Wovon die Welt sicher nicht noch mehr braucht...

11.04.2013 21:24 von /cbx, derzeit 4.41335 Kommentare

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…sind im immer gleichen mieseligen Sülzton vor sich hin jammernde alte Männer, die sich in der steten Wiederverdauung des Erbrochenen üben und krude Floskeln zum Status quo erumpieren wie diarrhoetische Ärsche das Fäkal. Der wieder zum Leben erwachte Magister Kraska hat dies in einem Nebensatz gestreift und schon fühle ich mich ertappt und itzo auch angemessen zerknirscht. Also gelobe ich hier und jetzt Besserung und greife exemplarisch sowohl zur leichteren Muse als auch in die tiefe Spamkiste, um aus selbiger mit einem delikaten Zucken des Handgelenks gleich zwei Kleinodien moderner Mail Müll Manufaktur hervorzuzaubern. Gleich nach dem effektheischenden Aufreißer:


[“Elena” aus “dem andere Land”, Autor unbekannt, Lizenz SCAM-0.1-FU]

Für alle, denen meine regelmäßig unregelmäßigen Kommentare zum internationalen State Of The Spam zu mühsam sind, hier die Executive Summary In A Nutshell:

Die gelegentlich geäußerte Vermutung, dass doch alle überall immerzu noch blöder werden, ist gerade wieder etwas plausibler geworden.

Die Langform beginnt mit einem hirnerweichend einfältig gedachten und hanebüchen geradebrechten Text, den ich aus Gründen der Werktreue wörtlich aber ohne Angabe des (unbekannten) Urhebers zitieren möchte, auch wenn mich das meinen Bloggertitel kosten könnte:

From: “Elena” <jukka.rama@diasoft.ru>
Subject: Guten Tag

Tag, mein sehr geehrter Freund! Wie geht es?
Sie sind denke ich erschuttert und fragen sich wo ich Ihre E-Mail-Adresse bekommen habe? OK, ich versuche es zu erklaren. Ihre E-Mail-Adresse habe ich durch eine Heiratsvermittlung gekriegt. Ich habe mich an Heiratsvermittlung gewendet um einen Freund durch Weltnetz zu finden. Ich suche nach einem Mann zum ersten Mal online, deswegen habe ich mich an Heiratsvermittlung gewendet. Ich nehme Interesse an ernsten Beziehungen, ich habe es nicht vor, meine Zeit auf Spiele dumm zu verlieren. Ich hoffe, dass Sie auch treue Liebesbeziehungen suchen und dass ich Ihre E-Mail-Adresse richtig aufgeschrieben habe, sodass meine Nachricht Sie erreicht.

Ein bisschen uber mich:
Von dem Namen bin ich Elena. Ich wurde am 25. August 1983 geboren. Ich bin 168 cm hoch, mein Gewicht ist etwa 54 kg. Vielleicht wirst du dich uberraschen, wenn du erfahrst, dass ich nicht aus deinem Land komme. Ich komme aus Russland. Ich mochte doch hoffen, es ist kein Problem fur dich. Ich bin ja dieselbe Dame, wessen Herz und Seele in unterschiedlichen Landern sich befinden.

Du kannst mein das Foto sehen, ich schicke dir die Verbannung auf mein das Foto:
http://384.282.422.316/photo.jpg_______.exe

Ich werde uber deiner auf die Antwort auf meinen mail warten: sindelnatalia@epktmail.com

Dies ist mein erster Versuch mich mit dir in Verbindung zu setzen. Ich schicke dir mein Foto, damit du mich siehst. Ich hoffe, dass mein Foto dir gefallen wird, und dass du keine Angst davor haben wirst, dass ich aus dem anderen Land stamme. Ich warte ungeduldig auf deinen Brief.

Mit allerbesten Wunschen,
Elena.

Von dem Namen ist sie also Elena und sie will einen Freund durch Weltnetz finden und hat keine Zeit auf Spiele dumm zu verlieren. Um die absolute Ernsthaftigkeit ihres Ansinnens zu unterstreichen, schickt sie mir die Verbannung auf mein das Foto.

Dem wahrhaft aufmerksamen Leser wird die IP-Adresse in CSI+200-Notation nicht entgangen sein, mit der ich den im Mail vorhandenen Link entschärft habe. So wie ich das verstehe, handelt es sich bei diesem Mail nämlich um eine besonders primitive Variante eines Digitalen Darwin-Tests. Vielleicht aber handelt es sich dabei auch um eine ganz besonders raffinierte Variante des Turing-Tests, denn wie auch immer ich diesen Text drehe und wende – ich kann mir nicht vorstellen, dass irgend ein Computerprogramm “Elenas” einfältiges Elaborat für authentisch halten würde. Echte Menschen hingegen – und davon bin ich absolut überzeugt – werden sowohl die Geschichte glauben als auch auf den Link klicken.

Letzteres sollte im Jahr 2013 eigentlich mit sofortigem Onlineentzug geahndet werden. Nicht nur, dass die im Klartext einsehbare URL mit einer IP-Adresse beginnt, was sogar bei stark technophoben Personen mit auch nur einem Hauch von Onlineerfahrung sämtliche Sirenen aktivieren sollte, nein, das versprochene “Bild” trägt auch noch den gänzlich unverfänglichen Namen photo.jpg_______.exe. Wer im Jahr 13 nach Loveletter ein “Bild” anklickt, dessen Name deutlich sichtbar auf “.exe” endet, der sollte besser sofort seine gesamten Onlinegeräte notleidenden nigerianischen Prinzen spenden.

Der Schadcode hinter diesem Link selbst ist passenderweise genauso unvorstellbar primitiv wie der Rest. Man erhält ein rund 300kBytes großes selbstentpackendes Archiv, das ein echtes Foto (siehe oben) enthält, sowie ein Windows-Batchfile und das eigentliche Schadprogramm. Das Skript ist – wie alles an diesem Mail – denkbar schlicht:

start c:\windows\1.jpg
start c:\windows\1.exe

Die erste Zeile zeigt (meistens) wirklich das Bild an, während die zweite Zeile dann (fast immer) den Schadcode startet. Ich habe das Teil mangels Interesse nicht untersucht, vermute aber, dass es sich dabei um just another Trojaner-Downloader handeln dürfte, der den Rechner in einen für alle Schweinereien offenen Botnet-Zombie verwandelt.

Interessant ist dabei vielleicht noch, dass auf VirusTotal heute Abend gerade mal 6 von 47 Scannern dieses Programm als schädlich erkannten. So viel also zum Thema “Virenschutz”. Es ist weder neu noch originell, wenn ich wieder einmal betoniere, dass die so genannte Antivirensoftware bei aktuellem Schadcode fast immer machtlos ist und nur gegen Bedrohungen schützt, die schon lange keine mehr sind.

So weit zu dieser überaus wichtigen Warnung vor dem tückischen Terror aus dem Internet. Wenn Ihr diesen hochwertigen Qualitätsartikel brav mit lobenden Kommentaren bedenkt, dann werde ich demnächst über die im zweiten Mail enthüllte weltumspannende Verschwörung der Hundefutterindusrtie berichten.

Äh, nachdem ich mir das ganze, nervenzerschredernd lange, langatmige und dröhnend langweilige “Video” angehört habe, trete ich von diesem Versprechen zurück. Wer gerne 50€ für eine Hand voll PDFs mit Kochrezepten für Hunde ausgeben möchte, das soll das tun.

Ich werde mich weiterhin freuen, dass ich nicht einmal einen Hund habe.

/cbx, Kategorie: Netz Dschungelcamp - Andere Betrüger

 

Eigener Senf dazu?

  1. Nordlicht gab am 12. April 2013, 09:08 folgenden Senf dazu:

    Moin /cbx!

    Schöner Beitrag, aufmunternder Stil. So mag ich das, vor allem diese Bildersprache: „Digitaler Darwintest“ oder den “notleidenden nigerianischen Prinzen”. Ich seh’ ihn praktisch vor mir.
    Nur die Anmoderation wirkt ein wenig rüde, irgendwie. So viel Fäkalien am morgen – ich weiß ja nicht.
    Wie stellst Du es eigentlich an, solche Zuschriften zu bekommen? Sollte ich meine E-Mails in Zukunft besser nicht mehr über einen der großen Provider beziehen und mir einen eigenen Mailserver hinbasteln? Nicht daß ich davon auch nur einen blassen Schummer hätte – nicht die Spur. Aber der Unterhaltungswert scheint doch enorm zu sein. Und wenn ich dann vielleicht den einen oder anderen Darwin gewinne (hust) und es mir die gesamte Installation zerlegt?
    Also: Wie kommt man an solche Zuschriften? Ich bekomme nie auch nur annähernd ähnlich Unterhaltsames. Neid (?)

    Einen schönen Gruß aus Hamburg
    Nordlicht

    /cbx meint dazu:

    Nun, dafür brauchst Du nur eine im Internet gut zu findende Mailadresse und einen etwas vorsichtiger konfigurierten eigenen Mailserver, der Spam nicht zu aggressiv filtert, damit die Kundenmails (Betreff gerne mal: "IMPORTANT!!! READ THIS!!! URGENT!!!" nicht im Filter hängen bleiben.

    Was ich hier habe, ist aber eher lächerlich. Mein Kollege Thorsten (Hobby-Domainhändler) hat Elenas Anschreiben über Nacht immerhin 1694 mal bekommen...

  2. Nordlicht gab am 12. April 2013, 09:10 folgenden Senf dazu:

    Nachtrag:
    Ich hätte gern einen Beitrag über die KATZENfutterverschwörung bestellt.
    Miezen sind toll! Hunde – na, geht so. All diese Fäkalien (siehe oben).

    Ist das was zu machen?

    Nordlicht

    /cbx meint dazu:

    Das kommt sicher noch, auch wenn es deutlich schwieriger sein dürfte, die Katzen von dem "gesunden" Futter zu überzeugen. Hunde fressen ja tendenzielle alles, was auch nur annähernd nach Essbarem riecht, Katzen hingegen haben einen ausgeprägten Gourmetsinn (so habe ich gehört). Die erwähnten Fäkalien aber sollen nach der Ernährungsumstellung ja geradezu duften (etwas, das ich bei meinem vegetarisch-/veganen Selbstversuch übrigens absolut nicht beobachten konnte #HUST#.).

  3. 6kraska6 gab am 14. April 2013, 13:49 folgenden Senf dazu:

    Och Mönsch – dabei sieht die Dame doch soo nett aus – und man hat für das Foto extra den Kantinenboden in der KGB-Zentrale von Wladiwostok gebohnert, damit alles sauber wirkt! Vielleicht sollte man die Netzweltrussinnen einfach direkt mit den nigerianischen Prinzen kurzschließen?

    /cbx meint dazu:

    Oh, großer Kraska, da bin ich Dir schon einen Schritt voraus - ich habe besagtes Mail sowie die 1695 Kopien, die mein Kollege Thorsten erhalten hat, schon gestern direkt an Abdul Ali Hamid weitergeleitet. Da kann es nur Gewinner geben.

  4. Frau Lehmann gab am 15. April 2013, 00:38 folgenden Senf dazu:

    Ist ja “lustig”. Genauso eine Mail hatte ich auch in meinem Postfach. Hat wohl jemand vermutet, dass ich ein Mann bin ;-)
    In dem Fall wohl ein Glück, dass ich keiner bin. :-)

    /cbx meint dazu:

    Naja, ich habe da so meine Zweifel, dass von den Spam-mit-der-Gießkanne-Verteilern irgendwer irgendwas vermutet, aber neugierig sind Frauen ja auch , oder? Das genügt ja schon, denn Anklicken genügt ja schon....

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