Hartz IV Tag XIII

13.03.2010 17:16 von /cbx, derzeit 1.38162 Kommentare

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Es war diese Woche sehr still im Hartz-IV Tagebuch. Diese Stille hat zwei Gründe. Einerseits hatte ich diese Woche überraschend viel zu tun, sodass wenig Zeit zum Räsonieren und drüber schreiben blieb, andererseits war diesbezüglich in der vergangenen Woche (abgesehen von meinem todesmutigen Ess-Experiment) einfach nix passiert.

Gerade eben haben wir den Einkauf für die Woche abgeschlossen (dank besseren Wetters haben wir uns diesmal zu Fuß die 800m zum NORMA durchgeschlagen) und es ist Zeit für den nächsten Kassensturz. Heute haben wir sehr sparsam aber auch realistisch eingekauft, insgesamt gerade mal 27,38€. Die Highlights waren diesmal 3kg Äpfel für 1,85 und 8 Rollen Klopapier für 1,95 (ja, da gäb’s noch billigere, aber auch unsere Ärsche kennen Grenzen).

Mit den bisher gesammelten Zahlen habe ich dann die Tabellenkalkukation angeworfen und einen mittleren Verbrauch pro Tag und Nase ermittelt. Darüber können wir dann extrapolieren, wie viel Geld am Endes des Monats noch übrig sein wird (oder ggf. umgekehrt).

Bisher haben wir 183€ für Lebensmittel ausgegeben, 50€ für Telekommunikation, 25,03€ für Gesundheitspflege (u.a. mit Klopapier und Haarshampoo), 9€ für Freizeit/Unterhaltung, 8,54 für Gaststättenleistungen (ausschließlich meine Liebste) und 1,68€ für Haushalt/Möbel/Instandhaltung (Spüli und Kloreiniger). Nach der daraus folgenden Trendlinie haben wir einen Verbrauch von 11,58€ pro Tag, was uns am Ende des Monats mit 298€ Überschuss abschließen ließe. Berücksichtigt man auch noch die Stromrechnung mit (überschlägig) 50€, wären das 13,24€ pro Monat und 249€ Überschuss.

Diese Zahlen stellen das Experiment für mich schon in einer sehr frühen Phase in Frage. Bisher verbrauchen wir deutlich zu wenig Geld, denn ich glaube nicht, dass der gemeine Hartzie am Monatsende über 200€ in die Matratze stecken kann. Zwar glaube ich auch, dass der Verbrauch mit fortschreitender Dauer des Experiments noch ansteigen wird, sei es durch Verbrauch von übernommenen Wohlstandsgütern, nachlassende Sparbegeisterung oder auch unaufschiebbare Investitionen (Pflege-Cremes usw.), trotzdem hinkt unser Szenario natürlich. Während der Arbeitswoche stopfe und schütte ich Unmengen von Kaffee, Tee, Keksen und Kuchen quasi nebenbei in mich hinein (mein Mittlerer Ring weiß ein Lied davon zu singen), ohne dass diese Kosten irgendwo aufscheinen. Aus der Zeit meiner letzten Arbeitslosigkeit weiß ich selbst noch gut, dass solche Umstände den diesbezüglichen Verbrauch eher noch in die Höhe schnellen lassen.

Die zerstörte Hose von letzter Woche würde das Budget um 70-100€ erleichtern und ein Defekt unseres Kühlschrankes wäre ein finanzieller Störfall größerer Kategorie. Die Tatsache, dass jedes (bekannte) Vermögen von der Agentur sofort durch Zuwendungskürzungen abgestraft wird, verhindert sowohl das sparsame Wirtschaften als auch das Bilden von Rücklagen. Der Tod des Kühlschranks stellt den echten Hartzie dann sehr schnell vor große Probleme.

Bisher ist sehr vieles reine Theorie. Noch besteht aber die Hoffnung (naja – sollen wir das wirklich hoffen?), dass wir einige Dinge bald aus erster Hand erleben werden.

Demnächst. Hier. In diesem Blog.

Und hier geht’s weiter.

/cbx, Kategorie: Hartz-IV Tagebuch -

 

Kommentare (anyone?)

  1. Thora gab am 14. März 2010, 19:42 folgenden Senf dazu:

    Wir geben für Essen und Pflege auch nicht mehr Geld aus! Mit dem restlichen Geld was wir über dem Hartz IV Satz verdienen machen wir 2x pro Jahr Urlaub, zahlen Diesel für unseren Volkswagen, bezahlen die notwendigen Reparaturen, kaufen Zeugs für den Computer und meine Frau macht den Führerschein und ein Fernstudium :) Quasi alles was das Leben lebenswert macht, kommt über dem Hartz IV Satz. Fazit: Als Hartz IV Empfänger kann man sich einfach nur die Kugel in den Kopf schießen, denn man kann nichts mehr lustiges machen…

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