Ein globaler Deppentest?

21.01.2014 16:44 von /cbx, derzeit 2.50351 Kommentare

Send to Kindle

Offensichtlich bin ich ein komplett ausgetickter Verschwörungstheoretiker, aber ich habe das unwiderstehliche Gefühl, dass hier gerade ein Deppentest in nationalem Ausmaß abläuft. Nicht nur einschlägige Fachpublikationen, sondern auch ganz gewöhnliche Rundfunksender fordern seit Stunden praktisch alle Bundesbürger dazu auf, einer Webseite des BSI ihre Email-Adresse mitzuteilen.

Einer Seite des BSI? Einer direkten Tochterorganisation des BND, der wiederum direkt dem weltweiten Spionage- und Überwachungssystem zuarbeitet? Bin ich wirklich der einzige, der dabei ein seltsames Gefühl hat? Noch dazu, wo sich alle “Informationsmedien” bisher mit auch nur ansatzweisen Details und Hintergründen zu den kompromittierten 16 Millionen Mailadressen vollständig zurückhalten. Warum bitte sollte ich dem BSI (oder sonst irgend jemandem) die Verwendung sowie insbesondere die Zuordnung meiner Mailadresse zu einer IP-Adresse bestätigen? Geht’s noch?

Wenn das wirklich ein Deppentest war, dann hat das BSI allerdings die Dummheit der Staatsbürger sogar noch enorm unterschätzt, denn unter der Last der anstürmenden Verifikationswilligen sind denen wohl aktuell die Server zusammengebrochen.

Naja, vielleicht rettet uns wieder einmal die Inkompetenz unserer Überwacher?

/cbx, Kategorie: Rant & Grant - Netz Dschungelcamp

 

Eigener Senf dazu?

  1. The Angry Nerd gab am 23. Januar 2014, 00:16 folgenden Senf dazu:

    Ich bin hin und hergerissen. Welche meiner unzweifelhaften Grundannahmen ist richtig?

    Versucht der Staat mich auszuhorchen und mich zu verarschen?

    Oder sind das beim BSI strohdumme Beamte, die zu doof sind? (Keine E-Mail zur Bestätigung falls man nicht betroffen ist, Seite auf zu schwachbrüstigem Host…)

    Oder ist es gar beides?

    /cbx meint dazu:

    Ich will ja auch nicht so recht an den evil master plan der Meistersiphone vom BSI glauben. Auf jeden Fall aber zeigt der Benutzeransturm, was die gemeinen Menschen aus den Snowden-Dokumenten gelernt haben: Wie immer - nichts.

  2. Peter Suxdorf gab am 24. Januar 2014, 07:00 folgenden Senf dazu:

    Ich habe es ganz ehrlich nicht verstanden. Erst hieß es, daß Online-Konten gehackt wurden (Was ist die genaue Definition von Online-Konten), dann hieß es, es wurden Email-Konten gehackt (also keine Emails?).

    Da der zuständige Fachbeamte offenkundig nicht so genau wußte, was er da macht – also wie immer alle Beamte – hat er dem Kind einen Namen gegeben. Nachdem das Kind mit dem Wasser ausgeschüttet worden war, kam man wohl auf den Gedanken, daß das so nicht ganz richtig war. Aber da war die Sau schon durch…

    Heute heißt es ganz brav, daß die Zugangsdaten zu Email-Konten gehackt wurden.

    Ok. Was nutzt das? Ich habe ganz wenige Zugänge im Netz, die ich mit einer Emailadresse verbunden habe. Amazon z.B. Dort habe ich aber ein ganz anderes Passwort, als das meines Email-Kontos. Das hieße, wenn einer tatsächlich mein Email-Konto benutzen würde, käme an nächster Stelle ein weiteres Passwort, das natürlich auch geknackt werden könnte, aber das ist wohl ein anderes Thema.

    Hinter dem Amazon-Zugang steckt ein Bankkonto, das ausschließlich für solche Einkäufe genutzt wird und demzufolge in der Regel recht wenig gefüllt ist und das natürlich so geschaltet ist, daß ich Lastschriften widersprechen kann.

    So what? Oder bin ich da auf dem falschen Trichter und der Staat will wirklich an meine Email-IP-Kombination? Das kann natürlich nach Snowden keiner ahnen…

    /cbx meint dazu:

    So vorsichtig wie Du werden wohl die Wenigsten sein. Im allgemeinen kann man, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, mit einem fremden Email-Konto zumindest ziemlich viele Passwörter zurücksetzen und sich damit zu interessanteren Diensten durchhangeln. Abgesehen davon finde ich die Idee, eine Email-Adresse einer IP und damit einem Anschlussinhaber zuordnen zu können durchaus attraktiv - und sei es nur, um Forenteilnehmer ordentlich abmahnen zu können...

Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen.