Wieder da! Aus der Schule!

15.07.2015 19:11 von /cbx, derzeit 4.3192 Kommentare

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Das muss ich zuvor noch loswerden. Gerade auf dem Nachhauseweg im Staatsfunk gehört:

»Das Parlament in Griechenland entscheidet heute über die von der EU verlangten Sparmassnahmen«

Nachdem ich nicht kommentieren werde, was ich davon halte, wie in den letzten Tagen nach einem demokratischen Volksentscheid mit den demokratisch gewählten Vertretern eines demokratischen Staates in der Europäischen Union umgesprungen wurde, fällt mir auch dazu nur eine Abwandlung des bekannten Zitats von Henry Ford ein:

»Bezüglich der Farbe haben Sie die Wahl, sich für Schwarz zu entscheiden«

Inzwischen ist es mir scheissegal, dass ich in diesem unserem Bundes-Kasperletheater kein Wahlrecht habe.

Aber da wollte ich ja gar nicht hin. Es begab sich nämlich, dass ich in dieser Woche nach vielen langen Monaten erstmals wieder etwas wenigstens ansatzweise Sinnvolles getan habe – und dann auch noch in meinem Fachgebiet – und funktioniert hat es auch noch!

Im Rahmen dieser bescheidenen Webpräsenz habe ich ja schon nachgerade inflationär über die aufwändige und teure Entwicklung unseres aufwändigen und teuren EPI3-Interfaces gejodelt. Inzwischen funktioniert das Teil so leidlich und ich habe gelernt, dass es eine sehr – richtig – aufwändige und teure Lösung für ein ziemlich triviales Problem geworden ist.


[Und am Brotbrett wird gejumpert…]

Im Zug eines anderen Projekts habe ich vor einigen Monaten der Firmware unserer USB I/O-Module beigebracht, per schnellem Zweipunktregler (100ms Zyklus) bis zu vier Analogwerte autark über einen digitalen Stellausgang zu regeln. Damit konnten wir dann per – Achtung, festhalten – “SS-Relay” und Thermoelement einen 250W Gasvorheizer auf 0.5°C genau regeln.

Aktuell nun müssen wir eine Maschine mit einem beheizten Werkzeug ausstatten und dafür haben wir ein winziges keramisches Heizelement mit rund 50W bei 24V angeschafft. Das könnte man natürlich mit dem großen, teuren und komplexen Eisen erschlagen.

Man könnte aber auch ein kleines Biserl Hirnschmalz investieren und eine spottbillige Alternative entwickeln. Wenn das Heizelement anstatt mit 400V nur mit 24V betrieben wird, kann man nämlich auf so gut wie alle teuren Komponenten und die aufwändige Isolierung verzichten.


[Heizt mit 15K/s]

Es bleibt eine Stromquelle, die nicht einmal abgeschaltet werden muss, ein Messverstärker und ein Leistungssteller – in diesem Fall ein HEXFET mit sagenhaften 17mΩ On-Widerstand. Diese Komponenten kosten sogar zusammen mit einer anständigen Platine nur einen einstelligen Eurobetrag. Dann musste ich der Regler-Firmware nur noch beibringen, während der Widerstandsmessung (worüber ja immer noch die Objekttemperatur erfasst wird) die Heizspannung für ein paar hundert µs abzuschalten.


[Und nicht mal weit daneben]

Was soll ich noch schreiben? Heute habe ich (meinem schwächelnden Ego angemessen) in bewährter Brotbrett-Technik einen Prototypen aufgebaut und damit aus dem Stand geradezu sensationelle Ergebnisse erzielt: Überschwingerfreies Einregeln und Grenzschwingungen unter 0.5°C. Da schien dann doch einmal ein kleinwunziges Lichterl inmitten eines endlosen Tunnels…

Für tschechisch Interessierte sei übrigens noch erwähnt, dass der auf 9.8A Dauerstrom zugelassene Wunder-FET (IRF 9332) das winzige SO-8-Teil links unten im ersten Bild ist, das ich zwecks besserer Zugänglichkeit auf ein Veroboard gelötet habe.

Und nun bitte ich um doppeltes Lobhudeln und/oder Spott!

/cbx, Kategorie: Aus der Schule -

 

Eigener Senf dazu?

  1. Peter Suxdorf gab am 15. Juli 2015, 20:10 folgenden Senf dazu:

    Kein Wort verstanden…trotzdem hudel ich Dir doppelt Lob…

    /cbx meint dazu:

    1) Ja, Wenn es um Griechenland geht, ist das bei mir schon lange so.

    2) Danke

  2. Wolfgang gab am 16. Juli 2015, 10:14 folgenden Senf dazu:

    Da ich selber Hardware-Entwickler bin, möchte ich Dir ebenfalls meinen Respekt unter Kollegen zollen, nicht ohne darauf hin zu weisen, dass das Licht am Ende des Tunnels in den meisten Fällen die Frontbeleuchtung des entgegenkommenden Zuges ist.

    Ha. Ha.

    /cbx meint dazu:

    Daran, wie sehr mich eine derart triviale Fingerübung begeistert, kannst Du erkennen, wie ausgetrocknet ich diesbezüglich gerade bin. Und das mit dem Zug kannte ich schon. So wie in meiner Firma gearbeitet wird, vermute ich in diesem Tunnel aber eher ein entgegenkommendes Schiff...

  3. The Angry Nerd gab am 16. Juli 2015, 10:30 folgenden Senf dazu:

    kichert

    Ja, woher kenne ich das nur. Man entwickelt eine ausgefuchste Lösung, die nach intensivem Berechnen bzw. Überlegen funktioniert wie ein Uhrwerk, mit vielen beweglichen Teilen, die ineinander greifen müssen, und das zur eigenen Befriedigung nach langem Ingenieurisieren auch tun.

    Dann wird einem klar, dass man gerade eine Standuhr mit Lasermessung der Pendelschwingung gebaut hat, aber ein Quarzwecker für nen Fünfer bessser gewesen wäre. In jeder Hinsicht.

    Aber es ist immer wieder schön zu sehen, dass diese spezielle Form des Problems wohl typisch ist. In diesem Sinne Glückwunsch zur eleganten Lösung.

    P.S.: Was ist das denn für ein beheiztes Werkzeug?

    /cbx meint dazu:

    Ja, ein typisches Ingenieursschicksal. Wobei ich z u meiner Beruhigung behaupten kann, dass wir die grosse Lösung ja auch brauchen - aber eben nur für die 3kW Heizung.

    Das "Werkzeug" ist ein Vakuumtool mit dem wir eine rund 300x1000µm grosse Laserdiode auf einen Kühler löten wollen (müssen). Das ist das frei fliegende Keramikteil rechts im untersten Bild (ein Prototyp natürlich). Und für diese Obejktgrösse sind 50W dann auch ganz anständig, oder?

  4. The Angry Nerd gab am 16. Juli 2015, 11:21 folgenden Senf dazu:

    1000µm? Das ist ja ein ganzer Millimeter ;)

    Und ja, 50W sind dafür ordentlich. Geht es um die schnelle Aufheizzeit, um die Laserdiode nicht durchzuerwärmen, oder verarbeitet die Höllenmaschine ein Dutzend der Dioden pro Sekunde?

    Wenn Du mit Deiner Bude das nächste Mal auf einer Messe bist muss ich mir die Gerätschaften glaube ich mal aus der Nähe ansehen. Nachdem moderne Regalbediengeräte als Spielzeug doch ein wenig zu teuer sind, könnte das eine Alternative sein… :D

    /cbx meint dazu:

    Stimmt schon, für Laserdioden sind die Dinger sogar ziemlich gross. Und die 50W ergeben sich daraus, dass wir leider (wie das Bild zeigt) verdammt viel tote Masse mitschleppen, nur damit die Temperaturverteilung am Angriffspunkt auch schön homogen ist. Dahinter steckt an sich ein sehr geiles Projekt, aber NDA... :-(

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