Schon lange nicht mehr richtig verschworen

06.08.2014 20:23 von /cbx, derzeit 3.22016 Kommentare

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Ja, die altersbedingte Versprödung und die von der unaufhaltsamen Flut multimedialer Wahrheiten erzwungene totale Abstumpfung haben den Diplom-Apokalyptiker in mir fast vollständig zum Schweigen gebracht. Falls aber dann und wann doch noch ein Blitz (oder eher ein Fünkchen) neuronaler Aktivität durch mein vakuumleeres Gehirn zuckt, dann nur, um hinterher einen Zustand noch tieferer Finsternis zurückzulassen. Ich kann mich indes des Gefühls nicht erwehren, dass ich mit diesem Problem alles andere als allein bin, denn um mich herum sind zuletzt sehr viele Stimmen (beispielsweise von meiner Rickroll) verstummt.

Wenn ich mich dann trotz aller sprudelnden Alltagsfäkalien doch einmal in Rage gedacht habe, dann kommen dabei nicht selten Konstrukte heraus, die ich nicht unbedingt durch schriftliches Festhalten weiter in meinem Resthirn zirkulieren lassen möchte. Weil es dann aber eh scho wuascht ist, denke ich, wenn es dann doch einmal passiert, noch ein Stück über meine normale Unwohlseinsgrenze hinaus. Und wenn man sich nur weit genug aus dem Fenster lehnt, entsteht oft genug ein Bild, das den plausiblen Anschein eines größeren Überblicks vermittelt.


[Wenn die Sonne tief steht kommen stürmische Zeiten auf uns zu…]

Es ist ja generell so ein Menschen-Ding, anhand irgendwelcher Beobachtungen Muster zu erkennen und Zusammenhänge hinein zu interpretieren, die es entweder gibt, oder aber auch nicht. Normalerweise hänge ich dem Glauben an (ja, ich bin gläubig…), dass all zu einfache und logische Erklärungen üblicherweise falsch sind, genau so wie ich die eine ultimative Weisheit stets hochhalte:

“Weisheiten, die in einen Satz passen, sind immer falsch”

Äh, nein, ich wollte an sich jetzt hier nicht ins dümmliche abdriften. Heute Mittag im G’schäft hatten wir eine (wenn ich dabei bin, oft etwas einseitige) Diskussion über die Kriegsgefahr in der Ukraine und die Rückkehr der Eurokrise. Nun, aus einer angemessen schiefen Perspektive heraus ergibt sich für mich schon ein recht plausibles Bild. Ich mache es mal so kurz wie möglich:

Vor gefühlten tausend Jahren, so um die Jahrtausendwende, platzte – auch wenn sich kaum noch jemand daran erinnert – die Dotcom-Blase als erste in einer nicht enden wollenden raschen Folge von Spekukationsblasen, die jeweils hauptsächlich das Geld der gewöhnlichen Fußgänger verschwinden ließen und in der Folge dramatisch anschwellende Ströme von Fiat-Geld in weitere, noch größere Blasen pumpten. Diese Entwicklung hält mit stetig wachsender Geschwindigkeit und Größe bis heute an.

Jetzt weigere ich mich aber – auch wenn das Hanlon’s Razor widerspricht – zu glauben, dass an den Schalthebeln der Macht wirklich nur veritable merkbefreite Vollpfnurpfel sitzen. Und – nur um das für ungeübtere Leser hier klarzustellen – damit meine ich nicht die hilflos hampelnden Avatare, die für ein relatives Taschengeld in den Parlamenten dieser Welt ihre Köpfe in die Kameras halten.

Wenn aber die wirklichen Machthaber (== Besitzer) nicht vollkommen merkbefreit sind, dann muss denen spätestens 2000 aufgegangen sein, dass die geometrische Reihe immer schneller platzender immer größerer Spekulationsblasen ein untrügliches Zeichen dafür ist, dass, wie schon seit tausenden von Jahren üblich, das Geldsystem mit seinem immanenten exponentiellen Wachstum auf einen unabwendbaren Neustart zustrebt. (Dazu auch: →David Graeber: Schulden, die ersten 5000 Jahre).

Durch die ganze Geschichte hindurch wahren solche Finanzcrashes ein zuverlässiges Mittel, das für die Mehrung von Besitz sehr vorteilhafte Wachstumssystem wieder für ein paar Jahrzehnte reibungslos zum Laufen zu bringen – allerdings mit teilweise schwer kalkulierbaren und nicht immer angenehmen Folgen für die bisherigen Besitzenden (Jetzt hat aber wohl hoffentlich niemand gedacht, ich würde jetzt die Fußgänger erwähnen?).

Nachdem der letzte Neustart 1944/1945 schon recht gute funktioniert hatte, wollten die Besitzenden diesmal ganz sicher sicherstellen, selbst nicht auf der Verliererseite stehen zu müssen. Um das zu erreichen, muss man die Fußgänger langsam aber konsequent enteignen, ihnen langsam den Wohlstand und die Sicherheit nehmen, während man gleichzeitig die Existenzangst stetig erhöht. Für eine gewisse Zeit genügt es dabei, die Menschen abzulenken und abzustumpfen. Und erst, wenn auch die schlichteren Gemüter und echten Optimisten beginnen zu begreifen, was da eigentlich gerade abgeht, muss man sie beschäftigen.

In den letzten Jahren – bis heute – haben wir die Phase des Ablenkens und Abstumpfens erlebt. Seit 15 Jahren jagt eine Kakophonie von Terror- und Finanzkatastrophenmeldungen die andere, keiner will da heute noch zuhören. Deshalb ist es leicht, uns die Erosion unser Wohlstands, die Entwertung unserer Arbeit und die Enteignung unseres Vermögens als alternativlos zu verkaufen, während die wirklich Coolen auf den Finanzmärkten weiterhin in einem Maß Geld abschöpfen, das normales Vorstellungsvermögen bei weitem sprengt.

Gleichzeitig haben wir – in der Folge eines “Terroranschlags” bei dem zwei Passagierflugzuge zwei Hochhäuser gerammt haben (das war 2001) – eine Vernichtung von Freiheiten und Bürgerrechten in nie gekanntem Ausmaß erlebt, während im selben Maß eine Überwachungs- und Bespitzelungsinfrastruktur gegen die eigenen Bürger in Stellung gebracht wurde, gegen die die Bemühungen des DDR-MfS sich nachgerade rührend hilflos ausnehmen. Wenn man bedenkt, wer die Nutznießer dieses globalen Paradigmenwandels sind, könnte man den offiziellen Narrativ von Islamisten mit Teppichmessern schon für einen sehr kühnen Schuss halten.

Jetzt, hier und heute steht die Überwachungsinfrastruktur weitgehend und es ist relativ unwahrscheinlich, dass sich irgendwo eine nennenswerte Menge an Bürgern zusammenfindet, um ihre Meinung zu ihrer aktuellen Situation mit Fackeln und Mistgabeln kund zu tun, ohne dass die “Sicherheitsbehörden” das schon lange vor den Aufständischen selbst wissen. Und doch lassen sich niemals alle für immer verarschen. Wenn dieser Punkt erreicht ist, folgt die letzte Stufe.

Dann nämlich muss man das gemeine Volk anderweitig so richtig beschäftigen. Und was könnte Menschen besser beschäftigen als ein anständiger Krieg? Eben. Wie praktisch, dass wir jetzt schon mindestens einen fertig angerührten, schnell und direkt eskalationsfähigen Krieg für Europa auf der hinteren Herdplatte am Köcheln halten. Wenn das kein todsicherer Plan ist!

Oh mein Gott, ich hoffe, ich bin besoffen…

/cbx, Kategorie: Rant & Grant -

 

Eigener Senf dazu?

  1. Peter Suxdorf gab am 7. August 2014, 06:20 folgenden Senf dazu:

    Danke für die Zusammenfassung. Unsere Diskussion wäre ein gegenseitiger gleichgeschalteter Monolog…

    Das mit den Mistgabeln habe ich aufgegeben, da die Energie dafür unzureichend ist. Ein schönes Gedankenexperiment wäre, diese Energie in ein paralleles System zu investieren, das das bestehende System leer laufen lassen würde, wenigsten so wenig als möglich zu nutzen.
    Bestes Beispiel sind die Mainshitmedien, deren Käufer in Scharen davon laufen ob des Lügengebildes.
    Frei nach dem alten Motto “Stell Dir vor, es ist … und keiner geht/macht hin/mit.”

    /cbx meint dazu:

    Wäre doch toll - gleichgeschaltet ist das neue individuell!

    Und das mit dem "keiner geht hin" passiert (im mikroskopischem Maßstab) eh schon. Den Zeitungen laufen die letzten Leser davon, Wahlen werden zu Randgruppenveranstaltungen und immer mehr steigen mehr (so wie ich) oder weniger freiwillig aus den kapitalgebundenen Geldvernichtungsformen (→Rentenvorsorge) aus.

    Kopf hoch - es wird schlimmer kommen ;-)

  2. MarkusK gab am 7. August 2014, 10:34 folgenden Senf dazu:

    Sehr schön das du wieder etwas häufiger schreibst rantest! Bitte weitermachen.

    Eigensenf:
    Nicht zu vergessen: der Nahostkonflikt. Auch hier besteht die Chance auf einen formidablen Krieg. Entfacht und begründet durch die Entführung israelischer Jugendlicher durch die Hamas. Die richtige Würze bekommt diese Aussage dadurch das Israel wußte, daß die Jugendlichen bereits tot waren und nicht von der Hamas entführt wurden.

    Zur weiteren Ablenkung/Vernichtung der tumben Massen, verhelfen einige Gutmenschen gerade Ebola dazu, den schwarzen Kontinent zu verlassen. Ich habe heute morgen im Radio gehört das jemand vorschlug (ich weiß leider nicht mehr wer) 100 mit Ebola infizierte Menschen aus Afrika nach Deutschland zu holen, da sie hier besser behandelt werden können. Man sollte es zur Bürgerpflicht erklären, daß jeder Haushalt einen Ebolainfizierten aufnimmt. Die wohl damit verbundene panische Angst vor einer eigenen Infizierung sollte zur Ablenkung von den bedeutenden Vorgängen genügen.

    Am Ende wird alles gut.
    Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.
    (Oscar Wilde)

    /cbx meint dazu:

    Der "Nahostkonflikt" ist natürlich so was wie die Pilotflamme für den Weltkriegsboiler, aber ein echter Krieg dort nutzt der Wirtschaft fast garnichts. Wozu also den Aufwand?

    Ebola hingegen? Nun, ich habe auch gezuckt, als ich erfahren habe, dass jetzt absichtlich Infizierte nach Europa gebracht werden. Wenn man bedenkt, dass hier Jahr für Jahr zehntausende Menschen sterben, nur weil unsere Mediziner sich nicht oft genug die Hände waschen, könnte man da schon etwas nervös werden.

  3. joggl gab am 7. August 2014, 13:46 folgenden Senf dazu:

    Ich frage mich echt, ob in der heutigen Zeit “Krieg” noch funktioniert.
    Klar, es gibt jede Menge braver Wehrdiener die ja auch zB in den vielen “Friedensmissionen” unterwegs sind. Auf der anderen Seite denke ich mir aber, dass ein Großteil der Leute, die in der Zeitung dann “Deutschland, Deutschland über alles! Allgemeine Mobilisierung” lesen, vergeblich den QR-Code suchen, mit dem sie die Facebook-App “WW3” installieren können.

    /cbx meint dazu:

    Früher hieß es "Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin". Das ist natürlich Dummfug. Heute muss ja keiner mehr hingehen. Das geht doch alles schön remote. Was glaubst Du, warum Panzer-Uschi nicht nur Fernseher sondern auch Drohnen anschaffen will?

    Wobei: Dein Haus ist auch im Arsch, wenn eine Drohne mit chirurgischer Präzision deinen Nachbarn liquidiert...

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