Das Danisch-Experiment

12.08.2014 19:50 von /cbx, derzeit 5.61419 Kommentare

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Aufgrund meines biblischen Alters gehöre ich zu jener Generation, die in ihrer aktiven Schulzeit in den bewußtseinsbegeisterten 1980ern mit so manchem gut gemeinten (durchaus nicht unbedingt gut gemachten) Produkt der damals weltweit wütenden Bewusstseinsschaffungsindustrie gequält wurde. In der illustren Runde der politisch opportunen Kunstwerke jener Zeit ist mir ein amerikanischer Fernsehfilm ganz besonders im Gedächtnis geblieben. Erwartungsgemäß nicht, weil er handwerklich so hochwertig oder dramaturgisch so wertvoll gewesen wäre – nein, viel mehr, weil ich nach knapp fünf Minuten ein sehr klares Bild vor Augen hatte, mit welcher Überraschung dieser Film enden würde. Wenig überraschend geht es dabei um den unlängst aufwändig neu verwursteten Film Die Welle aus 1981. Für alle Leser, die die letzten 40 Jahre unter einem Stein in der Wüste Namib verbracht haben, hier ein Spoiler:


[Die Welle. Oder so.]

“Schüler kapieren im Geschichtsunterricht nicht, wie es damals in Deutschland zu so schrecklichen [und so weiter]. Daraufhin startet der Leerer ein neues Projekt, eine Bewegung namens »Die Welle« unter dem schönen Motto »Stärke durch Disziplin, Stärke durch Gemeinschaft«. Die Schüler fügen sich begeistert in die neue Gruppendynamik ein und am nach einigen Wochen lädt der Leerer alle Mitglieder zu einer Veranstaltung mit dem Leiter der Welle ein – und zeigt ihnen ein Video von Adolf Hitler.”

So flach, so vorhersehbar. Warum also quäle ich meine Leser dann damit? Nun, primär, weil ich es liebe, meine letzten verbliebenen Leser zu quälen. Daneben aber auch, weil ich derzeit gerade das Gefühl habe, eine Neuauflage der “Welle” zu erleben. Nein, nicht im Bundestag, im Weißen Haus, in Moskau, Luhansk oder Donjezk – dort fehlt jede auch nur ansatzweise Subtilität.

Nein, es ist viel trivialer. Ich habe heute Mittag einen Post im Blog von Hadmut Danisch gelesen. Das tue ich seit Mitte 2011 eigentlich ziemlich regelmäßig, seit ich Herrn Danisch damals durch diesen äußerst lesenswerten Post als so scharfsinnigen wie auch scharfzüngigen Beobachter der IT-Szene kennen gelernt habe.

Im Lauf der Jahre konnte ich dem Blog dann auch einige Hintergrundinformationen über seine Lebensgeschichte entnehmen, die eine Erklärung dafür liefert, warum er sich so fanatisch mit Wissenschaftsbetrug und Ämterkorruption beschäftigt. Im Jahr 2012 aber kam dann sein Buch Frauenquote heraus und seither nimmt das Thema Feminismus kontinuierlich mehr und mehr Raum im Blog ein.

Gleichzeitig mit dem Anstieg der Frequenz – ich schreibe mal – feminismuskritischer Artikel verschärfte sich auch der Ton zunehmend ins polemische bis hysterische. Der oben verlinkte Post hat bei mir nun wohl den Triggerpegel überschritten. Ich glaube jetzt fest, Zeuge eines seltsamen Experiments zu sein, dessen Plot mir verdächtig bekannt vorkommt.

In dem Maß, wie sich Danisch seit rund zwei Jahren in seine feminismuskritischen Thesen hinein steigert, verfällt er auch in genau jene Denk- und Argumentationsschemata (die Anführungszeichen spare ich mir hier), die er bei den Leitfiguren bzw. -thesen des Feminismus so scharf kritisiert. Je fanatischer und selektiver die Texte werden, umso mehr erwarte ich demnächst einen Post, der unter einem großen »Ätsch!« den ganzen Spannungsbogen würdig abschließt – mit den Worten »Und jetzt haben wir alle gelernt, wie so etwas zustande kommt!«

Bei Tageslicht aber fürchte ich, dass ich auf diesen Post noch sehr lange werde warten müssen…

/cbx, Kategorie: Netz Dschungelcamp - Rant & Grant

 

Eigener Senf dazu?

  1. The Angry Nerd gab am 13. August 2014, 04:15 folgenden Senf dazu:

    Ich kann Deine Befürchtungen sehr gut nachvollziehen. Für mich stellt sich das recht ähnlich dar und mir fällt auch auf, dass seine Beiträge mit Informatikbezug mittlerweile ziemlich mies geworden sind. Sein Geschreibsel über die SSD, die er beim Elektrodiscounter gesehen hat, stellt einen vorläufigen Tiefpunkt dar. Das hätte genau so gut von irgend einem Hanswurst kommen können, der nach dem Zusammenbau des ersten Rechners aus Baugruppen meint jetzt alles über Computer zu wissen.

    Hadmut war auch schon vor seiner Fixierung auf den Genderunsinn manchmal ein wenig schwierig und hatte die Tendenz dazu ein durchaus polemisch zu werden, wenn er nicht verstanden hat, worauf ein Kommentator hinauswollte. Und auch nachdem er Schopenhauers Kunstgriffe verlinkt und verarbeitet hat, hat er sich doch noch recht gerne bei einigen davon selbst bedient.
    Mittlerweile ist Verbissenheit und eine gewisse, wenig differenzierte Grundaggressivität in manchen Richtungen aber omnipräsent. Bei manchen seiner Beiträge habe ich mich auch schon gefragt, ob das eine rhetorisch etwas derbere und in der Richtung umgekehrte Parodie dessen sein soll, was er aus der Genderecke liest.
    Im Kern stimme ich ihm zwar immer noch bei vielen Dingen zu, aber anders als bei manchen früheren Artikeln, wie bspw. dem von Dir verlinkten über das Cyber-Abwehrzentrum, würde ich das nicht mehr unredigiert unterschreiben. Manches auch gar nicht.

    Ich vermute, er hat so lange in den Abgrund gestarrt, dass der Abgrund mittlerweile nicht mehr nur in ihn starrt, sondern aus ihm heraus.
    Ich kann das im Kern sehr gut nachvollziehen. Ohne meine eigene Biographie hier auszubreiten, die nicht ganz so dramatisch und auch nicht ganz so interessant ist, bestehen da durchaus gewisse Ähnlichkeiten. Insbesondere was die intensive Konfrontation mit Leuten angeht, die so dumm, so ignorant und so durch und durch ideologisiert sind, dass man ihnen Fäkalien ins Gesicht schmieren will, weil ganz offenbar jede Fähigkeit des klaren Denkens abhanden gekommen ist. Wenn man dem zu lange ausgesetzt ist nimmt man irgendwann psychischen Schaden – typischerweise bevor man lernt, vernagelte Idioten vernagelte Idioten sein zu lassen.

    /cbx meint dazu:

    Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Naja, außer vielleicht das: Es ist schade, dass Dummheit und Borniertheit viel stärker abfärben als Besonnenheit und Klugheit...

  2. Peter Suxdorf gab am 13. August 2014, 06:43 folgenden Senf dazu:

    Die Welt ist klein. Ich bin seinerzeit bei Danisch über einen Kommentar von Dir gestolpert, der mich hierhin geführt hat.

    Ich denke, wir leben in so beschaulichen Gegenden, daß der Genderkram – ich glaube, Danisch meint nicht den klassischen Feminismus – nicht bei uns aufkommt. Berlin als Zentralstelle des Wahnsinns wird da eine andere Nummer sein…Von daher kann ich ihn verstehen, auch auf Basis des mittlerweile in Verfolgungswahn ausgearteten Susanne Baer Dogmas. Wobei wir in Deutschland ungleich schwerere Kaliber als potentielle Gegner haben als diese Frau im Amt eines Verfassungsrichters.

    /cbx meint dazu:

    Ich kann mich vieler seiner Argumente durchaus anschließen, seine zuletzt fast schon wahnhafte Fixierung auf eine CIA-Gender-Weltverschwörung mit Susanne Baer an der Spitze geht sogar für einen Diplom-Apokalyptiker wie mich etwas zu weit..

    Wie Du so richtig schreibst: »Wobei wir in Deutschland ungleich schwerere Kaliber als potentielle Gegner haben als diese Frau im Amt eines Verfassungsrichters.«

  3. The Angry Nerd gab am 13. August 2014, 18:04 folgenden Senf dazu:

    @ Peter
    Ich glaube das Problem ist eher, dass der normale Bürger nirgendwo viel von politisichen Entscheidungsprozessen und Einflussnahmen darauf mitbekommt. Politik der Entscheidungsträger findet in einer Art Parallelwelt statt, die räumlich und personell fast völlig von der Lebenssphäre des normalen Durchschnittsbürgers separiert ist. Der Zugang zu dieser ist sogar ein sehr wertvolles Handelsgut: siehe Lobbyisten.

    Das ist auch der Grund, warum sich dort Dinge durchsetzen können, über die jeder normale Mensch den Kopf schütteln würde. In Berlin ist man natürlich ein wenig näher dran, weil sich dort politische Macht und “progressive” Spinnereien sehr nahe sind, aber zu glauben, dass das Problem eben auch räumlich darauf beschränkt wäre, ist ein gefährlicher Trugschluss.

    @ cbx
    Ein anderer Aspekt, der sich seit der Fixierung auf das Thema Gender noch ergeben hat ist die Qualität der Kommentare. So viele Irre, ignorante Besserwisser, die grundsätzlich extrem aggressiv sind, gab es dort vorher nicht.

    /cbx meint dazu:

    Aber sicher. Jedem seine Filterblase - manche sind halt etwas größer und abgehobener...

    Bei den Kommentaren könnte es natürlich auch sein, dass er immer schon jede Menge Unrat angezogen hat, jetzt aber einfach anders moderiert.

  4. Peter Suxdorf gab am 13. August 2014, 18:38 folgenden Senf dazu:

    @The Angry Nerd
    Ich meinte räumlich bezogen durchaus, daß die weiblichen Wesen, die ich zu kennen meine, weit weg von Genderthemen sind, da sie tatsächlich der Ansicht sind, daß es ihnen deutlich schadet statt hilft.
    Deswegen glaube ich auch, daß in Berlin, dem Zentrum für Fehlentscheidungen, sich auch die Mehrheit der GendervertreterInnen*+()..,- versammelt hat.

    Wenn man die Kommunalpolitikerentscheidungen betrachtet, dann ist Berlin übrigens überall…

    /cbx meint dazu:

    Wer im Brunnen sitzt, glaubt, dass der Himmel eine daumengroße Scheibe ist.

  5. Peter Suxdorf gab am 13. August 2014, 19:18 folgenden Senf dazu:

    Im Brunnen sitzen hat was von Sicherheit

    /cbx meint dazu:

    Passt doch wie Arsch uf Omer. Sicherer als auf einer MdB- oder Prof-Stelle kann man doch kaum sitzen...

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