Wer seine eigene Schlauheit überschätzt...

20.08.2012 21:16 von /cbx, derzeit 0.58943 Kommentare

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…sollte sein Knie stets bedeckt tragen. Und zwar mit dicken Stahlplatten, denn all zu leicht schießt sich der vermeintliche Schlaumeier dabei großkalibrig ins eigene Knie.

Oft genug (kann man das überhaupt oft genug tun?) habe ich hier schon über ehr oder minder raffinierte Methoden berichtet, mit der besonders schlaue und oftmals eher arbeitsscheue Internetbenutzer sich aus dem vollkommen unereschöpflichen Füllhorn voller Idioten, die diesen Planeten bevölkern, bedienen und dabei durchaus erkleckliche Summen geruchsfreien Geldes einnehmen. Sicherheitshalber möchte ich auch hier noch die übliche Klarstellung nachschicken, dass jeder von uns mehrere dieser Füllhörner bewohnt und einige lediglich das Glück haben, zu einer Idiotenquelle zu gehören, aus der sich bisher noch niemand bedient hat.


[Nur kucken, nicht klicken: http://amazon.abteilung.biz]

Heute bin ich auf eine neue, weder besonders originelle, noch besonders raffinierte Seite gestoßen (worden), die mich veranlasst hat, mich dieses kurzen Textes zu entblöden. Es geht um die oben bildlich dargestellte Seite, von der man meinen könnte, sie würde nach Zugangsdaten zu amazon.de phishen.

Damit meint man natürlich nicht grundsätzlich falsch. Aber – man meint deutlich zu kurz. Ja, früher, in der guten alten Zeit der rechtschaffenen Internetkriminalität, als das Internet noch kein rechtsfreier Raum war, da gaben sich die Urgroßväter der heutigen Interpreneure noch mit dem einfachen Datensammeln und Adresshandel ab. Und – wer weiß – damals mag das sogar noch einen einträglichen Gewinn abgeworfen haben.

Heute hingegen, einige Gesetzesreformen später, ist mit Adresshandel kein Blumentopf mehr zu gewinnen, weil die Meldeämter und Telekommunikationsunternehmen_ den Markt überschwemmt und die Preise ruiniert haben. Doch die ambitionierten Spammer, Scammer und sonstigen Parasiten wären nicht die erfolgreichen Unternehmer, die sie sind, wenn sie nicht von der Konkurrenz lernen könnten. Und das haben sie. So wie die Meldeämter schon lange ihre Adressen an die GEZ und die private Werbewirtschaft verkaufen, so haben auch die gewöhnlichen Kriminellen dazu gelernt und nehmen eine Doppelauswertung ihrer Web-Angebote vor.

Einerseits wird mit den bekannten Phishing-Seiten weiter der Bodensatz der völlig unbelehrbaren Idioten abgephisht, heutzutage aber sind jetzt auch die Schlaumeier von eigenen Gnaden in die Zielgruppe der Interpreneure aufgerückt. Denn auf jene, die, wohl wissend, worum es sich handelt, eine solche Seite in ihren Brauser laden um ihre Neugier zu befriedigen, wartet inzwischen stets ein zum Bersten gefülltes Päcklein aus verschiedensten Exploits, die allesamt dazu angetan sind, den Rechner des vermeintlichen Schlaumeiers binnen weniger Millisekunden als willfährigen Zombie in ein weltweites Botnetz zu integrieren und so fürderhin zu einem entscheidenden Teil des Problems werden zu lassen. Die oben gezeigte gefälschte Amazon-Seite beinhaltet ein sehr umfangreiches verschleiertes JavaScript, dem wohl nur allerhartnäckigste Optimisten gute Intentionen unterstellen werden. Ja, das wirkt dann schon deutlich weniger smart und souverän.

Und die Moral von der Geschicht’: “Halte für zu schlau Dich nicht!”

/cbx, Kategorie: Netz Dschungelcamp - Andere Betrüger

 

Eigener Senf dazu?

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