Möge das Abenteuer beginnen (2009-10-10 14:00)

12.10.2009 04:11 von /cbx, derzeit 0.38011 Kommentare

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Bloggen in China. Das ist hier in Beijing nur ein Problem. Ein Terminproblem. Heute um 10:45 sind wir nach 2+9 Stunden Flug aus Paris kommend gelandet und sitzen auch schon gut anderthalb Stunden später im Shuttlebus in die Innenstadt.

Der allererste Eindruck von China wird noch im Flugzeug etwas getrübt, als jeder zwei Zettel zum Ausfüllen bekommt, die doch verdächtig an eine US-Einreise erinnern. Aber immerhin – so weit die Entwarnung – es war eine Karte, die nur minimale Informationen für die Ein- und Ausreise verlangte (ja, so intime Dinge wie Name, Geburtsdatum und Visanummer), und ein A5-Blatt zur Beruhigung der allgemeinen Pandemiepanik (nicht ankreuzen “ich fühle mich schwach” “ich habe Fieber” usw). Im Gegensatz zu meinen US-Einreisen vermisste ich Fragen wie “Ich gehöre zu einer terroristischen Vereinigung(Großbanken ausgenommen)” oder “ich beabsichtige, bei meinem Aufenthalt Verbrechen zu begehen”.

Mit sorgfältig ausgefüllten Dokumenten geht es dann (Warteschlange bzw. -Traube) vorbei an den Infrarotkameras, wo freundliche Damen mit Atemschutz die gemessene Temperatur (natürlich nebst rotem Stempel, in China immer, alles und überall mit rotem Stempel) in den Wisch eintragen, in die nächste Schlange (bzw Traube) zur feierlichen Überreichung des Dokuments an eine weitere schweigende und vermummte Dame, hin zur dritten Warteschlange (bzw. -Traube), wo ein – grimmig schweigender und natürlich auch vermummter – Mann mit unbewegter Mine einen Blick in die Dokumente wirft und uns – ebenfalls grimmig – weiterwinkt. Die Möglichkeit, diese Amtshandlung mittels vier verschiedener Smilies sofort zu bewerten, hat sich, so weit ich sehen konnte, keiner zu nutzen getraut.

Anschließend geht es, um gleich maximal in die lokale Kultur einzutauchen, mit dem Shuttlebus nach Beijing. Und das Eintauchen klappt besser als erwartet. Unsere, glücklicherweise sprachkundige, Begleiterin wird sofort in eine längliche Diskussion (in China gibt es keine kurzen Diskussionen) verstrickt, wie mühsam das sei, unsere ganzen Koffer in den Gepäckraum und überhaupt, so viel Arbeit und Hektik… Erst beim Anblick unserer wahrlich respekteinflößenden Gepäckarmada verschwindet diese dann um so schneller und geräuschloser eben dort.

Nach einer längeren Fahrt auf einer Autobahn, von der jeder Deutsche nicht einmal feucht zu träumen wagte (da kommt später noch was), werden wir dann unweit des Stadtzentrums samt Gepäck aus dem Bus geworfen (OK, das war schon die Endstation). Auf die Frage, wo wir hier jetzt ein Taxi bekämen, folgt, nach längerer Diskussion, die Antwort (naja, sinngemäß) “hier an der Hauptstraße jedenfalls nicht”. Aha. In einer Nebenstraße tun wir nach längeren Diskussionen (…) zwei Taxis auf, die uns fünf (und die Koffer) widerwillig die viel zu kurze Strecke ins Hotel bringen. Die viel zu kurze Strecke dauert dann so ca. 40 Minuten. Dann endlich einchecken und duschen.

Jetzt kann die Kultur kommen.

/cbx, Kategorie: Die China-Tagebücher -

 

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