Jetzt muss auch ich CSU wählen... [Update]

16.10.2013 20:31 von /cbx, derzeit 2.4769 Kommentare

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…oder SPD, oder die Grünen, oder – ach egal – auf jeden Fall eine Farbe der Einheitspartei, die verspricht (und ausnahmsweise auch hält!) auch weiter dafür zu sorgen, das sich hier bei uns möglichst nichts je ändert.

Ach, dieses verdammte 21. Jahrhundert! Derzeit verliere ich so schnell den Anschluss, dass ich die leuchtende Spitze der Technologie schon nur mehr mit einem tief rot leuchtenden Strahlenkranz umgeben sehe. Etwas konkreter? Bittesehr.

Seit Anfang dieser Woche mache ich mir – neben grob geschätzt 25 anderen Projekten – konkrete Gedanken über die Rechnerausstattung unserer 2014er Maschinengeneration. Dabei stellen sich vergleichsweise triviale Fragen, wie jene nach der Version des Linux-Kernels (3.10), der glibc (2.16) und des X-Servers (X11R7.7 Server 1.14) oder dem Desktop (LXDE) – leider aber auch sehr viele, die absolut nicht trivial zu beantworten sind. Ich greife drei Themen heraus, die mir gerade besonders im Magen liegen:

  1. PCI
  2. 64 bit
  3. UEFI

PCI – Funktionierende Technik ist veraltet

Seit rund 20 Jahren hat der PCI als zuverlässiger und flexibler paralleler Bus die Welt der PCs mit jeder noch so exotischen Peripherie verbunden – und das erstaunlich problemlos. Deshalb ereilt den PCI jetzt das Schicksal, dass jeder Technik droht, sobald sie stabil funktioniert – er ist veraltet und wird abgelöst. Der aktuelle Nachfolger heißt PCI-Express, ist ein serieller parallelisierbarer Hochgeschwindigkeitsbus und verhält sich in den meisten Belangen sehr ähnlich wie sein Vorgänger – so ähnlich, dass wir beispielsweise unsere Kerneltreiber nicht einmal anpassen müssen, wenn eine PCI-Karte durch eine PCIe-Version ersetzt wird. Doch leider verfolgt der Mainstream so gut wie immer komplett andere Ziele als wir Mschinenbastler. “Jeder” wünscht sich von einem Peripheriebus einen immer noch höheren Datendurchsatz – und PCIe erfüllt diesen Wunsch mit Bravour. Wir Maschienbäschtler hingegen wussten am PCI seine überaus geringe Latenzzeit zu schätzen. Die allerdings hat mit PCIe sogar zugenommen.

Die Interfacekarte, die unsere Servodrives an den Rechner koppelt, ist eine PCI-Karte und profitiert enorm von den geringen Latenzen am PCI. Der Hersteller der Drives hat inzwischen die Zeichen der Zeit erkannt und eine PCIe-Version aufgelegt. Die neue und bessere Karte ist allerdings (natürlich) empfindlich teurer, dafür aber auch messbar langsamer. Deshalb habe ich bisher nicht auf die neue Version umgestellt. Jetzt aber durfte ich lernen, dass in aktuellen Mainboards die PCI-Karte sogar noch langsamer reagiert als die PCIe-Variante. Die Erklärung dafür ist nicht schwer zu finden, denn seit geraumer Zeit unterstützt kein Intel-Chipsatz mehr einen PCI-Bus. Wenn sich dann doch ein PCI-Stecker auf ein Mainboard verirrt, dann funktioniert das natürlich nur, wenn davor eine PCIe-nach-PCI Brücke geschaltet wird – und diese Krücke vereint dann auch gekonnt die Nachteile beider Busse (langsam und mit hoher Latenz). Jetzt muss ich also doch auf die teure neue Karte umstellen, damit die Performanceverluste nicht noch schlimmer ausfallen. Welch ein Fortschritt!

64 bit- Weil viel nie genug ist

Seit einigen Jahren haben unsere Maschinen 4GBytes RAM – aber immer noch ein 32-bittiges Betriebssystem. In Zeiten, wo es richtige Betriebssysteme (Windows 8, MacOS, jetzt sogar iOS) nur mehr als 64 bit Variante gibt, mag sich so mancher fragen, warum wir uns da immer noch mit archaischen Altlasten herum plagen. Natürlich gibt es darauf mehrere Antworten. Dank des flexiblen Linux-Kernels stellt die Speichergröße keine arge Restriktion für uns dar. Keine Applikation benötigt allein mehr als knapp 2GBytes und dank PAE könnten insgesamt bis zu 64GBytes verwaltet werden. Wir brauchen es also derzeit nicht

Ein wenig hat das allerdings auch damit zu tun, dass die hoch hängenden Trauben ohnehin zu sauer sind. National Instruments hat es nämlich bis jetzt nicht für nötig befunden, LabVIEW in einer 64bit Version für Linux anzubieten. Und auch die von uns verwendete Bildverarbeitungsbibliothek lässt sich erst seit wenigen Wochen als 64bit Version kompilieren. Es gäbe also jede menge Gründe, bei 32bit zu bleiben. Wenn da nicht der nächste Punkt wäre.

Die böse EFI und die Mär vom MBR

Wahnsinn! Es hat gerade mal zwei Tage gedauert, bis ich mein Testsystem endlich dazu gebracht habe, eine Minimalversion unseres Linux direkt aus dem UEFI von einer GPT-partitionierten Festplatte zu starten. Ich war sowas von begeistert, wie enorm die Installation eines Betriebssystems dadurch vereinfacht wird, dass man auf das klassische BIOS verzichtet und stattdessen das moderne und elegante UEFI verwendet. Vor allem die ausgefeilten Diagnosemöglichkeiten haben mich geradezu begeistert.

Eine Konfiguration auf einem USB-Stick bootet (nachdem ich in 2 Tagen schmerzhaft gelernt habe, wie man es genau machen muss) zügig und stabil, während die selbe Konfiguration auf einer USB-Festplatte in schweigende Katatonie verfällt. Erklärung gibt es dafür keine. Eigentlich müsste man nämlich nur einen Kernel mit EFI-Stubloader in die EFI-Systempartition kopieren und schon könne man damit starten. Uneigentlich werden diese Kernel nach schwer nachvollziehbaren Regeln gefunden oder auch nicht und funktionieren dann ggf. oder auch nicht. Und dass praktisch alle aktuellen EFI-Implementierungen nur 64bit-Sytseme (logisch, denn Windows 8 gibt es ja gar nicht in 32bit) starten, baut dann ein sehr interessantes Spannungsfeld mit dem vorherigen Thema auf.

Als Hauptargument für EFI wurde ursprünglich angeführt, dass man Treiber aus dem EFI direkt in Betriebssystemen verwenden könne und damit nicht für jede (→Windows) Installation wochenlang nach Treibern fahnden müsse (das selbe Argument galt übrigens vor 30 Jahren für das Basic Input Output System – BIOS). Müßig zu erwähnen, dass niemand diese Funktion auch nur ansatzweise nutzt. Bisher hat die Einführung von UEFI genau einen Effekt gebracht: Mit Secure Boot hat Microsoft einen (noch abschaltbaren) Mechanismus geschaffen, der wirkungsvoll erzwingen kann, dass der Besitzer eines PC nicht das darauf installieren kann, was er will, sondern nur das, was Microsoft signiert. Ja, so stelle ich mir Fortschritt vor.

Trotzdem – sofern mein Testsystem die Installation übersteht, werde ich demnächst meinen Vaio Pro 11 noch einmal bügeln und als UEFI 64bit System neu erstehen lassen. Dann werde ich sehr bald erfahren, wo die weiteren Stolpersteine dieses Systems liegen.

Update: Haha! Heute Morgen habe ich den lahmen Celeron G550 gegen einen Core i5 getauscht und – schwuppdiwupp – schon wollte das System wieder nicht mehr booten. Nach einer guten Stunde äußerst ärgerlicher Murkserei bin ich schließlich dahinter gekommen, dass das tolle UEFI-Setup bei so gut wie jeder Setup-Änderung hinterrücks wieder Secure boot aktiviert. Und damit werden meine nicht von Microsoft signierten Kernel äußerst informativ als “no operating system” abgelehnt. Wie würde fefe schreiben? “Tolle Wurst!”

/cbx, Kategorie: Rant & Grant - Linux LeidenSchaf(f)t

 

Eigener Senf dazu?

  1. The Angry Nerd gab am 17. Oktober 2013, 00:09 folgenden Senf dazu:

    PCIe hat eine höhere Latenz als PCI? Sieh an, das wusste ich nicht und hätte es auch nicht vermutet.
    Meine Frage, ob die Anbindung über Bridge Chips dann nicht Probleme macht, wurde ja auch direkt beantwortet :D

    Was aber soll das penetrante Fingerzeigen auf Windows 8 und 64bit? Dass es eine 32 Bit Version gibt, und das auch noch für 8.1, wirst du ja wissen.

    Hinsichtlich UEFI mache ich drei Kreuze, dass ich damit noch nichts zu tun hatte. Ich habe schon einiges über UEFI in der Praxis gehört, aber nichts Gutes. Wenn jetzt auch DU noch meckerst, muss das wirklich schlimm sein.

    P.S.: Ich hätte da noch ein X48 Mainboard mit Core2Quad günstig abzugeben, RAM auf Wunsch bis 16GB und afaik mit “echtem” PCI ;-)

    /cbx meint dazu:

    Naja, faktisch existiert ein 32bittiges Windows 8 auf PCs nicht. Auch die hinterletzte Möhre wird werksseitig mit >=4GBytes RAM und - hence - 64bit ausgeliefert - und Tablets und solcher Schnickschnack interessieren mich hier nicht. Und nur echte Hardcore-Nerds installieren Win8 selbst. Im UEFI-Setup meines Vaio gibt es sogar eine große (touch-taugliche) Schaltfläche "Start Windows now". Startet aber dann doch Linux...

    Wenn Du 20 Stück von diesen X48-Mainboards hast, kommen wir ins Geschäft :-D

  2. georgi gab am 26. Oktober 2013, 17:19 folgenden Senf dazu:

    Was machst Du denn, wenn es nur noch Safe-Boot-verriegelte Rechner gibt, Du das Safe-Boot auch nicht mehr abstellen kannst, auf denen Du also nichts mehr installieren kannst, nicht einmal eine Knoppix-CD einlegen kannst, und es einfacher wird, auf dem Toaster als auf Deinen Rechner Linux zu installieren? Was unternehmen RedHat & Ubuntu jetzt?

    /cbx meint dazu:

    Das ist wohl eine rhetorische Frage, oder? Ich für meine Teil werde Gift und Galle spucken und noch wüstere Verfluchungen auf Microsoft und Konsorten aussprechen. Red Hat hingegen hat längst gehandelt, sich mit MS ins Bett gelegt und den MS-signierten Bootloader-loader shim veröffenlticht. Aber das wusstest Du vermutlich schon.

    Das ist so viel wie man erwarten kann, wenn man bedenkt, dass - beispielsweise - so ultrabeschissene UEFI-Umsetzungen wie die in meinem Vaio Pro 11 gerade mal mit Ach und Krach per hart kodierten Pfad Windows starten können, sonst aber absolut nichts und sich einen feuchten Dreck um systemkonforme Einstellungen anderer Bootloader kümmern.

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