The HP Spectre 13 Ultrabook sound mystery...

12.06.2014 17:15 von /cbx, derzeit 3.32626 Kommentare

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Zuerst dies: Ja, ich lebe noch – und ja, es gäbe allerhand zu bloggen – beispielsweise über unseren zweiwöchigen Aufenthalt in Südafrika und einige andere, eher tagesaktuelle Dinge, aber irgendwie will sich der Blogreiz nicht so ganz einstellen.

Deshalb hier nur eine kleine gemeinnützige Information für alle Linux-geplagten Fashionistas da draußen, die sich wahrhaft entblödet haben, fast 2000€ für ein Macbook Air auszugeben, das keines ist und das dann auch noch mit Linux zu betreiben.

Inzwischen bin ich übrigens sehr zufrieden mit diesem Spielzeug, obwohl ich weder irgendwas mit Medien mache, noch Webseiten in HTML programmiere. Mein Spectre 13 ist relativ leicht, sehr flach, bietet immerhin 2560×1440 Pixel, hängt mit Core i7 und SSD verdammt gut am Gas und erreicht eine realistische Akkulaufzeit von 7 bis 8 Stunden (wenn ich nicht gerade compiliere). Auch das IWL-7260 WLAN funktioniert mit Kernel 3.14 und aktueller Firmware zu meiner vollsten Zufriedenheit.


[Und so sieht der aus…]

Der einzige Schatten, der jetzt noch meine user experience trübt, ist, dass der Sound doch arg matt und kraftlos aus den seitlichen Lautsprecherchen fällt. Dass da mehr zu holen sein müsste, deuten nicht nur die – auch durch die Handballenauflage wirkenden sehr starken Magneten der Lautsprecher an, sondern auch das prominent über dem Display (hm, welch naheliegender Ort) angebrachte “beats audio” Label.

Und wirklich – unter Windows 8.1 (ja, das habe ich diesmal auf der SSD gelassen) klingt das Gerätchen für ein Notebook sehr erwachsen. Aber eben nur unter Windows.

Nach einigen fruchtlosen Gugeleien habe ich schließlich mal wieder selbst Hand angelegt und mir das Datenblatt zum darin verbauten HD-Audio Codec IDT-92HD95B beschafft. Das findet man bereits durch mildes Gugeln relativ leicht. Und in diesem sehr umfangreichen Dokument ist das gesamte Innenleben des 92HD95 beschrieben – beispielsweise auch, dass der definitiv keinen Ausgang für den in diversen Foren immer wieder vermuteten Subwoofer hat, dafür aber zwei durchaus kräftige Klasse-D Endstufen, die schon für allerhand Rambazamba sorgen können. Außerdem findet der geneigte Leser vor den Leistungsstufen einen programmierbaren digitalen Hochpassfilter sowie einen parametrischen 5-Band-Equalizer.

Wie jedes Gerät, das dem Intel’schen HD-Audio-Standard folgt, wird auch der 92HD95 konfiguriert, indem eine Unzahl von “Verben” an spezielle NIDs gesendet werden. Dafür existiert glücklicherweise ein praktisches Kommandozeilentool namens hda-verb, das es mir nach einigem Probieren ermöglicht hat, den Hochpassfilter abzuschalten und schon damit dem Klang deutlich mehr Volumen zu verpassen. Das klappt übrigens on the fly auch bei laufender Musik, was zum Experimentieren enorm praktisch ist.

# hda-verb /dev/snd/hwC1D0 0x1a 0x795 0x00

Was mag diese kryptische Zeile bedeuten? Nun, das erste Argument, “/dev/snd/hwC1D0” ist das Kernel char-device, das der alsa-Treiber dem Codec zugeordnet hat. Auf den meisten Systemen dürfte das eher “/dev/snd/hwC0D0” sein, auf meinem Spectre aber reißt sich der HDMI Audio-Teil die erste Kartenadresse “Card0” unter den Nagel – deshalb ist der normale Codec dann eben erst “Card1”.

Die Zahl “0×1A” ist die NID des Audioverstärker-Bausteins. Diese Information ist im Datenblatt auf Seite 194 als “7.21.4. AdvancedFunctions (NID = 1Ah): Cntrl3” zu finden.

Das Verb “0×795” dient, wie auf Seite 196 zu lesen steht, zur Konfiguration des Hochpassfilters, der seitens des HP-BIOS auf eine unsinnig hohe Grenzfrequenz (bei mir 750Hz) gesetzt wird.

Der Wert “0×00” schließlich reduziert die Grenzfrequenz auf 100Hz, was in Anbetracht der Größe von Lautsprecher und Gehäuse ein vernünftiger Ansatz sein sollte.

Das Resultat dieser Behandlung ist, dass der Spectre 13 damit ziemlich genau so klingt wie unter Windows, wenn die “beats audio” Funktionen deaktiviert sind – und damit eine ganze Stange besser als zuvor. Echten “beats audio” Sound dürfte man indes nur mit der speziellen beats-Software bekommen, von der ich annehme, dass sie im Wesentlichen einen exciter mit big bottom (so wie den Aphex 104, der bei mir jahrelang so mancher schwachbrüstigen Lautsprecherkiste gut auf die Sprünge geholfen hat) in Software umsetzt. Da muss ich derzeit passen. Es würde sich aber vermutlich lohnen, mit dem Datenblatt in der Hand auch etwas mit dem Equalizer (ab Seite 204) zu spielen.

Damit aber mögen sich andere Kindsköpfe die Zeit vertreiben.

/cbx, Kategorie: Linux LeidenSchaf(f)t - Schöngeistlos

 

Eigener Senf dazu?

  1. Eduard Dopler gab am 13. Juni 2014, 13:05 folgenden Senf dazu:

    Hallo Christian!

    Vielen Dank für deinen Hinweis mit dem Sound. Er klingt nun wirklich kräftiger. Und wer weiß – vielleicht wage ich mich ja irgendwann an den EQ ;)

    /cbx meint dazu:

    Bitte, gerne. Über Weitere Erkenntnisse würde ich mich natürlich auch freuen.

  2. The Angry Nerd gab am 15. Juni 2014, 23:19 folgenden Senf dazu:

    Hurra!
    Er lebt!

    /cbx meint dazu:

    Hm, ja. Ich freu' mich auch. :-)

  3. Volker gab am 17. Juni 2014, 15:50 folgenden Senf dazu:

    Schön mal wieder etwas von dir zu lesen ;-)

    /cbx meint dazu:

    Danke, ich hoffe sogar selbst, dass mich der Blogreiz wieder packt...

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