Ein Monster wurde geboren...

23.07.2013 18:40 von /cbx, derzeit 4.8217 Kommentare

Send to Kindle

…und ich bin gerade sehr, sehr, sehr zufrieden.

Nein, nein, so schlimm wie sich das lesen mag, ist es nicht. Es hat nämlich erstens nichts mit dem irgendwo im Vereinigten Königreich geborenen Winzling zu tun und zweitens weiß ich eh, dass Zufriedenheit ein extrem vergänglicher Zustand ist.

Ganz kurz und bündig. Es geht um das oben abgebildete, kürzlich schon mit einer Wortspende bedachte Monster (Ja, das sieht heute noch so grauenhaft aus). Heute nämlich war endlich der Kunde bei uns, um den Prototypen abzunehmen und damit über den weitaus größten Einzelauftrag zu entscheiden, den wir bisher in unserer zwölfjährigen Unternehmensgeschichte zu verlieren hatten. Auch ohne Hitze und Vollmond(? daran glaube ich nicht) hätte ich heute Nacht sehr schlecht geschlafen.

Und dann passierte, was ich beim besten Willen nicht erwartet hatte. Der kreativ verkabelte Sauhaufen mit versteckten (und weniger versteckten) Panzertape- und Kabelbinderinstallationen performte als würde er sich persönlich für die Millenniumsausgabe von Germanys Next Supergadget bewerben. Nach gut vier Stunden Audit hatten die Kunden keinen einzigen Mangel gefunden und die Messdaten waren für sie auch deshalb sehr plausibel, weil sie wussten, dass wir uns nie getraut hätten, derart gute Daten zu fälschen. Im Zuge des vierstündigen Prüflaufs konnten wir letztlich nachmessen, dass sich von rund 1000 Bauteilen genau zwei überhaupt bewegt (nämlich um weniger als 3 Grad gedreht) hatten – und das vermutlich bei der Übergabe zur Messung.

Unser aufwändig konstruiertes und nervenzehrend erprobtes mechanisches Kuriosum hatte brilliert und die Tür zu diesem Superauftrag weit aufgestoßen. Und damit dürfte die richtige Arbeit zwar gerade erst beginnen, doch das ist mir heute egal.

Heute bin ich einfach nur sehr zufrieden. Und wenn es so ungefähr 15°C kühler wäre, würde ich heute wohl auch schlafen wie tot.

/cbx, Kategorie: Aus der Schule - Schöngeistlos

 

Eigener Senf dazu?

  1. The Angry Nerd gab am 23. Juli 2013, 20:19 folgenden Senf dazu:

    Jetzt bin ich neidisch. Deine Prototypen sehen nicht nur wesentlich größer und besser aus als meine, sondern auch weitaus professioneller. (Ja wirklich, du ahnst ja nicht…)

    Und Glückwunsch zur Abnahme. Demnächst bricht dann ja der Reichtum aus :D

    /cbx meint dazu:

    Dank für die Anteilnahme :-) Und was den Reichtum betrifft: Ich denke mal, auch Du weißt, dass Auftragseingang, Umsatz und Gewinn ganz verschiedene Zahlen sind? Aber ja, es könnte unsere finanzielle Situation durchaus verbessern...

  2. Peter Suxdorf gab am 24. Juli 2013, 06:19 folgenden Senf dazu:

    Ich drücke Euch die Daumen. So ein G´schäft macht traurig, müde, hilf- und schlaflos, läßt aber bei solchen Gelegenheiten auch eine freudige Gänsehaut bis knapp unter Deckenhöhe entstehen.
    Auf das der Ertrag die gedachte Schallmauer durchbricht.

    /cbx meint dazu:

    Wenn mal was fast perfekt klappt, ist es schon recht ergreifend - auch wenn (oder gerade weil) das ja nicht der Regelfall ist. Und wenn wir uns bei diesem Kunden einen guten Namen machen (bzw. bestätigen und erhalten), kann das in der Zukunft ein ziemlicher Hebel werden...

    Aber man soll den Bären nicht verzehren, bevor man seine Haut zu Markte getragen hat. Oder so.

  3. Volker gab am 24. Juli 2013, 07:24 folgenden Senf dazu:

    Herzlichen Glückwunsch!
    Kenne das von unseren Projektleitern nur zu gut, wenn der Kunde auf der Matte steht und die Maschine sehen will.
    Da ist dann auch wenig mit Ruhe und Gemütlichkeit.
    Am Montag ist eine C-Muster Fertigung und der gute Herr geht jetzt schon auf dem Zahnfleisch ^^

    Ist das bei euch auch so, das ihr ne Maschine für Teile baut, die selber noch in der Entwicklung sind? Das ist manchmal recht nervig, weil die dann Änderungen an ihrem Produkt vornehmen und wir wieder alles umkonstruieren können.

    /cbx meint dazu:

    Das unentspannte Gefühl vor der Abnahme dürfte wohl überall ziemlich ähnlich sein. Unsere Maschinen sind ja "frei" programmierbar, werden also nicht direkt auf genau ein Produkt zugeschnitten. Aber - ja - auch unsere Kunden kommen vorzugsweise mit Teilen, die sich noch in Entwicklung befinden (einfach weil unsere Maschinen für solche Probleme besonders geeignet sind). Und da kommt es natürlich oft genug vor, dass wir fertig aufgebaute Teile in unser inoffizielles Halbzeuglager rückführen dürfen, weil sich das Kundenteil noch einmal geändert hat. Es ist eh fast überall das gleiche...

  4. murmel gab am 16. August 2013, 01:49 folgenden Senf dazu:

    Gratulamur!

    Wie ich später (wie bin ich doch gscheit ;-)) lesen durfte, hast Dich ja richtigerweise auch zweimal belohnt. Urlaub auf Lieblingsinsel und VAIO – so sindse die Wiederholungstäter. Bei mir gibt’s auch nach 1,5 Jahren Entspannung an der Jobfront – und neue Herausforderungen.
    Freu mich für Dich!

    /cbx meint dazu:

    Das mit der Insel stimmt schon mal. Das mit dem Klappcomputer wird sich zeigen...

Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen.