Man kann aus der Geschichte lernen... [Update]

22.01.2015 20:26 von /cbx, derzeit 3.47749 Kommentare

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…es fragt sich nur, wer da gerade konkret was daraus gelernt hat. Und auch wenn der Begriff Geschichte natürlich geradezu nach DEGIWA schreit, so meine ich mit Sicherheit nicht die tumben Horden des Hobby-Hitlerdarstellers (wobei mir bis vorgestern nicht klar war, dass das öffentliche Zurschaustellen eines bescheuerten Bartes und einer idiotischen Frisur hierzulande inzwischen Straftatbestände sind – und – weiß Harald Glööckler das schon?).


[Nicht Harald Glööckler. Hat mit dem Rest dieses Textes nichts zu tun.]

Ich betrachte viel mehr zwei scheinbar unzusammenhängende Dinge. Auf der einen Seite sind da die ganz schrecklich furchtbaren islamistischen Terroristen, die in den letzten zehn Jahren in Europa fast so viele Todesopfer gefordert haben, wie ein Osterwochenende auf Europäischen Autobahnen oder ein Winter in Deutschen Schigebieten. Auf der anderen Seite ist da die ganz schrecklich furchtbare, verheerende Schulden Banken Euro Wirtschaftskrise, die jetzt nach übereinstimmenden Aussagen aller wichtigen Staatsoberhäupter wieder einmal endgültig vorbei ist.

Vor ein paar Tagen hatte ich – wenig beachtet – elegisch darüber gewinselt, wie die immer gleichen Terroristen (nein, natürlich nicht die mit den Rauschebärten, sondern die mit den Krawatten) jeden kleinen Terroranschlag in einen gewaltigen Massenvernichtungsschlag gegen unser aller Grundrechte umzuhebeln versuchen. Nun kennen sich seit der Schulden Banken Euro Wirtschaftskrise zwar die meisten schon sehr gut mit Hebeln aus, so ganz aber gelingt die Multiplikation noch nicht, sodass ich mit weiteren terroristischen Ereignissen in der aktuell so angespannten abstrakten Bedrohungslage rechne.

Die Hauptstoßrichtung zu Befreiung der Regierungen vom Bürger besteht derzeit darin, denen wieder einmal die Übertragung verschlüsselter Informationen (sowie Privatsphäre im Allgemeinen) zu verbieten. Über die Umsetzbarkeit dieses Plans hat der – ansonsten leider weitgehend durchgeknallte – Hadmut Danisch alles Erwähnenswerte geschrieben.. Interessant aber bleibt der Gedanke hinter diesem hirnfreien Aktionismus. Neben der üblichen Zermürbungstaktik (keiner interessiert sich mehr für die zehnte Wiederholung der selben Forderung) steckt dahinter der Wunsch, jede Kommunikation der gewöhnlichen Bevölkerung jederzeit mitschneiden zu können.

Und – ja – das hat eine andere Qualität als die Möglichkeit, Telefone zu belauschen oder Räume zu “verwanzen” (wobei das heute natürlich auch schon aus der Ferne geht). Es geht darum, dass praktisch jede elektronische Kommunikation (dazu gehören natürlich inzwischen auch Telefonate) zentral, bequem und unbemerkbar gespeichert und archiviert werden kann. So steht jederzeit ein umfassendes und relativ unverfälschtes Stimmungsbild der Bevölkerung zur Verfügung. Zwar haben unsere leuchtenden Vorbilder jenseits des Atlantik diese Stimmungserhebungen längst per Google, Facebook, Twitter, WhatsApp usw. gecrowdsourced, doch diese Tools leiden noch darunter, dass gerade die politisch gefährlichsten Bürger sich an diesem Spiel nicht immer im erwünschten Umfang beteiligen. So erhofft man sich, rechtzeitig zu erfahren, wenn die Stimmung im Volk ernsthaft zu kippen beginnt, damit man dann – im Falle von Deutschland – schnell genügend “Betreten des Rasens verboten” Schilder aufstellen kann.

Damit andererseits dieser Kippzustand nicht zu schnell erreicht wird, läuft schon seit längerer Zeit ein zweiter, erschütternd effizienter Plan. Die Geschichte hat nämlich auch gezeigt, dass Revolutionen nicht, wie man annehmen würde, vorwiegend in Zeiten großen Elends ausbrechen, sondern – ganz im Gegenteil – hauptsächlich in Zeiten großen Wohlstands. So ganz unlogisch ist das auch nicht, denn nur, wer ein abgesichertes und bequemes Leben führt, hat Zeit und Mittel, sich mit dummen Flausen wie revolutionären Gedanken überhaupt zu beschäftigen. Wer jeden Tag ums blanke Überleben (oder – zeitgemäßer – gegen den sozialen Abstieg) kämpft, schert sich vorerst nicht um politischen Blödsinn. Deshalb wird in der gesamten westlichen Welt künstlich ein allgemeines undifferenziertes Angstpotenzial (→abstrakte Bedrohungslage) erzeugt, das mit Zahlen und Fakten keinesfalls zu begründen ist. Für zusätzliche Angst sorgt die zunehmende Prekaisierung der Bevölkerung (hier in Deutschland vorbildlich durch die SPD mit der Agenda 2010 umgesetzt) bzw. der wirtschaftliche Zusammenbruch etlicher Staaten (gut, das war jetzt vermutlich nicht direkt so geplant) mit Massenarbeitslosigkeit und Versagen der Sozial- und Gesundheitssysteme.

Warum das ganze? Nun, schon mit ein paar Millimetern geistigem Abstand sollte jedem, der in der Volksschule (→Grundschule) Rechnen gelernt und anschließend nicht BWL oder gar VWL studiert hat, klar sein, dass wir – in diesem Fall der westlich-kapitalistisch geprägte Teil der Welt (vermutlich alles außer Teile Afrikas) – auf einen Crash von absolut epischer Dimension zusteuern. Noch nie zuvor in der niedergeschriebenen Geschichte dieses Planeten war ein großer Wirtschaftsraum dermaßen überschuldet wie unserer gerade hier und heute. So lange sämtliche Schulden in diesem Wirtschaftssystem mit Zinsen und Zinseszinsen belastet werden, kann dieses System nur funktionieren, wenn es – genauso wie die Zinsen – permanent exponentiell wächst.

Update: Und damit dieses exponentielle Wachstum noch ein bisserl länger währt und die mögliche Fallhöhe beim Crash noch einmal höher wird, hat die EZB gerade eine völlig neue Dimension von terminaler Todsünde begangen und beschlossen, in irrationaler Menge madige Europäische Staatsanleihen “aufzukaufen”. Denn wenn es eines gibt, was wir in dieser Situation brauchen, dann ist das selbstverständlich noch mehr Geld! Nun, die “Aktienmärkte” brennen erwartungsgemäß ein Freuden(stroh)feuer ab… /Update

Doch schon etwas hellere Kindergartenkinder erkennen für gewöhnlich schnell, dass exponentielles Wachstum keine besonders intelligente Langzeitstrategie für eine Gesellschaft auf einem endlich großen Planeten darstellt. Wer auch nur für wenige Sekunden das Brett von Kopf nimmt, weiß, dass diese Schulden Banken Euro Wirtschaftskrise natürlich nicht vorbei ist. Enden wird diese Krise erst, wenn es wieder (wie hunderte Male zuvor in der Menschheitsgeschichte) richtig gekracht hat und wieder einmal fast alle fast alles verloren haben.

Und hier kommt der Punkt, auf den ich mit diesem schwer verschwafelten Elaborat hinaus wollte: Hier hat jemand wirklich gut aus der Geschichte gelernt. In so gut wie jedem dokumentierten Wirtschaftscrash sind einige Wenige mit nachgerade märchenhaften Gewinnen daraus hervorgegangen. Das wissen natürlich unsere Eliten (also die echten Eliten, nicht die L(ak)aientruppe der Politikschauspieler) am allerbesten. Und sie wissen auch, dass einerseits die möglichen Gewinne um so größer werden, je vernichtender der Zusammenbruch ausfällt, andererseits aber der alles entscheidende Erfolgsfaktor in diesem philanthropischen Spiel das richtige Timing ist. Deshalb ist es (überlebens)wichtig,

  1. das Ohr stets am Puls der Zeit zu haben und
  2. sicherzustellen, dass man dann nicht vom wütenden Mob erschlagen wird.

Wer das sicherstellen kann, dem winken Gewinne, die wirklich jeden Einsatz rechtfertigen…

/cbx, Kategorie: Rant & Grant - Andere Betrüger

 

Eigener Senf dazu?

  1. Peter Suxdorf gab am 22. Januar 2015, 20:55 folgenden Senf dazu:

    Das unterschreibe ich. Teilen erwünscht? Erlaubt? Auch wenn die Hoffnung auf Verstehen und Verständnis eher gering ausfällt…

    /cbx meint dazu:

    Freut mich. Teilen geht immer. Und vielleicht bestellt ja jemand einen Aluhut bei mir?

  2. The Angry Nerd gab am 23. Januar 2015, 15:26 folgenden Senf dazu:

    Ich glaube es wird wirklich spannend was die nächsten Jahre für unser Geldsystem bringen. Im Kern ist es ja bereits völlig von der physischen Welt entkoppelt und an deren Wert nicht mehr gebunden. Wie Pokerchips.

    Bis man es nicht mehr ignorieren kann versuche ich mich mal in echtem Deutschtum und presse die Augen zu. Das wird schon gut gehen. 2008 gabs auch noch frische Wurst beim Metzger. Die Leute die kein Geld haben sind alle bestimmt nur faule Schmarotzer. Außerdem gibt es davon eh nicht so viele, die Nachbarn haben sich ja letzte Woche erst nen neuen 320i gekauft.

    Ansonsten versuche ich tatsächlich deine Ratschläge zu befolgen. Bisher funktioniert das mit dem Aktiendepot auch ganz hervorragend. Als Kleinanleger duerfte ich auch vor den Mistgabeln noch recht sicher sein. Aber so langsam überlege ich, ob ich nicht langsam aber sicher den einen oder anderen Krügerrand kaufen soll…

    /cbx meint dazu:

    «Ich glaube es wird wirklich spannend was die nächsten Jahre für unser Geldsystem bringen.» Die nächsten Jahre? Du bist ja ein echter Optimist...

    Diese Woche hatte ich irgendwo gehört, der Segen der EZB-Geledexplosion sei, dass nun dermaßen viele Euros "im Umlauf" (eigentlich wohl eher "in irgendwelchen Büchern") sind, dass den Banken, in Verbindung mit den um sich greifenden Negativzinsen gar nichts anderes mehr übrig bleibt, als Kredite an die Realwirtschaft zu vergeben, weil die die letzten Idioten sind, die überhaupt noch Zinsen zahlen würden. Und das würde nun endlich die Wirtschaft so richtig ankurbeln...

    Kauf Dir schleunigst ein Stück Ackerland und ein paar Goldstücke. Aus schierem Nationalgefühl würde ich aber den Philharmoniker dem Krügerrand vorziehen.

  3. The Angry Nerd gab am 23. Januar 2015, 17:37 folgenden Senf dazu:

    Warum Optimist? Ich bin alles andere als sicher, dass wir in zwei Jahren noch den Euro haben. Aber ich glaube nicht, dass ich beim Bäcker Shellskripte gegen Brötchen tausche. Irgendein Tauschmaterial wird sich schon finden.

    An die Theorie, dass die Banken jetzt endlich Geld an die Realwirtschaft leiten würden, will ich übrigens nicht glauben. Das haben sie bisher immer zu verhindern gewusst. Es ist aber durchaus ein dicker Brocken, denen man ihnen da in die Hand druckt.
    Bei gerade mal 350 Millionen Einwohnern in der Eurozone sind eine Milliarde 3 Euro pro Nase. Bei einer Billion sind das 3000 Euro pro Nase. Bei solchen völlig wahnwitzigen Summen könnte man durchaus anfangen daran zu zweifeln, dass die Banken das noch weghamstern können.

    /cbx meint dazu:

    Du hast ja recht. Diese Katastrophe kann man sicher noch ein bissl weiter prolongieren. Aber dass das frisch erfundene Geld als günstiger Kredit bei Unternehmen wie meinem landet, glaube ich selbst bei 3 Promille noch nicht.

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