...aber die Richtung stimmt schon mal

10.06.2013 18:54 von /cbx, derzeit 2.50523 Kommentare

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Heute gibt es mal wieder eine Geschichte aus der Schule und zwar ausnahmsweise kurz und leicht statt lang und schwer. Es war, bitteschön, folgendes:

Letzten Dienstag wurde eine umfassend mit Sonder- und Neuentwicklungen ausgestattete fab-Maschine nach Dresden geliefert (und ja – wir dachten schon daran, Pontons drunter zu schnallen). Am Mittwoch dann startete unser Applikationsheld Tom in die selbe Richtung um die Maschine in Betrieb zu nehmen und die erste Kundenschulung durchzuführen. Am Freitag gegen Mittag meldete er telefonisch, dass er nach erfolgreicher Installation und Schulung nun die Heimreise anträte, und flocht ganz nonchalant ein, dass er auch die unterzeichnete Endabnahme in der Tasche hätte.

Das ungläubige Erstaunen hallte dröhnend in allen Winkeln unserer Garagenbude wieder. Wir waren kolossal beeindruckt, wie Tom es geschafft hatte, das begehrte Dokument, mit dem wir in frühestens drei bis sechs Wochen gerechnet hatten, einfach so mitzunehmen. Und wir waren auch ein Bissl stolz auf uns, weil wir die Inbetriebnahme offenbar so gut und professionell vorbereitet hatten. So langsam würde doch noch ein echtes Hightech-Unternehmen aus unserer Bastelbude werden.

Unser Stolz währte dann noch bis 15:56 Uhr. Dann nämlich traf dieses lakonische Mail des Kunden ein:

Hallo Helpdesk-Team,

gerade eben ist eine Schraube vom Chipbonder abgefallen. Wo gehört die hin?

Vielen Dank

sowie ein Bild der “Schraube”, die in Wahrheit ein Öldämpfer war, der sich zwanglos von der Hubmechanik des Dispensers getrennt haben muss. Na das war aber wirklich flott gegangen.

Dem großen Sportwagen-Konstrukteur Colin Chapman wird das Zitat zugeschrieben, dass ein perfekt konstruierter Formel-1 Wagen sich genau einen Meter hinter der Ziellinie in seine Einzelteile zerlegt. Diesem Ziel sind wir schon bemerkenswert nahe gekommen.

Jetzt müssen unsere Maschinen nur mehr lernen, dass unsere Ziellinie nicht “Endabnahme” sondern “Ende der Garantiezeit” heißt…

/cbx, Kategorie: Aus der Schule - Schöngeistlos

 

Eigener Senf dazu?

  1. Volker gab am 11. Juni 2013, 08:40 folgenden Senf dazu:

    Endabnahme ist in unserer Sondermasch-Hütte auch immer so ne Sache.
    Vertrieb: “Hier Kunde, guck mal. Fertig!”
    Kunde: “Ah. Hm. Ja. Oh. Hm. Leider nein.”

    Letztes mal haben wir es aber ebenfalls geschafft, die Endabname direkt zu bekommen und das mit einer LOP Liste mit ganzen 3 (drei!) Punkten. Und nicht 3 Din-A4 Seiten.
    Und das bei ner Anlage mit 12 Modulen und einer Bandlänge von 27m.

    /cbx meint dazu:

    Ganz ehrlich - Hut ab, vor Deiner Hütte und(!) Deinem Kunden :-) Ich kenne das nämlich auch nur als seltenen Ausnahmefall. Und vermutlich hat Eure Linie sich auch nicht drei Stunden nach der Abnahme begonnen, selbst zu zerlegen, oder?

  2. Volker gab am 12. Juni 2013, 07:09 folgenden Senf dazu:

    Jein.
    Ein Robi meinte vor ein paar Monaten irgendwie kreativ werden zu müssen und hat eine Vereinzelung umgenietet und sich dann in seinen eigenen Kabeln verfangen.
    Von herausfallenden Schrauben weiß ich nix, allerdings haben die Anlagen vor Ort auch ihre eigenen Bediener, die auch die Wartung und Pflege übernehmen. Ich denke also mal, wenn da ne Schraube raus fällt, dann drehen die die wieder ein und gut ist.

    /cbx meint dazu:

    Das kenne ich. Mir hat mal ein Scara einen fetten schweren SICK-Barcodeleser nachgeworfen, den er vorher zwanglos samt Kabel aus seiner Verankerung gerissen hatte. Und er hätte auch beinahe getroffen. Beide gehörten allerdings zu einer Anlage eines "Mitbewerbers"...

    Dass nach ein oder zwei Jahren Betriebszeit mal was locker werden kann, das können auch unsere Kunden meist handeln. Aber nach drei Stunden? Das ist schon ziemlich früh...

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