…aus einer gänzlich unerwarteten Richtung. Ich hatte heute ein extrem informatives Telefonat mit einer Person, die sich mir gegenüber als “Volltrottel” vorstellte. Nun gehört diese Bezeichnung natürlich prinzipiell genuin zu mir, aber die entspannte Art, wie der Anrufer sich selbst so einschätzte machte ihn mir gleich sehr sympathisch, sodass ich ihm dafür nicht böse sein konnte. Außerdem hat er mir seine Einwilligung gegeben, den Inhalt des Gesprächs wiederzugeben, was ich natürlich mit Begeisterung tun werde.
An dieser Stelle möchte ich nochmals meinen Dank und meine Bewunderung ausdrücken, für jemanden, der es auf sich nimmt, seine – von Peinlichkeit nicht eben freie – Geschichte zu veröffentlichen.
Und hier die ausdrückliche Warnung an alle Schnell- und Querleser:
“Die so genannte Okuma Group ist eine Betrügerbande der übleren Sorte. Jegliches an diese Verbrecher überwiesene Geld verschwindet vollständig und jede erneute Kontaktaufnahme dient ausschließlich dem Zweck, den Opfern noch mehr Geld aus der Rippe zu leiern!”
Ich entschuldige mich für so viel Fettgedrucktes auf einem Haufen, aber sowas ist im Interesse der Höheren Sache manchmal unvermeidlich.
Ich mache es kurz (sonst muss ich wieder das long vehicle vorne dran hängen). Mein Gesprächspartner – wir wollen ihn Herrn Sokrates nennen – hat nach eingehender Beratung durch eine Dame von der “Okuma Group” ein Paket Trina Solar Aktien auf dem bekannten Weg gekauft und – anders als ich – auch bezahlt. So weit, so traurig. Nach dem “Kauf” ist dann für einige Zeit wenig passiert, bis sich schließlich ein weiterer Berater, ein Mr. Tony Archer bei Herrn Sokrates meldete um ihm ein noch viel aufregenderes Angebot zu unterbreiten (Dieser Tony Archer verabsäumte es übrigens, seine Rufnummer zu unterdrücken. Sie begann mit “+1”).
Wir erinnern uns – schon Trina Solar versprach sagenhafte 106% Gewinn in nur 12 Monaten. Was sollte das noch toppen können? Der noch bessere Geheimtipp war die Neuemission eines (vorerst ungenannten) amerikanischen High Tech Unternehmens an der Frankfurter Börse. Mit dieser Aktie sollten 50% Gewinn in nur 80 Tagen drin sein. Man müsse dazu nur Trina Solar “umtauschen” und einige wenige tausend Dollars drauf legen.
Tony Archer rückte erst nach langen Verhandlungen den Namen des Unternehmens heraus: “Paragon GPS Inc.” Das war natürlich Bullshit. Das Produkt ist uninteressant, alter Käse und wird laut Internetarchiv bereits seit 2007 mit weitgehend unveränderter Beschreibung angepriesen. Das kann’s nicht sein. Die Domain dazu hat aber wohl vor einigen Wochen ihren Besitzer gewechselt. Doch zurück zur Geschichte.
Die letzten Wendungen ließen dann auch bei Herrn Sokrates die Alarmglocken schrillen und er wollte nur noch seine Aktien liquidieren. Was passierte? Wenig überraschend war an einen Verkauf der Aktien (die Herr Sokrates natürlich nie wirklich erworben hatte) nicht zu denken. Stattdessen hagelte es ab diesem Moment mehrmals täglich Anrufe von Herrn Tony Archer von der “Okuma Group” (ich schreib das auch für Google so oft hin!), in denen er versuchte Herrn Sokrates umzustimmen und ihn zu weiteren Investitionen zu bewegen.
Für die Schnell- und Querleser (aka Begriffstutzigen): Es war nicht möglich, die “Aktien” wieder zu verkaufen und damit das Geld zurück zu bekommen.
Inzwischen liegt die ganze Sache beim Anwalt (wo sie meiner Erfahrung nach sehr ruhig liegen wird), die Österreichische Botschaft in Japan ist eingeschaltet und allerlei Porzellan schon zerbrochen. Herr Sokrates hat mir versprochen, mich über neue Entwicklungen zu informieren – vielleicht ergibt sich ja gerade bei den Japanern doch noch etwas Neues.
Für mich bleiben in dieser Geschichte zwei Handlungsstränge offen:
- Was wird die Österreichische Botschaft in Japan herausfinden? Immerhin muss es in Tokyo einen Briefkasten und einen Anrufbeantworter geben.
- Was ist aus meinem Aktienpaket geworden? Bin ich mit meiner raffinierten Argumentation doch noch durch den Idiotenfilter gefallen?
Wir werden sehen.
Update: Hier geht’s weiter!







