Willkommen in Lalenburg!

10.11.2011 22:08 von /cbx, derzeit 1.23739 Kommentare

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Die Schildbürger (oder historisch-klugscheißerisch korrekt “Lalen zu Lalenburg”) sind arme, hilflose Amateure gegen uns!

Ein Loch in den Boden des Bootes bohren, damit das eingedrungene Wasser ablaufen kann? Ein Haus ohne Fenster bauen und mit dem Dach beginnen? Die Altersvorsorge in gehebelte Derivate investieren?

Alles Kleinkram!

Wir haben in den letzten Tagen so ziemlich alle Kategorien von Absurdität hinter und gelassen und vermutlich alle bekannten Gesetze und Grundsätze von Entwurf, Konstruktion und Fertigung technischer Systeme mit Füßen getreten, wahrscheinlich in unserem blinden Eifer sogar versehentlich einige Naturgesetze übertreten – all das in der Hoffnung, unseren neuen EMU vielleicht doch noch bis zur Messe fertig zu bekommen.

Derzeit ist die Maschine zu ungefähr 85% fertig und es fehlen nur mehr drei Teile. Klingt doch nicht schlecht?

Nun, es klingt etwas weniger beruhigend, wenn man weiß, dass eines dieser drei Teile ungefähr 100kg schwer ist und die Bezeichnung Maschinenbett trägt. Dieser kleine Klumpen aus Hitech Material ist genau das Teil, an und in dem alles Andere montiert wird.

Wir haben also bis heute einen Industrieroboter zu 85% aufgebaut und getestet, ohne im Besitz des alles verbindenden Teils zu sein. Der Versuch einen Hausbau mit dem Dach zu beginnen, mutet dagegen gerade wie eine kleine aber plausible Abweichung vom Gewohnten an.

Welche genialen Bilder könnte ich hier jetzt präsentieren, wenn ich mir nicht selbst eine non disclosure policy auferlegt hätte. Ich werde sie vermutlich nach der Messe nachreichen.

Und wenn Fotos schon für Stirnrunzeln, Kopfschütteln und Schenkelklopfen gut wären – wie viel unterhaltsamer wären erst die Videos der letzten Tage gewesen. Denn – das möchte ich unbedingt klarstellen – beim Versuch, jede vernünftige Vorgehensweise auf den Kopf zu stellen, haben wir auch sehr viel zu lachen gehabt. Sich über die Absurdität der Situation im Klaren zu sein, nimmt sehr viel Druck von allen Beteiligten.

Es besteht eine gewisse Hoffnung, dass wir das heiß ersehnte Maschinenbett im Lauf des morgigen Tages wirklich bekommen werden. Wenn es dann auch noch passen sollte, könnte es sein, dass sich die ganze Posse auch in der Sache gelohnt hat.

Ich lasse mich mal überraschen. “Scha’ mer mal, dan segn ma scho!”.

PS: Einen muss ich noch loswerden. Apropos “grotesk” und “absurd”: Ich könnte mich gerade anbrunzen, wenn ich höre und sehe, dass quasi alle wichtigen Nachrichten-Kommentatoren behaupten, die Bestellung von Lucas Papademos zum neuen griechischen Ministerpräsidenten sein ein Zeichen extremer Verzweiflung, denn schließlich sei Papademos ein Fachmann und kein Politiker.

Diesen logischen Schluss sollte man sich ruhig ein paar mal durch die letzten noch lebenden Neuronenen jagen…

/cbx, Kategorie: Aus der Schule - Schöngeistlos

 

Eigener Senf dazu?

  1. Peter Suxdorf gab am 11. November 2011, 07:33 folgenden Senf dazu:

    Ich wünsche, daß ihr die Maschine zur Messe noch rechtzeitig fertig bekommt. Ich mag nicht an die Kosten denken, die so eine Messe verursacht und man hat nichts zum “messen” dabei.

    Analog zum Fachmann-und-Politiker-Problem geht es in vielen Unternehmen zu.

    Gerne melde ich mich am Telefon: “Wollen Sie den Chef sprechen oder jemanden, der Ahnung hat?”

    /cbx meint dazu:

    Danke für den Wunsch, wir können das gut gebrauchen. Was die Chef vs. Kompetenz-Geschichte angeht: Ganz so schlimm ist es bei uns noch nicht, aber wir sind schon dabei, klein anzufangen...