I climbed The Great Wall Of China (2009-10-11 19:00)

12.10.2009 15:36 von /cbx, derzeit 0.44844 Kommentare

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When in Rome… Latürnich muss man das Weltwunder sehen. Latürnich waren auch wir dort. Aber nicht dort, wo die ganzen Touristen hingekarrt werden, bäääh, wir waren in Simatai, “The World’s Best Great Wall of China” (O-Ton Ost). Tolle Sache, aber so ca. 150km von Beijing entfernt. Das bedeutet rund 2 Stunden Taxifahrt. In einem Großraumtaxi geht es aus der Stadt raus nach Norden in Richtung Simatai.

Wobei – “aus der Stadt raus” ist schon mal eine Aufgabe für sich. Über fast eine Stunde ziehen die Hochhausschluchten noch (schemenhaft, siehe Wetterbericht) rechts und links an uns vorbei. Erst als die Autobahn (natürlich nagelneu und makellos) nur mehr zweispurig ist, wird auch die Landschaft anders. Erst einfach nur flach (und diesig), dann immer mehr hügelig (und diesig) und dann sogar richtig gebirgig (und diesig). Die “Gebirge” sind allerdings nicht so, wie sie in meinen mechanisch verdrahteten Vorstellungen aussehen müssen, sondern viel eher genau so, wie in den Werken der alten chinesischen Landschaftsmaler (die mit den vielen roten Stempeln). Eine Ebene reiht sich hinter die nächste und in der trüben Luft sehen die Reihen der hintereinander liegenden Gebirgszüge aus als wären sie aus Pappe ausgeschnitten und aufgestellt. Obwohl – wir sind im postolympischen Beijing und den Chinesen traue ich alles zu…

Irgendwann sind wir dann angekommen und lassen den Fahrer am Parkplatz zurück. Wir selbst erstehen (nach längerer Diskussion natürlich) Eintrittskarten und machen uns sofort auf den beschwerlichen Fußweg nach oben. Man hätte auch mit einer Seilbahn in die Mitte des längeren Mauerabschnittes hochfahren können, aber das ist mit zwei Österreichern in der Gruppe nicht zu machen. So sind die Großstadtchinesen und Nordlichter schon am Fuß der Mauer redlich erschöpft.


[Great Wall in the mist]

Dennoch wird die Begehung des Bauwerks in Angriff genommen und Turm für Turm arbeiten wir uns keuchend nach oben. Leider ist es als Europäer in China nicht leicht, nicht als Tourist erkannt zu werden, insbesondere auf meiner Stirn scheint ja auch häufig das Wort “Einfaltspinsel” eingebrannt zu sein, sodass wir bis zum Turm Nummer 8 von einer mittleren Gruppe beängstigend leichtfüßiger älterer Chinesinnen begleitet werden, die nichts Gemeinnütziges im Schilde führen. Am achten Turm haben sie schließlich den optimalen Zeitpunkt unserer maximalen physischen und psychischen Ermüdung getroffen und verkaufen uns allerlei Souvenirkrempel. Darunter auch gaaaanz tolle T-Shirts mit der großartigen Inschrift

“I Climbed The Great Wall”

Ich denk mir dazu “And all I got was this lousy T-Shirt”. Unsere Dolmetscherin bestätigt, dass wenigstens sonst kein Blödsinn drauf steht. Jaja, mit den Chinesen ist gut Geschäfte machen (also gut für die Chinesen).


[Beweis: Wir waren wirklich dort]

Die Abfahrt fand dann aufgrund erheblicher Auszehrung unserer nichtalpinen nordischen Begleiter mit der musealen Eisenoxidbahn statt. An Details dieser Fahrt kann ich mich nicht erinnern, ich war wohl doch zu sehr mit Zittern beschäftigt

Bevor ich’s unter den Tisch fallen lasse: Das Weltkulturerbe selbst ist halt so eine Mauer, die aus Ziegeln gebaut wurde und sich in irrwitzigen Steigungen, teilweise kaum begehbar, über unzählige Bergrücken hinweg zieht. Sie ist weder besonders schön, noch besonders hoch, auch ihren eigentlichen Zweck hat sie damals schmählich verfehlt, aber lang, lang ist sie schon.

Und es kommt doch auf die Länge an.

/cbx, Kategorie: Die China-Tagebücher -

 

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