Energiepolitische Nachlese

13.10.2013 18:35 von /cbx, derzeit 0.61155 Kommentare

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Dass ältliche kinderlose Paare sonderbar werden, ist eine Binsenweisheit, eine jedoch, die sich durchaus nah am Faktischen orientiert. Mein Zentralgestirn und ich bilden da offenbar – so gerne ich ein lebenslänglich cooler Jüngling wäre – keine Ausnahme. Wohl auch deshalb – primär aber immerhin noch wegen unserer gemeinsamen Liebe zu technischen Gadgets von fragwürdigem Nutzwert – haben wir uns bekanntlich ein Haustier angeschafft.

Wie ein lebendes Haustier musste auch unser Roombi mit einer erheblichen Investition erkauft werden. Rund 400€ sind für den Roomba 760 fällig, danach allerdings entscheidet die Kostenbilanz eindeutig zu Gunsten des Roboters. Im Gegensatz zu Hund, Katz oder Vogel muss der Staubsauger nämlich nur äußerst spärlich ernährt werden und erfordert auch sonst wenig Zuwendung. Man kann ihn tagelang in einer dunklen Ecke dösen lassen, wo er weder Kosten noch Lärm verursacht – versucht man dies mit einem Haustier, wird es zumindest nach wenigen Tagen beginnen, einen unangenehmen Geruch zu verströmen. Ja, das war jetzt sehr geschmackvoll.

Roomba erzeugt nur Geräusche, wenn er auch arbeitet, dann allerdings – das sollte man nicht unterschätzen – durchaus beträchtliche. Diese beträchtliche Geräuschentwicklung darf noch mit der erheblichen Ausdauer multipliziert werden, mit der er zu Werke geht. Auch im Interesse der eigenen Ohren empfiehlt es sich deshalb, die Stätte des robotischen Wirkens zu verlassen. Bleibt man dennoch um die automatischen Bemühungen zu beobachten (was neugierige Kindsköpfe wie wir sich nur schwer verkneifen können), so stellt man zweifelsfrei fest, dass der in simplen Algorithmen gestrickte Charakter des Roomba wesentlich näher an dem eines Hundes als an dem einer Katze liegt.

Es ist rührend, zu beobachten, wie er sich wieder und wieder im Käfig der Stuhlbeine verheddert, auch nach dem vierten Versuch nicht versteht, dass er nur seitlich, nicht aber vorne oder hinten zwischen die Beine passt. Auch, dass er, wenn er glaubt, seinen Reinigungspflichten in ausreichendem Maße nachgekommen zu sein und die Ladestation nicht in der Reichweite seines kurzsichtigen Infrarotauges liegt, sich mit Vorliebe in Raumecken unter Möbeln versteckt, gibt ihm einen ausgesprochen tierischen Anstrich.

Vom Unterhaltungswert abgesehen ist aber auch der Nutzen nicht zu unterschätzen. Auch nur wöchentlich eingesetzt sorgt er für eine angenehme Grundsauberkeit die mit wenig Aufwand erreicht werden kann. Gerade unter den Möbeln war es bei uns nie zuvor so staubfrei, aber auch die Pakettböden gefallen durch die fast vollständige Abwesenheit von Haaren und Bröseln. Als Vorbereitung empfiehlt sich lediglich das Entfernen kleiner, leichter Hindernisse (leere Papierkörbe, kleine Blumentöpfe), die sonst durch den Raum geschoben werden können – aber auch das penible Aufsammeln kleinteiliger Hindernisse (wie Lego-Steine), die entweder im Sauger verschwinden oder aber zu seinem Stillstand führen können. Für ein bewohntes Kinderzimmer ist ein Roomba definitiv völlig ungeeignet, doch das spielt bei uns ja keine Rolle.

Um nach so viel leerem Geschwafel endlich auf den Titel zurück zu kommen; ich hatte ja noch eine bessere Analyse des Energieverbrauchs versprochen. In den letzten Wochen hatte ich ein recht genaues Verbrauchsmessegerät an die Ladestation gehängt und beobachtet, was da an Energie seinen Weg in das kleine Gerät fand. Aus diesen Messungen folgt heute eine gute und eine schlechte Nachricht.

Die gute Nachricht lautet, dass Roomba unsere komplette Wohnung (grob 100m² Bodenfläche) mit knapp 80Wh recht gründlich saugen kann. Damit könnte man einen gewöhnlichen Haushaltssauger rund vier Minuten betreiben und so schnell wäre die Wohnung nicht sauber zu bekommen. Der Roboter erzielt ein mindestens gleichwertiges Ergebnis mit rund einem Drittel der Energie, die ein gewöhnlicher Sauger benötigt.

Bei wöchentlichem Saugen und einem Strompreis von rund 25 Cent pro kWh kostet der Betrieb des Roomba dann etwa 1€ pro Jahr, während der gewöhnliche Staubsauger auf ca. 3€/a kommt. Über die 2€ Differenz amortisiert sich die Investition (ich veranschlage 300€ Mehrpreis) bereits in 150 Jahren! Wenn das keine guten Aussichten sind!

Die schlechte Nachricht aber ist, dass ein permanent in der Ladestation parkender Roomba sagenhafte (und ja – inzwischen gemessene) 5W Leistung aufnimmt. Und damit verursacht der Roboter in dem Modus, in dem er in den meisten Haushalten wohl betrieben wird, einen jährlichen Energieverbrauch von erschütternden 44kWh, die wiederum zu 11€ Kosten führen. Ja, das finde ich wirklich erschütternd – der Standby verursacht mehr als zehn mal so hohe Kosten wie der eigentliche Betrieb – und damit immer noch vier mal so viel wie der klassische Staubsauger. Und so wird eine an sich sehr effiziente Konstruktion vollständig pervertiert.

Deshalb bleibt der Roomba bei uns jetzt während der Woche ausgesteckt.

/cbx, Kategorie: Schöngeistlos -

 

Eigener Senf dazu?

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