Hartz IV Tag LXII oder Punktlandung

01.05.2010 17:33 von /cbx, derzeit 0.25103 Kommentare

Send to Kindle

Völker, hört die Signale!
Auf zum letzten Gefecht!
Die Internationale
erkämpft das Menschenrecht

Ja, heute, am Tag der internationalen Solidarität und zugleich am Tag 62 unseres großartigen Experiments, großartiger als der lange Marsch, großartiger als die Literatur des VEB Literaturkombinat Hegemann, ja sogar großartiger als der Hamburger Royal TS, vermelde ich eine unfassbare Punktlandung!

Hurra! Wir haben den desaströs gestarteten April mit einer nur zart blassrosa angehauchten Null abgeschlossen. Gerade mal 18 Cent fehlen in unserer Bilanz für eine perfekte Null. Woran die Regierungen Europas reihenweise scheitern, haben wir mit bestechender Eleganz aus dem Ärmel geschüttelt. Wir haben unser Budget aus extremer Schieflage heraus konsolidiert. Wenigstens so lange, wie man nicht auf die einzelnen Posten schaut.

Die Hitparade der Roten (passend zum Datum) führt mit sagenhaften 160€ unser Nahrungsbudget an, gefolgt von Gaststätten/Beherbergung mit 56€, Freizeit mit 25€, Telekommunikation mit 24€ und Gesundheitspflege mit 20€. Dies bedeutet, dass wir unseren anstrengungslosen Wohlstand natürlich weit über unsere Verhältnisse hinaus genossen und von Kleidung und Möbeln kannibalisiert haben.

Da trifft es uns wie eine Warnung von Gott oder – schlimmer noch – Westerwelle persönlich, dass gestern unserem gläsernen Couchtisch wieder ein Bein verlustig ging und das Kleben desselben zunehmend schwieriger wird, weil jedes mal ein weiteres Stück der Glasplatte am Bein kleben bleibt.

Offiziell hat heute der dritte und letzte Monat unseres Experiments begonnen. Wir müssen morgen noch entscheiden, welche speziellen Ziele wir im Mai verfolgen wollen. Was auch immer dabei heraus kommen mag – der Tag der Abrechnung rückt näher und damit auch die Notwendigkeit, ein Resümee zu ziehen. Um ehrlich zu sein: Ich habe noch keine Ahnung, wie das aussehen wird. Im keine Ahnung haben bin ich aber ziemlich gut, sodass ich mir wenig Sorgen mache, das Experiment heute in einem Monat nicht mit ausreichend viel Text abschließen zu können.

Zum Thema “ausreichend viel Text” möchte ich an dieser Stelle ausnahmsweise auf einen Text meiner Lieblings-Bürgerrechtlerin Twister (aka Bettina Winsemann) verweisen, der andeutet, was uns blühen würde, wenn das alles kein Experiment wäre.

“Mogen ist ein neue Tag, de sun wird shine, steh auf und mack was aus Dein Leben!” [Wer diesen Spruch wiedererkennt, sollte sein Fernsehverhalten überdenken]

Und hier geht’s weiter.

/cbx, Kategorie: Hartz-IV Tagebuch -

 

Kommentare (anyone?)

Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen.