tag und es gehört zu Ihren Pflichten, dafür zu sorgen.

2008: Seien Sie fröhlich, machen Sie sich interessant für ihn! Leisten Sie ihm etwas Gesellschaft, während er das Abendessen zubereitet.

1958: Räumen Sie auf. Machen Sie einen letzten Rundgang durch das Haus, kurz bevor Ihr Mann kommt.

2008: Machen Sie einen letzten Rundgang durch das Haus, kurz bevor Ihr Mann kommt. Sicher fällt Ihnen noch etwas auf, was er dort demnächst noch tun muss.

1958: Während der kälteren Monate sollten Sie für ihn ein Kaminfeuer zum Entspannen vorbereiten. Ihr Mann wird fühlen, dass er in seinem Zuhause eine Insel der Ruhe und Ordnung hat, was auch Sie beflügeln wird. Letztendlich wird es Sie unglaublich zufrieden stellen, für sein Wohlergehen zu sorgen.

2008: Während der kälteren Monate sollten Sie ihm erst richtig einheizen. Je nach Ihrer persönlichen Bedürfnislage können Sie ihm entweder stark erwärmende Tätigkeiten wie Bügeln, Abwasch oder Staubsaugen anbieten oder aber durch geschickte Wahl der Kleidung und Atmosphäre für gemeinsame erwärmende Aktivitäten sorgen. Letztendlich wird Sie hoffentlich beides unglaublich zufrieden stellen.

1958: Seien Sie glücklich, ihn zu sehen.

2008: Wenn Sie wirklich glücklich sind, ihn zu sehen, zeigen Sie das ruhig.

1958: Begrüßen Sie ihn mit einem warmen Lächeln und zeigen Sie ihm, wie aufrichtig Sie sich wünschen, ihm eine Freude zu bereiten.

2008: Begrüßen Sie ihn mit einem warmen Lächeln und zeigen Sie ihm, wie aufrichtig Sie sich wünschen, dass er Ihnen eine Freude bereitet.

1958: Hören Sie ihm zu. Sie mögen ein Dutzend wichtiger Dinge auf dem Herzen haben, aber wenn er heimkommt, ist nicht der geeignete Augenblick, darüber zu sprechen. Lassen Sie ihn zuerst erzählen – und vergessen Sie nicht, dass seine Gesprächsthemen wichtiger sind als Ihre.

2008: Er ist ein Mann. Er kann Ihnen nicht zuhören, das lässt Seine Hirnstruktur schon objektiv nicht zu. Schaffen Sie deshalb gerechte Verhältnisse und vermeiden Sie, ihm zuzuhören. Sollte er wirklich reden, so reagieren Sie wie er in der umgekehrten Situation; Sondern Sie in in regelmäßigen Abständen Zuhörgeräusche wie “ah”, “mhm” oder “oh” ab und denken Sie derweil über das Programm für den folgenden Tag nach.

1958: Der Abend gehört ihm. Beklagen Sie sich nicht, wenn er spät heimkommt oder ohne Sie zum Abendessen oder irgendeiner Veranstaltung ausgeht. Versuchen Sie stattdessen, seine Welt voll Druck und Belastungen zu verstehen. Er braucht es wirklich, sich zu Hause zu erholen.

2008: Der Abend gehört Ihnen beiden. Lassen Sie sich nicht, so weit kommen, dass er unangekündigt spät heimkommt oder ohne Sie zum Abendessen oder irgendeiner Veranstaltung ausgeht. Kapern Sie seinen Blackberry (ggf. mit Hilfe einiger freundlicher russischer Hacker, die gegen einen kleinen Obolus den technischen Part übernehmen) und tragen Sie dort alle Ihre Abendtermine mit höchster Priorität ein. Stellen Sie sicher, dass diese, falls gelöscht, bei jeder Synchronisierung wieder auftauchen.

1958: Ihr Ziel sollte sein: Sorgen Sie dafür, dass Ihr Zuhause ein Ort voller Frieden, Ordnung und Behaglichkeit ist, wo Ihr Mann Körper und Geist erfrischen kann.

2008: Ihr Ziel sollte sein: Sorgen Sie dafür, dass Ihr Zuhause ein Ort voller Aktivität und Energie ist, wo Ihr Mann sich mit vollem körperlichen, geistigen und finanziellen Engagement dafür einsetzen kann, es zu einem noch besseren Ort zu machen.

1958: Begrüßen Sie ihn nicht mit Beschwerden und Problemen.

2008: Im Falle von Beschwerden und Problemen können Sie die Begrüßung auch ausfallen lassen.

1958: Beklagen Sie sich nicht, wenn er spät heimkommt oder selbst wenn er die ganze Nacht ausbleibt. Nehmen Sie dies als kleineres Übel, verglichen mit dem, was er vermutlich tagsüber durchgemacht hat.

2008: Beklagen Sie sich nicht, wenn er unangekündigt spät heimkommt oder selbst wenn er die ganze Nacht ausbleibt. Sollte er noch nicht da sein, wenn Sie zu Bett gehen, genügt es völlig, einen Schlafsack ins Wohnzimmer zu legen und die Schlafzimmertüre zu versperren.

1958: Machen Sie es ihm bequem. Lassen Sie ihn in einem gemütlichen Sessel zurücklehnen oder im Schlafzimmer hinlegen. Halten Sie ein kaltes oder warmes Getränk für ihn bereit. Schieben Sie ihm sein Kissen zurecht und bieten Sie ihm an, seine Schuhe auszuziehen. Sprechen Sie mit leiser, sanfter und freundlicher Stimme.

2008: Machen Sie es ihm bequem. Männer reagieren so gut wie nie auf subtile Andeutungen. Stellen Sie den vollen Mülleimer genau dort hin, wo er für gewöhnlich seine Schuhe hin stellt. Auf diese Weise kann er ohne Anstrengung erkennen, was Sie von Ihm erwarten. Stellen Sie ihm in Aussicht, dass er sich bei ausreichendem Wohlverhalten anschließend mit einem Bier zu Ihnen vor den Fernseher setzen und das neueste Rosamunde Pilcher Drama ansehen darf.

1958: Fragen Sie ihn nicht darüber aus, was er tagsüber gemacht hat. Zweifeln Sie nicht an seinem Urteilsvermögen oder seiner Rechtschaffenheit. Denken Sie daran: Er ist der Hausherr und als dieser wird er seinen Willen stets mit Fairness und Aufrichtigkeit durchsetzen. Sie haben kein Recht, ihn in Frage zu stellen.

2008: Fragen Sie ihn nicht darüber aus, was er tagsüber gemacht hat. Dies hat keinerlei praktische Relevanz. Teilen Sie ihm stattdessen klar mit, welche Aufgaben Sie ihm für die nächste Zeit übertragen haben. Er weiß, dass letztendlich immer Sie das Sagen haben, sodass er Ihre Entscheidungen gewöhnlich nicht in Frage stellen wird.

1958: Eine gute Ehefrau weiß stets, wo ihr Platz ist.

2008: Sie leiten neben Ihrem eigentlichen Job auch noch äußerst erfolgreich ein hochdynamisches kleines Familienunternehmen. Zeigen Sie ihm, wo sein Platz darin ist.

Falls sich irgendjemand gefragt haben sollte: Ich habe natürlich den “1958”-Part vorgetragen.

/cbx, Kategorie: Schöngeistlos -

 

Eigener Senf dazu?

  1. Kraska gab am 12. Oktober 2011, 08:14 folgenden Senf dazu:

    Lustig. Aber lustig auch nur, wenn man die Zeit nicht miterlebt hat, in der unsere Mütter versucht haben, diesen reaktionären Scheiß zu LEBEN

    /cbx meint dazu:

    Naja, man kann es aber auch anders sehen: Wenn man bedenkt, dass das damals ernst gemeint war, erkennt man, wie weit wir in vergleichsweise kurzer Zeit schon von diesem "reaktionären Scheiß" weg gekommen sind.

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