Ein neben der Schreibblockade weiterer wichtiger Grund für die ungewohnte Blogstille in der vergangenen Woche war unser unvermeidlicher Besuch auf der SMT/HYBRID/PACKAGING 2010. Wobei – an diesem Satz stimmen gleich drei Dinge nicht.
Erstens waren wir nicht als Besucher dort, sondern natürlich als Aussteller, zweitens dauert diese Messe keine Woche sondern gerade mal drei Tage und drittens beginne ich zu zweifeln, ob sie wirklich unvermeidlich ist. Seit Jahren (eigentlich seit 2001, unserer ersten eigenen SMT) beobachte ich, wie die Gänge immer noch breiter, die Hallen immer noch leerer und die Standflächen immer noch teurer werden. Würden sich die immer schlechter ausgelasteten Messebauer nicht einen mörderischen Preiskampf liefern, wäre das Thema Messe schon aufgrund der Kostenexplosion ganz oben auf der Agenda gelandet. Doch auch wenn man die gesalzenen Preise für einen mittelmäßigen Messestand außer Acht lässt, sinkt das Kosten/Nutzen-Verhältnis mit jeder Messe.

Der Veranstalter Mesago mag gerne von 5% Besucherplus schwärmen, der – ohnehin schwer quantifizierbare – Nutzen einer Messe nimmt meines Erachtens trotzdem kontinuierlich ab – und zwar primär aus zwei Gründen:
- Natürlich das Internet. Mittlerweile kann ich mir über fast jedes Produkt einen Überblick verschaffen, ohne auch nur meinen Sitzplatz zu verlassen. Ich kann praktisch in Echtzeit mit Experten kommunizieren und mir ohne Aufwand gleichzeitig von beliebig vielen Anbietern Angebote stellen lassen. Kompliziertere Recherchen kann ich auch auf einer Messe nicht durchführen.
- Die Technik an sich. Während sich große Automaten, Schwermaschinenbau oder Komponenten (oder Klamotten, Blumen, Tiere, was auch immer) gut auf einer Messe präsentieren lassen, verweigern sich Produkte mit zunehmender Hitech-Funktionalität gleichzeitig immer mehr der haptischen Erfahrbarkeit. Wo unsere Bestückautomaten wenigstens noch zappeln und blinken, so haben spätestens Gerätschaften wie Waferhandler oder Waferstepper am Messestand den Charme und Sexappeal eines geschlossenen Kühlschranks. Für diese Erfahrung muss ich mich nicht stundenlang über die Autobahn und dann durch miefige Messehallen quälen.
Ich habe einige Mitaussteller darauf angesprochen und im Prinzip eine ähnliche Stimmung ausgemacht. Dennoch bin ich sicher, auch auf der SMT-2011 so gut wie alle bekannten Gesichter wiederzusehen. Warum? Der Grund liegt IMHO in einer Art Gleichgewicht des Schreckens, in dem jeder weiß, was die Konkurrenz (schöndeutsch: der Mitbewerb) an Fabeln auftischen würde, erschiene man zur nächsten Messe nicht. Es scheint inzwischen wirklich so zu sein, dass wir die Messen hauptsächlich zur Abschreckung der Konkurrenz mitmachen – und zur Inspiration. Ja ich gestehe – es wärmt mein Herz, einige unserer besseren Ideen (und auch ein paar unserer schlechteren – HAHA!) inzwischen in Konkurrenzprodukten wiederzufinden.
Ob all das allerdings die enormen Opportunitätskosten (gerade für kleine Firmen wie uns) rechtfertigt, sei dahingestellt. Ob bei Siemens 250 Leute im Büro oder auf der Messe nichts Gescheites tun, das juckt dieses Unternehmen nicht. Wenn bei uns ein Drittel der Belegschaft Messebesuchern Kaffee serviert anstatt unsere bestehenden Kunden zu betreuen, dann erzeugt das einen gewaltigen Hebel.
Auf der SMT-2011 feiern wir unser zehnjähriges Betriebsjubiläum. Ich denke, das wäre ein guter Zeitpunkt, mit einer offiziellen Verlautbarung aus dem Messegeschäft auszusteigen und das Geld in sinnvollere Maßnahmen zu investieren.
Am 03.05.2011 wird sich zeigen, ob wir die Nerven dazu haben.




