Leichter Linux Lobhudel

14.06.2012 20:55 von /cbx, derzeit 3.55053 Kommentare

Send to Kindle

Ich muss das jetzt sofort schreiben, wenn ich ausnahmsweise mal gut auf unsere Linux-only-IT im G’schäft zu sprechen bin. Normalerweise hören meine Kollegen von mir eigentlich nur Sätze wie: “Wenn wir eine anständige Firma wären, dann könnten wir uns auch eine g’scheite Windows—Infrastruktur mit wunderschönen Windows 7 Workstations von Dell und einen 2008er Server von HP leisten” Und dann hätte ich keine Probleme.

Da ist schon etwas dran. Jeder normale User hat sich längst damit abgefunden, dass Windows und Windows-Programme gelegentlich zicken und dann nur kräftiges Schimpfen hilft. Nicht gegen die Zicken natürlich, aber zur Entspannung.


[Linux Workstation bei AMADYNE]

Wenn hingegen unsere Linux-Kisten zicken, dann weiß jeder, dass man da prinzipiell etwas dagegen machen kann. Und das bringt dem Administrator dann allerhand Stress ein – vor allem, wenn die Ursache für die gelegentlichen Ausrutscher meist in der billigen Hardware zu finden ist.

An der Software kann es eigentlich selten liegen, weil alle Workstations mit völlig identischer Software ausgestattet sind. Es existiert genau eine Masterinstallation, die permanent aktuell gehalten und nach bestandenen Tests beim Abschalten auf alle Workstations ausgereollt wird. Hier bringen das – sonst eher nervige – monolithische Treiberkonzept und die fehlende Lizenzierungspflicht der freien Software Zinsen.

Heute aber bin ich ohnehin recht zufrieden mit mir und meiner Entscheidung für das Randgruppensystem. Und das kam so:

Wir haben für unsere älteste Maschinenbaureihe neue Mainboards bemustert und nach einem kurzen Test ein paar Stück davon gekauft. Die Steuerrechner für die SAM42-Maschinen brauchen drei PCI-Einsteckkarten und laufen unter Windows XP (jaja, eine Jugendsünde). Deshalb habe ich ein Intel Mainboard mit H67 Chipsatz für LGA1155 Prozessoren geordert.

Längere Tests haben jetzt aber gezeigt, dass die PCIe-nach-PCI Bridge, die auf diesem Board verwendet werden muss (der H67 hat kein PCI Interface mehr) im Dauerbetrieb nicht zuverlässig mit dem Framegrabber und den Motion Controllern zusammenarbeitet. Ganz blöde Sache. Ich hatte die Boards ja nicht gekauft, weil mir die Farbe so gefiel, sondern weil wir Steuerrechner aufzubauen hatten.

Nach einigem Fluchen und anschließendem Nachdenken, beschloss ich dann, die Mainboards aus den Rechnern der Entwickler, die noch mit LGA775-CPUs und P43 Chipsatz arbeiteten, für die Maschinen umzuwidmen, im Gegenzug die neuen Boards mit Core i5 Prozessoren auszurüsten und in die Entwicklerrechner einzubauen.

Die ganze Aktion dauerte für drei Rechner gerade mal eine halbe Stunde. Nachdem die Mainboards umgebaut waren (eine fummelige und meist auch blutige Schrauberei), starteten die runderneuertn Rechner trotz völlig anderer Hardware genau so, wie sie es heute Morgen mit den alten Mainboards getan hatten. Alles funktionierte.

Wenn ich mir vorstelle, wie das unter Windows gelaufen wäre…

/cbx, Kategorie: Linux LeidenSchaf(f)t -

 

Eigener Senf dazu?

  1. Hanz Moser gab am 15. Juni 2012, 02:02 folgenden Senf dazu:

    Ich glaube da eine leichte Ironie bzgl. Windows herauszuhören, also was die Nützlichkeit der Kombi Win7\2008 angeht. Für 2008 kann ich nicht viel sagen, für 2008 R2 schon.
    Das Zeug funktioniert. Und sogar ziemlich gut!

    Aber ja, ein Mainboard mit einer Windowsinstallation zu wechseln ist ein ziemliches Abenteuer…

    /cbx meint dazu:

    Dass das recht gut funktioniert, glaub ich Dir sogar. Aber auch wenn man die Kosten außer acht lässt, hätte ich niemanden, der das administrieren könnte. Also jenseits von Gruppenrichtlinien zusammenklicken.

  2. Hanz Moser gab am 15. Juni 2012, 11:54 folgenden Senf dazu:

    Ja, die Kosten. M$ wird nicht umsonst gerne mit dem Dollarzeichen geschrieben…

    Und Gruppenrichtlinien sind ja eines der Dinge, die Windows so nützlich machen. Und dass man sie zusammen-KLICKEN kann hat sicher was damit zu tun, dass Windowsserver bei Nicht-IT Buden so beliebt sind…

    /cbx meint dazu:

    Die Kosten sind halt mal da. Anderes Werkzeug muss man schließlich auch kaufen, damit könnte ich leben. Dass aber Nicht-IT-Menschen Windows-Server administrieren "können", scheint mir viel eher ein Problem als eine Lösung zu sein.

  3. Hanz Moser gab am 15. Juni 2012, 19:30 folgenden Senf dazu:

    Naja, ein normaler Hans Wurst kann auch mit einem Ratschensatz den halben Motorraum irgendwie bearbeiten…
    Bei Windows ist (oder war) die Grundoperation halt klicken, was man immer tun kann, auch wenn man nichts versteht. Bei Linux bekommt man halt keine ja\nein Fragen mit Erklärungstext, sondern muss(ste) ganze Befehle benutzen – in einer Kommandozeile.

    Gib Hans Wurst Werkzeug zum Richten einer Karosserie…

    Früher hätte ich auch gesagt, dass es eigentlich ein Fehler ist, das Interface so zu gestalten, dass auch Deppen keine Hürden sehen und wild herumklicken können. Als Laie mit einem Unix einfachste Serverdienste einzurichten ist imo viel schwerer als mit Windows, weil man erst ein unbekanntes Interaktionsparadigma (Kommandozeile) lernen muss.
    Mittlerweile sehe ich das ein wenig anders, weil in vielen Fällen sowas wild zusammengeklicktes ohne Struktur zwar schlecht ist, aber seine Funktion erfüllen kann. Ich hab schon Sachen gesehen, da dreht sich einem alles um. In Buden, die niemals das Geld aufgebracht hätten, zum Zeitpunkt als es notwendig war, jemanden dafür zu bezahlen, dass er es richtig einrichtet.

    Jetzt ist die Frage, ist es wirklich nur ein Problem (das ist es oft genug, keine Frage) oder nicht manchmal auch eine Lösung?

    (Den Fall, dass erst ein Depp sich versucht, weil er in seiner Hybris meint Textfelder für die Exchangeeinrichtung auszufüllen sei ja genau so schwer wie für die Webmailanmeldung, und dann am Ende nur Zeit und Geld draufgeht, gibt es natürlich auch oft genug…)

    /cbx meint dazu:

    Du hast sicher recht. Es hat sich auch vieles zum Guten gewendet sei den seligen NT-Tagen, als jede Windows-Kiste alle Ports an allen Schnittstellen angeboten hat. Seitdem habe auch ich meine Frieden (→Waffenstillstand) mit Windows gemacht.

Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen.