Wer ein guter Terrorist werden will...

01.10.2013 19:44 von /cbx, derzeit 1.21798 Kommentare

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…der muss beizeiten das Granatenwerfen üben. Und weil ich als amtlich beeideter Apokalyptiker und freiberuflicher Gesinnungsterrorist immer gerne in der ersten Reihe stehe, wenn es darum geht, subversive, die allgemein anerkannte Ordnung zersetzende Dinge zu tun, habe ich in dieser Woche etwas sehr Unkooperatives getan, wofür mich vermutlich sämtliche Innenminister der zivilisierten Welt auf ihre geheimen Abschusslisten setzen werden.

Im Zuge unserer allwöchentlichen Statusbesprechung im G’schäft habe ich ein paar Worte über Asymmetrische Kryptographie verloren und dann allen Arbeitskollegen demonstriert, wie man Enigmail in Thunderbird integriert, ein eigenes Schlüsselpaar erzeugt und schließlich auf diverse Keyserver hochlädt. Abgeschlossen wurde die Präsentation mit der Aufforderung, dass bis zum Ende dieser Woche jeder Mitarbeiter in der Lage sein solle, verschlüsselte Emails zu empfangen (Hm, ja – und zu entschlüsseln).

Es lief ziemlich genau so wie ich es erwartet hatte. Wie fast jede Aktivität abseits der Stellenbeschreibung, fand auch dieser Auftrag begeisterte Resonanz und so waren bereits in der kurzen Zeit bis zur Mittagspause fast alle mit Software und Schlüsseln versorgt. Auch dass dabei fast alle einschlägigen Fehler (Passphrase falsch eingetippt und kopiert, Rückrufzertifikat vergessen, falsche Mailadresse zugeordnet usw.) passierten und gemeinsam behoben werden mussten, hat die Lernkurve nochmals angehoben. Heute haben schon alle untereinander verschlüsselte Junk-Mails ausgetauscht. Eine Technologie, mit der man Unfug treibt kann als beherrscht gelten. Violoncello – Ziel erreicht!

Das mag jetzt für manchen vielleicht albern oder unnötig wirken, ich aber glaube, dass verschlüsselte Kommunikation schon heute genau so zu unserem Handwerkszeug gehören sollte wie Telefonieren, Mailen oder Chatten. Je eher und öfter man den Umgang mit PGP/GPG übt, desto niedriger liegt die Hemmschwelle, wenn es dann wirklich einen Grund gibt, den Inhalt einer Kommunikation nicht öffentlich zu machen.

Seit heute kann jeder Mitarbeiter kryptografisch gesicherte Mails empfangen, morgen werde ich noch die öffentlichen Schlüssel der Geschäftsführer auf unsere Website stellen, dann sind wir diesbezüglich unserer Verantwortung nachgekommen und dürften damit wieder einmal den meisten KMU eher ein bissl voraus sein.

Und jetzt warte ich auf den Moment, an dem ich für einen Kommunikationspartner außerhalb der Firma einen passenden (und funktionierenden!) Schlüssel finde.

/cbx, Kategorie: Aus der Schule - Netz Dschungelcamp

 

Eigener Senf dazu?

  1. Sergey gab am 6. Oktober 2013, 17:12 folgenden Senf dazu:

    Verschlüsselung ist gerade für Hightech- Unternehmer wichtig! Die Nationale Spionage Agentur hat das Ziel Industriespionage zu betreiben. Terroristen sind so selten, die werden sowieso nicht rechtzeitig gefunden. Siehe Boston Marathon…

    /cbx meint dazu:

    Im Gegenteil! Je mehr Privatmenschen ihre Kochrezepte und andere Belanglosigkeiten verschlüsselt kommunizieren, um so weniger Chancen hat die Heilige NSA, die Terrorpläne der bösen Terroristen in all dem digitalen Rauschen zu finden. Deshalb: "Verschlüsselung ist Terrorismus!" "Friedlicher Protest ist Krieg!" "Ignorance is bliss!" usw.

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