Der überfahrene Schwanzlurch (Axolotl Roadkill)

27.02.2010 14:57 von /cbx, derzeit 0.39771 Kommentare

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Nach drei Tagen und insgesamt ca. 8h Lesezeit ist es geschehen. Ich bin durch. Durch, so wie durch das Telefonbuch von Linz oder durch Ulysses. An den beiden letztgenannten Büchern bin ich gescheitert. Überhaupt bin ich in meinem Leseleben an insgesamt 3 Büchern gescheitert:

  1. James Joyce: Ulysses (englisch)
  2. Douglas Hofstadter: Gödel, Escher, Bach (deutsch)
  3. Umberto Eco: Der Name der Rose (deutsch)

Mit diesen Niederlagen kann ich leben, an Joyce und Eco sind schon ganz andere Kaliber abgeprallt (wobei der Eco ja sogar eine “Übersetzung” war) und Gödel, Escher, Bach ist nach “Mein Kampf” wahrscheinlich eines der Bücher mit dem niedrigsten Leser/Auflage-Verhältnis. Den überfahrenen Schwanzlurch habe ich hingegen gelesen. Ich weiß nicht, ob ich das Werk rezipiert habe, aber ich habe alle Buchstaben und alle Wörter des Haupttextes visuell erfasst und mit meinem Erfahrungsschatz abgeglichen.

Nun bin ich sicher nicht “krass megamäßig der Literaturmeister ey” (→style=” Hegemann”), aber ich habe doch schon einiges in mich aufgenommen. Vom gesamten wilden Frühwerk Peter Handkes über das Holzhammer-Deutsch einer Elfriede Jelinek (Nobelpreis!), über die flachen Stories eines Andrzej Szczypiorski bis hin zur durch die Übersetzung völlig entseelten “orientalischen Erzählkunst” eines Nagib Mahfuz (Nobelpreis!) reicht das Spektrum und es wird “abgerundet” durch Spiegel-Bestsellerlistenanführer wie Charlotte Roche.

Und ich so: “Was geht hier ab, Scheisse Mann?” (→style=“Hegemann”) Ich weiß es nicht. Eigentlich wollte ich das schwarze Buch mit dem rosaroten, debil grinsenden Lurch auf dem Cover (der sieht wirklich so aus – siehe oben) einfach mal schnell verreißen, aber – wenn ich ehrlich bin – ich habe mich schon durch schlimmeres gequält (“Der Teufel im Graben” von Andrzej Szczypiorski beispielsweise). Nachdem ich mich auf den ersten 60 (von rund 200) Seiten warmgelesen hatte (und mich damit abgefunden, keine größeren Zusammenhänge in der “Handlung” zu erwarten), ging der Rest sehr einfach, ja fast unterhaltsam von der Hand. “Axolotl Roadkill” ist ein Buch, das man mit eingeschaltetem Hirn lesen und daran Vergnügen haben kann.

Das soll jetzt mitnichten heißen, dass die Story dahinter nicht gequirlter Dünnpfiff wäre, dass sich das inhomogene Konglomerat aus verquaster 70er-Jahre Altmänner-Intellektualität und bis zum Exzess durchgestylt kaputter Jugendlichkeit (“wohlstandsverwahrlost” →style=“Hegemann”) nicht ungefähr so authentisch wirkt wie die Wurzelholzapplikation am Armaturenbrett des Dacia Logan.

Ich habe mit dem Buch das selbe Problem wie mit den 243 verschiedenen Blogs des Don Alphonso. Ich kann seinen pseudo-elitären Duktus ums Verrecken nicht leiden, aber seine Geschichten lese ich – ob ihres Inhaltes – gerne. Hier ist es irgendwie umgekehrt. Das literarische Werk ist ein ungenießbar fetter Eintopf aus nicht zueinander passenden Versatzstücken, welche die senile Brigade geifernder Literaturpäderasten im Heiligen Feuilleton Deutscher Nation (→Don Alphonso) aufgeilen soll. Es zu lesen, in die synthetische Plastik-Gedankenwelt einzutauchen, die präzise kalkulierten Ankerpunkte für den Geiferreflex auszumachen, bedeutet für mich aber letztlich einen ziemlichen Spaß

Liebe Leser, bevor jetzt die Conclusio kommt: Geben Sie bloß nix auf meine Meinung, schon vor Jahrzehnten hat mir mein (letzter) Deutschlehrer jede Fähigkeit zur Literatur im Allgemeinen und zum klaren Ausdruck im Besonderen abgesprochen und damit eine hoffnungsvolle Karriere als Taxi fahrender Germanist verhindert (Es ist allerdings trotzdem nix aus mir geworden).

Conclusio: Kann man das Buch lesen? Ja, es kann sogar recht unterhaltsam sein, wenn man das Richtige erwartet. Ist es große Literatur? Nein. Bei allen Diskussionen über Plagiat oder nicht blieb aus meiner Sicht unberücksichtigt, dass es sich auf jeden Fall um ein programmatisch konstruiertes Pseudo-Literaturvehikel handelt, in dem sich ein ehrgeiziger Vater unter Vorschiebung seiner Tochter reichlich aus dem DSDS-Baukasten für Literaturwunder bedient und dabei ein Gebräu erzeugt, das ungefähr so originell und anspruchsvoll ist wie die Produkte von “Overground”, “Preluders”, Monrose” und wie sie dereinst alle hießen.

Also: Man kann “Axolotl Roadkill” lesen. Und man kann auch den Text auf der Dr.Oetker-Pizzaschachtel lesen.

Update: Ich habe jetzt das Original gelesen!

/cbx, Kategorie: Schöngeistlos -

 

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