Die verbotene Stadt. Das alte und neue China

12.10.2009 16:01 von /cbx, derzeit 1.39247 Kommentare

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Pflichtprogramm Teil II ist “Die Verbotene Stadt”, Kaiserpalast, der Platz der himmlischen Totenstille usw. OMG! Werde ich jetzt von The Great Firewall zensiert? Hui fein – endlich ein Abenteuer.

Wir ließen uns (nach längerer Diskussion) von einem grantigen Taxifahrer (zu kurz, nur 30 Minuten) an den Tienanmen Platz bringen. Dort herrscht noch chinesisches Chaos (i.e. militärisch/sozialistisch (des)organisierter Rückzug) nach der 60-Jahr Feier. Nach Taschenkontrolle beschreiten wir mit tausenden Chinesen den Platz, der so viel realexistierenden Sozialismus ausdünstet, dass unsere vorkonditionierten deutschen Gutmenschenseelen schon etwas ins Zittern geraten. Um so mehr, als wir dann auf wirklich wahnwitzig großen Großbildwänden Aufnahmen der Parade vom letzten Wochenende sehen, die sich so gar nicht mit dem decken, was in Deutschland davon gezeigt wurde (für Slowchecker: Blumenmeere satt Panzerheere).


[Tienanmen Platz, viele Chinesen und dahinter die Verbotene Stadt]

Dennoch spricht es schon eine sehr eigene Sprache, wenn wir den Wohnsitz der letzten drölfundzweißig Kaiser betreten, indem wir unter dem Bild des Großen Vorsitzenden Mao durch schreiten. Und nein, auch beim 25. Mal, wir wollen keine Mao-Swatch und auch keine Mao-Bibel kaufen.


[Das erste Tor der Harmonie mit vielen Chinesen]

In der verbotenen Stadt kaufen wir (nach längeren Diskussionen) Tickets und sehen uns, eingebettet in tausende Chinesen, die diversen Tore an. Da gibt es Tore des himmlischen Friedens, der Harmonie, der himmlischen Harmonie, der Harmonie von Himmel und Erde, der vollkommenen Harmonie, der irdischen Glückseigkeit und was weiß ich noch. Irgendwie verstehe ich bei diesen Namen, dass sich dort nur Eunuchen aufgehalten haben.


[Einer der der vielen unbezahlten Torwächter]

Das Kulturdenkmal ist “eindrucksvoll”, sowohl was Größe als auch Zustand betrifft. Die pragmatischen Chinesen verfolgen eine andere Politik als die verklemmten Europäer. Hier dürfen auch alte Dinge bunt und wie neu aussehen. Das ist kewl. Die wesentliche Erkenntnis aus diesem Besuch ist aber eine Andere.


[Ein Detail mit wenigen Chinesen]

Wenn man sich die unzähligen Hallen und Tore ansieht, bzw versucht, sie zu fotografieren, merkt man schnell: Das Kopieren hat bei den Chinesen eine Jahrtausende alte Tradition. Die ganze Stadt besteht aus ungefähr 5 verschiedenen Hallen und Toren, die immer und immer wieder kopiert und einfach mit einem neuen Label (vorne in der Mitte am Fries) ausgestattet wurden. Da freut sich der Schwabe in mir: Fleissig statt kreativ!

Weltkultur kann so einfach sein.

/cbx, Kategorie: Die China-Tagebücher -

 

Kommentare (anyone?)

  1. joggl gab am 12. Oktober 2009, 16:46 folgenden Senf dazu:

    fleißiger Schwabe auch fleißig am Bloggen!!!
    ;-)

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