Dem Leserwunsch folgend

22.03.2012 18:33 von /cbx, derzeit 1.36840 Kommentare

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Wenn sich die Leser schon zu beschweren anfangen, dann muss ich mir wohl oder übel eine Geschichte aus dem Arsch ziehen, auch wenn ich gerade nichts finde, wozu ich einen originellen und leerreichen Kommentar abgeben möchte. Zu trist und eindimensional scheint mir gerade die Weltlage.

Es ist recht mühsam, wenn man so manche Dummheit bereits bei ihrem ersten Aufflackern gallig kommentiert, weil dann die zweite Dorfrunde der armen Mediensau schon keinen Text mehr wert ist. Wie schön könnte ich jetzt über die ostentative Realitätsverweigerung ablästern, die offensichtlich hinter der versuchsweisen Einführung eines Schulmodells stecken muss, das bis vor wenigen Jahren über Jahrzehnte hinweg Standard war. Wenn ich das nicht schon im Dezember getan hätte


[Lebensabend auf Naxos. Ein Traum! Und wird wohl einer bleiben.]

Ich könnte auch mein Befremden über den neuesten Coup unserer blonden Ministerin für …äh… gegen …also… unserer blonden Ministerin von der Leyen zum Ausdruck bringen. Die will eine Rentenversicherungspflicht für Selbstständige einführen.

Das ist auf so viele Arten obszön, dass ich mich echt zusammenreißen muss, nicht wieder in unkontrolliertes Tourettieren zu verfallen. Gerade die Frau, die vorher als Arbeitsministerin tausende von Hoffnungs- und Arbeitslosen von der Arbeitsagentur in eine aussichtslose Verzweiflungsselbstständigkeit (wer erinnert sich noch an die Ich-AG?) hat schicken lassen, will jetzt von diesen amtlich abgesegneten Super-Selbstausbeutern auch noch Geld für eine Rentenvorsorge abgreifen? Damit wird bestenfalls von einer Tasche in die andere umverteilt, denn alle jene, aus der Arbeitslosenstatistik in die Scheinselbstständigkeit verschoben wurden, haben mit ihren Einnahmen kaum je eine Chance, die erforderlichen Beiträge zu bezahlen – meistens reichen die ja nicht einmal für den blanken Lebensunterhalt. Letztlich müsste diese Zwangsvorsorge erst recht wieder aus Steuermitteln (allerdings jetzt und nicht erst später) bezahlt werden oder (und?) die Ich-AG-Opfer würden im Alter doch wieder bei der Mindestsicherung (wenn es die dann noch geben sollte, was ich für wenig wahrscheinlich halte) enden.

Darüber hinaus: Rentenvorsorge? Ich kann das Wort nicht mal tippen, ohne lachen zu müssen. Seit Norbert Blüm sagte “Die Rende isd sischer!” haben wir auch in diesem Bereich eine Kapitalvernichtung sondergleichen erlebt, die jede Hoffnung auf eine nennenswerte Rente in 20 bis 40 Jahren wohl weit in das Reich des Glaubens geschoben hat.

Wen ich daran denke, wie viel von meinem eigenen – oft genug sehr knappen – Geld bisher in diversen sicheren Pensionsvorsorgen rückstandsfrei vernichtet wurde, dann kann ich mir nur zu genau vorstellen, wo die Profiteure einer solchen Versicherungspflicht sitzen würden. Sicher nicht auf Seiten der Selbstständigen. So nötig es zugegebenermaßen ist, dass auch Selbstständige rechtzeitig Vorsorge für das Ende ihres Arbeitslebens treffen, so ungeeignet und populistisch erscheint mir der aktuelle Plan.

Nur gut, dass ich auch dieses Thema nicht kommentiert habe.

/cbx, Kategorie: Rant & Grant -

 

Eigener Senf dazu?

  1. Nordlicht gab am 22. März 2012, 20:09 folgenden Senf dazu:

    Gut geäzt und an das der richtigen Stelle.

    Diese Frau da, die kann einem wirklich alles verderben. Ich komme gar nicht so schnell an die Fernbedienung, wie ich zucken muß (sic!), wenn sie im Ferni auftaucht oder, noch schlimmer, aus dem Radio heraus meinen Frühstückstee in einen Hustenanfall verwandelt – heute morgen. Es ist eine Schande, was wir hier so erlauben in diesem Land. Den Herrn mit den großen schwarzweißen Plakaten „die Rente ist sicher…“ eingeschlossen. Der darf wirklich raus ins Freie – unfaßbar.

    So ganz nebenbei frage ich mich aber immer mal wieder, wo ER seine ausdrucksvolle Schimpfarmada herholt, das ist doch immer wieder beeindruckend. Auch wenn man dabei gelegentlich ein wenig übers Ziel hinausschießt. („unkontrolliertes Tourettieren“). Oder kennt er wirklich jemanden, dem Tourette kontrolliert zur Verfügung steht? Das wäre dann mal ein Simulant auf gehobenem Niveau.

    Egal. Der Norden dankt für die Bestätigung, daß auch andere richtig genervt sind und wünscht einen Frühling frei von Magenbeschwerden (wg. Blüm, von dem Leiden etc)

    P.S. Mal im Ernst: so ein Lebensabend in der Hitze Griechenlands – das ist doch nix? Was soll da angenehm sein?

    Gruß Nordlicht

    /cbx meint dazu:

    Dank für die Zustimmung. Und was das "unkontrollierte Tourettieren" betrifft - das wäre wohl wirklich eine Tautologie, wenn nicht der Begriff "Tourettieren" nach meinem Verständnis ganz klar das Simulieren des entsprechenden Syndroms bezeichnen würde. Ein Lebensabend auf Naxos oder Paros hingegen - na, da würde ich mich notfalls schon dran gewöhnen....

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