Hin und wieder muss ich über etwas schreiben, weil es mir große Freude bereitet, auch wenn sich die meisten Leser dabei unauffällig an die Schläfe tippen werden. Linda ist Marianne – eine einfache Kartoffel (eigentlich müsste ich ja Erdäpfel schreiben) ist für die freie Landwirtschaft das was Marianne für die Franzosen ist – eine Freiheitsheldin!
Was weitgehend als vergessen gelten darf, ist, dass die einst sehr beliebte Kartoffel im Jahr 2005 ihre Zulassung als Lebensmittel verlor. Ich wiederhole das noch mal, weil es an sich schon vollkommen unglaublich ist: Der “Hersteller” bzw “Rechteinhaber” der Kartoffelsorte, Europlant hat Ende 2004 die Zulassung beim Bundessortenamt zurückgezogen. Europlant argumentierte, dass Linda (plötzlich) sehr anfällig gegen Krautfäule, Knollenfäule und einige andere Krankheiten sei. Die Aktion hatte ganz sicher nicht das geringste damit zu tun, dass im Jahr 2005 der Sortenschutz ausgelaufen wäre und damit jeder die Kartoffel frei anbauen und dennoch als Nahrungsmittel vertreiben hätte dürfen. Das Zurückziehen der Zulassung machte genau dies unmöglich.
Ich fasse nochmals zusammen: Ein “Saatguthersteller” (ein Unternehmen, keine Behörde) darf nach eigenem Gutdünken festlegen, ob aus seinem Saatgut Lebensmittel hergestellt werden dürfen oder eben nicht. Schon seit langem ist die Wiederaussaat der meisten Nahrungspflanzen verboten, was sicherstellt, dass die Hunger erzeugleidenden Konzerne (wie Europlant oder Monsanto) auch weiterhin Saatgut verkaufen können. Ist der Profit in Gefahr, ist die Pflanze eben kein Lebensmittel mehr – so einfach geht das heute – und zwar weltweit.
Jetzt aber hat in einem mehrjährigen Rechtsstreit ein Interessensverband von Kartoffelbauern erfolgreich die Neuzulassung von Linda erstritten. Und jetzt ist Linda sogar gemeinfrei, die Open Source Kartoffel sozusagen, was bedeutet, dass jeder Bauer diese Pflanze nicht nur anbauen und verkaufen sondern sogar aus eigenen Saatkartoffeln nachzüchten darf und all das ohne Lizenzgebühren abführen zu müssen. Gerade so, wie das ursprünglich von der Natur geplant war.
Ich jedenfalls wünsche Linda alles Gute. Und jetzt auf zum Biobauern, Linda kaufen!




