Die USS Enterprise NCC-1701...

03.09.2012 20:46 von /cbx, derzeit 3.59749 Kommentare

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…wurde von einem Materie-Antimaterie-Reaktor angetrieben, der auf der Theorie beruht, dass bei der vollständigen Annihilation von Materie und Antimaterie absolut fantastische Energiemengen freigesetzt würden. Wenn es nun findigen Forschern in absehbarer Zeit gelänge, nach dem selben Schema einen Arroganz-Ignoranz-Reaktor oder eine Wärmepumpe für soziale Kälte zu entwickeln – ich denke, Ursula von der Leyen alleine könnte mit ihrem Output die gesamte Energiewende an einem Wochenende stemmen.

Dabei ist es fast völlig egal, in welcher Funktion und zu welchem Thema sie sich äußert, immer ist es eine Kombination aus unreflektiert ausgewürgten ad hoc Faktoiden und einer unerreicht arroganten Abgehobenheit gegenüber den vermeintlich adressierten Fußgängern (→Steuerzahlern), die an sich harmlose Aussagen zu extrem hypertonisch wirkenden Schrapnellen aufbläst, die sofort an den letzten lebenden Gehirnzellen der Hörer und Leser ihre verheerende Wirkung tun.

Aktuell geht es natürlich um das Thema, zu dem der da:


[Norbert Blüm, Foto: Lothar Schaack, Bundesarchiv, Lizenz CC 3.0 SA-BY]

das historisch letztgültige und nicht zu übertreffende Bonmot geprägt hat.

“Die Rente ist sicher”

Was Herr Blüm und Frau von der Leyen sicher bis heute behaupten können, ohne dabei rot zu werden dabei zum gewöhnlichen Handwerkszeug der vorsätzlichen Lüge greifen zu müssen (ha! als ob die dabei noch rot würden!), ist, dass deren Renten absolut sicher sind. Unsere hingegen…

Nun, Frau von der Leyen lässt gerade wieder ihr ausgeprägtes Gefühl für soziale Gerechtigkeit spielen und klärt die Fußgänger über die modernisierten Ansichten zur Rentenfrage auf. Vollkommen unerwartet zeigt sich jetzt nämlich, dass derzeit derart viele Menschen (wenn überhaupt) in mehr oder weniger prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind, dass diese nie und nimmer auch nur annähernd genug Rentebeiträge leisten würden, dass daraus jemals eine existenzsichernde Rente entstehen könnte.

Damit konnte natürlich absolut niemand rechnen, als man mit der Agenda 2010 alle Weichen dazu stellte, Deutschland in ein europäisches Niedriglohnparadies zu verwandeln. Doch das möchte ich der aktuellen Regierung nicht einmal anlasten, denn das hat hauptsächlich die andere wirtschaftsliberale Neocon-Partei (ja, die SPD) verbockt.

Richtungsweisend ist für mich aber die allgemein anerkannte Lösung für dieses völlig unvorhersehbare Problem. Weil nämlich durch die mangelnde Gebärfreude der Deutschen ungünstige demographische Entwicklung eine umlagenbasierte Rente nicht mehr funktionieren könne, müsse nun jeder selbst durch eine kapitalgedeckte Rente vorsorgen. Der prekär beschäftigte Mindestlohnempfänger oder Hartz-IV-Aufstocker müsste also lediglich ein paar weitere Euro von seinem üppigen Budget abzweigen, um seinen gewohnten Wohlstand auch in der Pension aufrecht erhalten zu können. Und wenn jeder Fußgänger das dann brav täte, dann würde der Staat auf diese Rente wiederum ein paar Brösel oben drauf legen. Damit war dann die allseits geschätzte Riesterrente geboren.

Und wahrlich – die Riesterrente war ein echter Tausendsassa! Umlagenbasierte Systeme leben davon, stets einen Teil der aktuellen Steuereinnahmen direkt als Rente auszuzahlen – Geld, das dann für systemische Schlüsselbedürfnisse wie Boni, Bailouts und Bankenrettungen fehlen würde.

Bei einer kapitalgedeckten Rente hingegen würden die (privaten) Einzahlungen der zukünftigen Rentner von fähigen und verantwortungsvollen Fondsmanagern mit enormen Renditen auf den internationalen Kapitalmärkten angelegt und dabei nicht nur dem Lochfraß der Inflation davon galoppieren, sondern sich darüber hinaus in geradezu obszönem Maße vermehren. Damit wäre den designierten Pensionisten in einer unbestimmten Zukunft ein nachgerade feudaler Lebensstandard gesichert. Und den Fondsmanagern natürlich. Denen allerdings sofort. Wie auch jenen, die diese Rentenverträge verkaufen.

Wer allerdings in den letzten zwölf Jahren nicht gerade unter einem Stein gelebt hat, dem wird unter Umständen nicht entgangen sein, dass ein durchaus erheblicher Teil der noch nicht eingenommenen Steuergelder, die gerade einen Rettungsschirm nach den anderen aufblähen, dazu verwendet werden, eben jene Fonds zu retten, in denen gerade die Rentenbeiträge verschwinden, die brave Europäer auf Anraten ihrer Regierungen seit Jahren dort versenkt eingezahlt haben. Jaja, die böse Realität hat schon so manche kühne Vision von Utopia in ein blutiges Gemetzel verwandelt.

Doch es besteht Anlass zur Hoffnung.

Jetzt, wo unsere (zukünftgen) Steuergelder ohnehin wieder mehr oder weniger direkt in die Banken und deren Fonds fließen, sind wir über einen kleinen Umweg dann doch wieder bei der umlagenbasierten Rente gelandet. “Und diese Rente ist sicher…”

/cbx, Kategorie: Rant & Grant - Andere Betrüger

 

Eigener Senf dazu?

  1. Hanz Moser gab am 3. September 2012, 21:24 folgenden Senf dazu:

    Achja, der Nobbi, das waren noch Zeiten. Da hat man über die Politiker gelacht, und wollte sie nicht einfach erstechen. (Anspielung auf Schäuble nicht beabsichtigt.)

    Die Entwicklung unseres Rentensystems ist aber schon irgendwie lustig. Vom Ansparen via Staat zur Umlage, zum selbst Ansparen…
    Der nächste Schritt ist dann die private Umlage. Also den eigenen Kindern das Taschengeld abzocken, um die Rentenbeiträge bezahlen zu können.

    /cbx meint dazu:

    Naja, da wären auch früher schon ein paar Politiker gewesen...

    Aber dieser wunderbare Steuerzirkel - das ist wahre Schönheit für den, der sie zu erkennen vermag!

  2. Peter Suxdorf gab am 4. September 2012, 06:37 folgenden Senf dazu:

    Apropos Erstechen. Ich bin wirklich verwundert, daß die zahlreichen und völlig überflüssigen Politiker – als Fußball WM 2006 war, haben sie alle auf der Tribüne gesessen und das Land hat über Wochen von alleine funktioniert – noch nicht zum Opfer eines wie auch immer verarmten, von der H4-Auszahlstelle permanent bedrohten und aufgrund der zahllosen Mitbewerber meist chancenlosen Berufswiedereinsteigers gemeuchelt worden sind.
    Ein gezielter, lässig aus dem Schultergelenk gehebelter Schlag mittels Baseballschläger auf den ungeschützten Hinterkopf tut es auch…

    /cbx meint dazu:

    Vielleicht sind im Mittel wir Fußgänger doch die anständigeren Leute als jene, die uns regieren?

  3. Simon Voggeneder gab am 4. September 2012, 20:52 folgenden Senf dazu:

    Vielleicht ist es an der Zeit, dass in Ländern, deren Alterspyramide immer weniger eine ist, das Thema Rente realistischer gesehen wird. Der Generationenvertrag ist gebrochen worden – daran besteht schon lange kein Zweifel mehr. Nicht, dass jemand daran schuld wäre. Es ist eine natürliche Folge unseres Wohlstandes. Die Entwicklung machen praktisch alle Länder durch, die es zu Wohlstand bringen. China wird es in absehbarer Zeit auch nicht anders gehen.

    Eine geringer werdende Staatsrente mit einem größeren Anteil privater Vorsorge ist die Zukunft. Doch auch hier hat der Staat lenkende Macht, die er nicht gut benutzt. Er könnte z.B. festlegen, dass mit Pensionsbeiträgen nur konservativ investiert werden darf. Weiter könnte er ausgleichend wirksam werden, wenn es um die Höhe der Rente geht. Ich fände ein System interessant, dass das Privatvermögen in die Rechnung mit eingehen lässt. Damit jene profitieren, die nichts haben – zulasten derer, die von der Rente ohnehin nicht abhängig sind.

    Bitte taufe mich nicht wieder einen Träumer. So abwegig sind diese Ideen nicht.

    /cbx meint dazu:

    Du Realist! So ähnlich funktioniert das nämlich in der Schweiz. Und dort funktioniert es auch immer noch...

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