Was ist eigentlich eine Farce?

31.12.2015 14:33 von /cbx, derzeit 0.56650 Kommentare

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Haha, das war natürlich eine rhetorische Frage.

Eine Farce ist eine Masse aus fein zerkleinertem oder zerstoßenem Fleisch, Fisch oder Gemüse, die kräftig gewürzt und mit z.B. Eiweiß oder Rahm gebunden wird.

Insbesondere, wenn man einen Küchenchef zum Bruder hat, weiß man natürlich um diese durchaus würzige und interessante Variante der gemeine Farce. Alternativ könnte man indes auch schreiben:

Eine Farce ist der Großteil dessen, was 2015 an politisch motivierten Aktionismen gelaufen ist.

Beispiel? Nun, in den letzten Wochen durfte ich mehrmals, wiederholt und nachgerade oft die wiederentdeckte Staatsgrenze zwischen der Republik Österreich und der Volksrepublik Deutschland überschreiten. Bis vor rund vier Wochen was das monatelang per Eisenbahn kaum sinnvoll möglich, da sämtliche internationalen Züge zwischen München und Salzburg unterbrochen wurden. Auch wenn man ganz entspannt ignoriert, dass zu beiden Seiten dieser Grenze die Züge als Ersatzzüge fuhren die dabei meist unnötigen Luxus wie Speisewagen oder Platzreservierungen einbüßten (also bezahlen durfte man die Reservierung schon trotzdem…), so war es doch stets der unterhaltsamste Teil der Reise, in München oder Salzburg eine undefinierte Zeit auf den nächsten Meridian zu warten, mit dem man dann ohne jede weitere Belästigung oder gar Kontrolle seine Reise zum gegenüberliegenden Punkt der Streckenunterbrechung fortsetzen (und das Leben in vollen Zügen genießen) konnte.

Mehr als einmal endete meine Bahnreise dann auch in Kufstein und ich war doch sehr überrascht und – ich gebe es gerne zu – mehr als leicht gegruselt, dort am Bahnhof bewaffnete Soldaten des Österreichischen Bundesheeres anzutreffen. Nun beruht die militärische Strategie des Bundesheeres (→Heer von verheerend) schon seit vielen Jahrzehnten darauf, dass sich ein potenzieller Gegner beim Anblick des Heeres und seiner Ausrüstung umgehend totlachen würde – nichtsdestotrotz provozierte ebendieser Anblick mitten in meiner Operettenrepublik der Seeligen bei mir doch so einiges an kognitiver Dissonanz.

Vollends absurd aber wurde es, wenn man denn versuchte, per Auto Österreich in Richtung Deutschland zu verlassen. Sowohl auf der A8 am Walserberg als auch auf der A12 bei Kufstein stellten kilometerlange Schlangen den täglichen Normalfall dar. Wartezeiten zwischen 30 und 90 Minuten waren dabei an der Tagesordnung.

Wer indes versuchte, nicht dumm zu sein und die Grenze per Bundesstraße in Freilassing oder Kiefersfelden zu überschreiten, der durfte sich über Wartezeiten von ziemlich genau 0 Minuten und die Abwesenheit jeglicher Schikane freuen. Um den vollkommenen Irrsinn dahinter zu verdeutlichen: Die Grenze in Kufstein über die B171 anstatt der A12 zu überschreiten bedeutet einen Umweg von rund 800m. Die beiden Grenzübergänge liegen satte 250m Luftlinie voneinander entfernt. Dies, sowie die Tatsache, dass nicht ein einziger Fall von – wasauchimmer – durch diese “Kontrollen” pressewirksam verhindert oder wenigstens aufgeklärt werden konnte, lassen nur einen einzigen Schluss zu:

Diese vollkommen sinnlosen Schikanen wurden einzig und allein angeordnet um dem dummen Stimmvieh zu zeigen,

  1. wie enorm man sich bemüht, irgendwie auf den Flüchtlingstsunami zu reagieren und
  2. zu demonstrieren, wie unbequem das neue Europa der Stacheldrahtgrenzen werden kann.

Mir stellt sich dabei allerdings die Frage, ob das dumme Stimmvieh diese subtile Botschaft denn auch richtig dechiffriert. Die deutlich naheliegendere Reaktion auf dieses Schikanentheater wäre für mich nämlich, auch dafür mal eben den – wie schrieb die Kronenzeitung so weihnachtlich – “Wirtschafts- und teilweise Kriegsflüchtlinge[n]” die Schuld zu geben.

Das aber kann doch niemand wollen. Schon gar nicht unsere “wir schaffen das” Bundesregierung.

[…]

Nachsatz: Weil heute dieses komische Datum ist, stelle ich abschließend fest: Wer über dieses konzept- und hilflose Schmierentheater nachdenkt, hat damit eigentlich den Kerne aller wesentlichen politischen Aktionen dieses Jahres in der BRD durchdacht. Und keine Sorge – schlimmer geht’s immer.

Na dann – Prosit 2016!

/cbx, Kategorie: Rant & Grant -

 

Eigener Senf dazu?

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