Endlich! Das neue iDings ist da!

10.09.2013 19:42 von /cbx, derzeit 2.25376 Kommentare

Send to Kindle

Und es geht mir so was von am Arsch vorbei. Na wenigstens das. Wenn ich schon sonst intellektuell, moralisch und physisch immer mehr verfalle – immerhin bin ich noch nicht zum iGadget-Aficionado geworden – obwohl ich (zum Ausgleich) inzwischen – ganz ohne Goldwaage und politische Korrektheit geschrieben – wohl eines der schwulsten Notetbooks, die man derzeit kaufen kann, mein eigen nenne. Ich hatte ja schon darüber gerantet, als ich das Teil zum ersten Mal von Windows 8 befreit, unter Linux gebootet und wieder eingepackt hatte. Seit mittlerweile sieben Tage nutze ich das Gerät nun aktiv mit dem Kernel 3.11 und meinem normalen KDE4-Setup, das ich schon am eeePC immer am Puls der Zeit gehalten hatte. In dieser Woche konnte ich meine Einschätzungen auf die Basis praktischer Erfahrungen stellen.

Immerhin war meine Einschätzung der Kernel-Entwicklung relativ korrekt. Mit der Version 3.11 funktioniert an sich alles, was in diesem Gerät funktionieren soll. Auch das WLAN und die Energiesparmodi von Prozessor und GPU (was ja im Grunde das selbe ist) werden so unterstützt, wie ich mir das vorgestellt habe. Dank des recht genialen Intel PowerTOP kann ich mir ein ziemlich genaues Bild vom Energieverbrauch des Systems machen – und dieses Bild zeigt sehr eindrucksvoll, wie sparsam die neuen Haswell-Prozessoren mit dem kostbaren Akkustrom umgehen. Sobald die Display- und Keyboardbeleuchtung aus sind, kann der Verbrauch des Gesamtsystems bei – wie die Fachpresse immer schreibt – ruhendem KDE-Desktop und mit WLAN unter sensationelle 3 Watt sinken. Das unterbietet die gut 5W meines eeePC doch sehr deutlich. Mit diesem Energiebedarf könnte der winzige 32Wh-Akku denn auch glatt 10 Stunden durchhalten. Nur schade, dass man dann das Gerät absolut nicht benutzen kann.

Und hier beginnt die gruslige Seite. Der Atom-Prozessor des eeePC verbraucht auch unter Vollast nicht mehr als 5W und die restlichen Komponenten können ihren Energiebedarf weitaus weniger stark reduzieren. Damit schwankt der Gesamtverbrauch des eeePC zwischen 5W und gut 10W und der 65Wh-Akku hält definitiv 6 bis 9 Stunden. Der Energiebedarf (ich sollte natürlich “Leistungsaufnahme” schreiben) des Vaio hingegen kann unter Belastung schon mal auf 25W hoch schnellen – und dann ist der kleine Akku nach einer guten Stunde leer. Auch an dieser Stelle zeigt sich damit, dass der Vaio tendenziell eher als Schwanzverlängerung Lifestyle-Objekt entworfen wurde. Wenn man die enorme CPU-Power wirklich nutzt, dann sollte man das Netzteil schon auf Standby haben, denn dann wird das nichts mit dem “mobilen” Betrieb. Bei zeitgeistigeren Tätigkeiten wie dem Bloggen™ hingegen reicht eine Akkuladung für ungefähr 5 Stunden. Das ist nicht sensationell, aber durchaus brauchbar. Und immerhin ist das Ultrabok dadurch geradezu grotesk leicht.

Auch zu den restlichen Kritikpunkten habe ich inzwischen weitere Erkenntnisse gewonnen. Das Fazit lautet: Fast alles halb so wild. Mit der Tastatur habe ich mich gut angefreundet, die automatische Beleuchtung ist wirklich genial und auch das Touchpad funktioniert sehr gut. Das WLAN-Interface hat sich mit aktuellen Treibern und ein paar Hacks aus der Standard-Trickkiste gut zähmen lassen. Inzwischen habe ich auch den beigelegten knubbeligen Minirouter mit Ethernet-Anschluss getestet und muss feststellen, das auch der ein ganz herzallerliebstes Spielzeug ist. Mit einer geeigneten WAN-Adresse schaltet er automatisch auf NAT-Routing, mit WPS ist der Aufbau einer LAN nach WLAN-Brücke nur eine Sache von Sekunden und über das Webinterface lassen sich gleich zwei WLANs einrichten. Natürlich ersetzt das Teil keinen echten Ethernet-Port aber – wenn ich ehrlich bin – so etwas wie Wireshark brauche ich vielleicht alle zwei Jahre einmal.

Der einzige echte Kritikpunkt bleibt der Touchscreen. Das Full-HD-Display dahinter liefert ein ziemlich atemberaubendes Bild mit knackigen Farben und sehr feinen Pixeln (170 dpi). Allerdings braucht ein HD-Display dieser Größe eine ziemlich kräftige Hintergrundbeleuchtung und damit ziemlich viel Strom, was wieder auf die Betriebszeit geht. Wirklich übel aber ist die Glasscheibe davor, von der ich inzwischen glaube, dass sie auch noch speziell poliert wurde, um einen maximal perfekten Spiegeleindruck zu erzielen. Nur gut, dass ich so oft schwarze Klamotten trage…

Wenn ich aber nicht gerade mein Konterfei im Spiegedisplay betrachte, dann bin ich immer noch beeindruckt von der geradezu brachialen Geschwindigkeit, mit der der Vaio Pro 11 zur Sache geht. Programme starten in Sekundenbruchteilen, der Compiler pflügt durch Sourcecodes wie ein Tragflächenboot durchs Wasser und warten muss ich eigentlich nur mehr auf das lahme Internet im G’schäft.

Fazit: Ich habe mich inzwischen mit meinem Designer-Biest angefreundet und auch wenn ich weiterhin glaube, dass der pummelige eeePC mit dem ironischen aufgeklebten Apfel besser zu mir passt als dieses Schwanzverlängerung für dummschwafelnde Wichtigtuer, würde ich ihn nicht mehr umtauschen wollen.

Hm, was sagt das über mich aus?

/cbx, Kategorie: Linux LeidenSchaf(f)t - Schöngeistlos

 

Eigener Senf dazu?

  1. The Angry Nerd gab am 11. September 2013, 02:02 folgenden Senf dazu:

    Naja, du bist “G’schäftsführer”. Das schwafelnde Wichtigtuen stellt sich da mit der Zeit von ganz alleine ein. Man kann das nur versuchen zu verzögern und einzuschränken, aber passieren tut es… ;)

    Und ja, das Gefühl bei neueren Büchsen (mit SSD!), dass eigentlich fast alle Dinge ziemlich verzögerungsfrei gehen, kenne ich auch. (Bei Mobilbüchsen ist das fast alleine den Turbomodi geschuldet, was ja aber meist nichts ausmacht.) Und irgendwie ist es schön. Ich hätte ja meine Tragebüchse auch schon längst gegen etwas Neueres, Leichteres, Schöneres eingetauscht, wenn es da etwas Passendes gäbe.

    In dem Sinne kann ich dir nur viel Spaß mit dem Spielzeug wünschen.

    /cbx meint dazu:

    Ich schwafeln? Das ist ja abstrus! Aber ja, rennen tut die Hütte schon. Ich denke aber, dass die SSD (500MB/s, 0ms) für den größten Effekt zuständig ist. Wie auch immer - Spaß macht es mir, seit ich sehe, dass die kleinen Problemchen in den Griff bekommen werde...

  2. oachkatz gab am 12. September 2013, 13:28 folgenden Senf dazu:

    Ich hätt ja die letzte Frage mich nicht zu stellen trauen …

    /cbx meint dazu:

    Die hat ja auch niemand beantwortet. :-)

    Abgesehen davon ist das nicht das erste Mal, dass ich dem Grauen ausgerechnet vor dem Spiegel ins Auge blicke...

Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen.