Schnell zum Abdrescheisen gegriffen... [Update]

15.02.2012 08:01 von /cbx, derzeit 4.57395 Kommentare

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…ausgeholt…
…und…
abgedroschen!

Während mein weiterhin leicht lädiertes Gesäß noch fest im Fettnäpfchen des letzten Posts steckt, habe ich das nächste schon fix ins Auge gefasst. Das wird hier jetzt wirklich niemanden wundern, denn daran konnte ich einfach nicht vorbei:

“Junge CDU-Abgeordnete fordern eine Strafsteuer für Kinderlose”

Als alter, mieselsüchtiger, natürlich kinderloser Misanthrop und – auch das noch – ehemaliger Leerer habe ich natürlich eine ganz klare und nachvollziehbare Einstellung dazu – und zwar:

Was soll’s? Man zahlt so viele Steuern für so sinnvolle Ziele wie die Eigenkapitalrendite der Deutschen Bank und Grundstücksspekulation in der Stuttgarter Innenstadt, da wäre eine Solidarabgabe zur Familienförderung eine geradezu herzerwärmend sinnvolle Idee. Ein geradezu epochaler Befreiungsschlag wäre es, wenn diese Abgabe den ursprünglich als kurze Hilfsmaßnahme eingeführten Solidaritätszuschlag endlich ablösen würde. Da wäre ich beinahe schon begeistert, wenn – meinetwegen auch 2 oder 3% – meines Einkommens in ein Sondervermögen außerhalb des Bundeshaushalts gingen und ausschließlich zur Förderung von Familien und Bildung verwendet werden dürften.

In der Praxis liefe eine solche Regelung natürlich unvermeidlich darauf hinaus, dass sich Bessergestellte mit geringem Aufwand von der Abgabe freikaufen könnten, während am anderen Ende des sozialen Spektrums zusätzliche Härtefälle und langwierige Prozesse drohten. Denn eigentlich darf eine solche Strafsteuer Solidarabgabe natürlich nur die freiwilig Kinderlosen bestrafen – und der dafür erforderliche juristische Moloch ist genau der Punkt, an dem die Experten dann für die meistbietende Lobby das Brecheisen anlegen.

Weiterhin kommt hinzu, dass es nur eine Frage von Monaten, bestenfalls Jahren sein würde, bis das außerhaushaltliche Sondervermögen genauso zur Aufbesserung der Bankbilanzen beiträgt wie die Mineralölsteuer, Autobahnmaut und andere zweckgebundene Abgaben.

Will ich mir aber all diese intrikaten Spekulationen nicht antun, so reicht auch ein einfaches Zitat, das in einer über jede Zweifel erhabenen Klarheit die wahre Intention der jungen Konservativen aufzeigt. Die bayerische Familienministerin Christine Haderthauer erklärte wörtlich:

“Wir müssen wieder in eine Gesellschaft hineinwachsen, in der es nicht völlig egal ist, wie man lebt”

Und damit habe ich dann doch noch einen guten Grund zu rufen: “Dafür sollt Ihr ewig in der Hölle brennen – Ihr glaubt ja an so was”.

Update: Nach dem Kommentar von Peter Suxdorf habe ich irgendwie das Bedürfnis, noch eine halbe Hand voll Sätze hinten dran zu hängen. Für die Familien (→CSU) bzw. Eltern(teile) (→Andere) machen ein paar Euro im Monat keinen dramatischen Unterschied – vor allem keinen so dramatischen, dass der eine spontane Entscheidung für Kinder bewirken würde. Dass ich eine solche zielgerichtete Abgabe (wenn sie es denn wäre) dennoch prinzipiell akzeptieren würde, liegt daran, dass ich durchaus der Meinung bin, dass

  • mehr Kinder unserer Gesellschaft sicher gut tun würden und
  • ein großer Gewinn relativ einfach zu erreichen wäre, wenn man das bereits vorhandene Potenzial nutzen würde.

Wir leisten uns ein Bildungssystem, das für teures Geld nach langen Jahren zweistellige Prozentsätze an funktionalen Analphabeten produziert, (vgl. auch Frl. Krise) (auch) weil die Schulen unterfinanziert und Betreuungsangebote für arbeitende Eltern unzureichend sind (Leererschelte spare ich mir heute).

Wenn also den alten Damen und Herren von der CDU (und der Deutschen Bank, HRE, DB…) so sehr an zukünftigen Steuerzahlern und Leistungsträgern gelegen ist, sollten sie zuerst mal jenen “Kindern” eine Chance geben, die es schon gibt, bevor sie Steuergelder in der eintausendsten Auflage der Wurfprämie versenken.

Aber darum geht’s denen wohl wirklich nicht.

/cbx, Kategorie: Rant & Grant -

 

Eigener Senf dazu?

  1. Peter Suxdorf gab am 15. Februar 2012, 07:10 folgenden Senf dazu:

    Long vehicle Kommentar

    Ich bin mal wieder fasziniert davon, mit wie wenig Hirn Abgeordnete noch lebensfähig sind. Aus dem Fenster lehnen kann ich mich, da ich die statistische Anzahl von 1,4 eigenen Kindern überschritten habe, wobei ich es als unangenehm empfinden würde, wenn eines meiner Kinder nur zu 4/10 Anteilen vorhanden wäre.
    Kinder kosten bis zur Annahme eines eigenen Berufes – so sie das schaffen – ca. EUR 100.000,—. Die Quelle liegt mir leider nicht mehr vor, könnte sie aber am eigenen Leib belegen. Natürlich kann man diesen Betrag schwanken lassen, aber die Hausnummer ist vorhanden und setzt man sie mit dem von mir angenommenen durchschnittlichen Berufseintrittalters von ca. 23 Jahren an, so erhält man als Eltern eine jährliche Belastung von über EUR 4.000,—.
    Diese Belastung wird zum Teil vom Kindergeld abgemildert, liegt aber trotzdem mitunter deutlich über der Schmerzgrenze der Durchschnittsverdiener. Da muß heutzutage der Kinderwunsch schon immens groß sein, betrachtet man nur die finanzielle Seite.

    Als ob jetzt absichtlich kinderlose Paare nach Abdrücken von monatlich EUR 15,— bis 30,— sich dadurch zwingen lassen Kinder zu zeugen.

    Sollen die Dämlacks von Abgeordneten doch einfach zugeben, daß die Kasse leer ist und man Knete benötigt. Ich hätte da einen genialen Sparvorschlag: Abschaffung aller Parteien und Parlamente und alle Deutschländer könnten die nächsten Jahrtausende einmal jährlich umsönst Urlaub auf den Malediven machen.

    Du als Migrant wärst natürlich herzlich eingeladen…

    /cbx meint dazu:

    Schön geschrieben. Für mich ist es faszinierend, dass schon wieder die erste, die dazu mit einer unerwartet vernünftigen Aussage (sinngemäß ähnlich Deiner) aufgefallen ist, die kleine Kristina Schröder war. Wenn das so weitergeht, hat die keine Zukunft in der CDU.

  2. Simon Voggeneder gab am 15. Februar 2012, 09:28 folgenden Senf dazu:

    Wenn ich mir deinen Artikel – und insbesondere das Addendum (inkl. Fräulein Krise’s Blog) – lese, dann komme ich nicht umher, zu meinen:

    Bildung ist zu ganz erheblichen Teilen Privatsache. Wer zu Hause nicht vorlebt, wie wichtig es ist, interessiert zu sein und sich kritisch mit Themen auseinander zu setzen, der darf nicht erwarten, dass die Kinder ein Verständnis dafür entwickeln, warum Schule und Bildung wichtig ist.

    Ich gehe davon aus, dass jene, die das nicht voerleben, aber selbst keinen großen Wert auf die schulische Leistung ihrer Sprösslinge legen.

    Ich merke es am eigenen Nachwuchs: Kinder sind endlos interessiert! Wenn ich mich darauf einlasse und versuche, ihnen die Welt zu erklären und mit ihnen zu diskutieren, dann entwickeln sie eine Freude daran, neue Dinge kennen zu lernen. Unsere Große hat momentan beispielsweise eine helle Freude, alles, was sie so mit Buchstaben findet vorzulesen. Das wäre sicher nicht so interessant, wenn meine Freundin und ich nichts lesen würden bzw. den Kindern nie vorgelesen hätte.

    /cbx meint dazu:

    Ich stimme Dir voll zu, daran habe auch ich nicht den geringsten Zweifel. Ich gebe aber zu bedenken, dass es (auch in meinem persönlichen Umfeld ) Menschen gibt, die unverschuldet kaum Zeit und Kraft haben, sich intensiv mit ihren Kindern zu beschäftigen (z.B. Alleinerziehende in prekärer Beschäftigung). Für solche Menschen (bzw. deren Kinder) finde ich jede Form von Unterstützung gerechtfertigt.

  3. oachkatz gab am 15. Februar 2012, 19:03 folgenden Senf dazu:

    Schwierig die Kinder die Versäumnisse der Eltern ausbaden zu lassen. Ansonsten: gut gebrüllt, Herr Inschenieur.

    /cbx meint dazu:

    Das müssen die Kinder doch sowieso, oder?

  4. oachkatz gab am 16. Februar 2012, 09:31 folgenden Senf dazu:

    Ja, das müssen sie sowieso. Aber zu sagen, wenn die Eltern nicht in der Lage sind, Bildung zu vermitteln, dann haben sie halt Pech, ist ein wneig kurz gegriffen, finde ich. Abgesehen davon, dass ich Herrn Voggeneder nur bedingt zustimme, dass die Eltern nur vorleben und -lesen müssen, dann klappt das schon mit dem Wissensdurst und der Wertschätzung der Bildung. Ich kenne genug Eltern mit vielen Interessen und kritischem Verstand, die sich viel mit ihren Kindern beschäftigt haben und deren pubertierende Töchter und Söhne nun dennoch lieber mit Shoppen und Skateboardfahren beschäftigen als mit Bildbeschreibungen, Algebra oder Menschenrechten. Übrigens auch solche Kinder, die in Ethik eine 4 nach Hause bringen und dennoch mit den Eltern Diskussionen darüber führen ob es das Gute und das Böse tatsächlich gibt. Die Neonazis blöd finden, aber sich weigern, mal die von den Eltern abonnierte Zeitung zu lesen. So einfach ist das irgendwie alles nicht.

    /cbx meint dazu:

    Kindererziehung: Der einzige Job (naja, vielleicht neben "Bundestagsabgeordneter") mit sehr großer Verantwortung, den man ohne jede formelle Qualifikation ausüben darf. Und jeder kennt ein Patentrezept wie's richtig geht - nur die eigenen Kinder weigern sich meist, das zu würdigen.

    Wie sagte Karl Valentin so schön: "Kinder brauchen nicht erzogen werden, sie machen uns ja doch alles nach!“ Oder nach Walter Giller: "Es bleibt schwierig".

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