Essen wie die Chinesen vs. essen wie beim Chinesen

14.10.2009 02:51 von /cbx, derzeit 1.61955 Kommentare

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Dieser Einschub fehlte noch. Bisher bin ich nicht verhungert. Aber.

Es ist eine Binsenweisheit und eine große Wahrheit zugleich, dass der Chinese hier anders ist und anders isst wie der Chinese bei uns. Die Unterschiede sind allerdings teilweise subtil, teilweise weniger. Wir waren heute in Dongjuan auf einem Spezialitätenmarkt, wo man die einmalige Gelegenheit hatte, sich durch die besten Leckerlies aller Provinzen zu futtern. Und was gab es da nicht alles: Diao zi (die chinesischen Pelmeni/Ravioli/usw) und jede Menge Abarten von gegrillten Spießen (Rind, Huhn, Schwein, Innereien, fischiges Getier usw.), die alle gemeinsam haben, dass sie einigermaßen essbar sind.


[Echter Street Food, wahrscheinlich schon tot]

In diese Kategorie fallen dann auch noch die frittierten Doufu-Stücke (die beim Frittieren bestialisch stinken, dann aber nach Mückenfurz im Kühlschrank schmecken) und die diversen Fruchtspieße mit Zuckerglasur (eigentlich Zuckerspieße mit Fruchteinsprengseln). Verweigert habe ich heute Dinge wie Seeschlange, Skorpion (gaaaanz frisch, die zappeln noch, wenn man sie aussucht), Seidenraupe, Seepferdchen, Eidechse und dergleichen knuspriges Getier. Kann man sicher essen, aber ob ich 20 Yüan für einen Bissen Seepferdchen ausgeben möchte… OK, ich weiß: “Feigling!”


[Schmankerlküche mit Seidenraupen]

Doch auch abseits der Seidenraupen und Seepferdchen haben wir kleine Komplikationen erlebt. Auch eine Peking-Ente sieht anders aus als beim Chinesen am Schloßplatz, man bekommt das ganze Viech mitsamt Kopf und der Koch tranchiert das Beste dann am Tisch auf einen Teller. Lecker! Das Beste ist natürlich die Haut! Das Fleisch verschwindet in der Küche und taucht kurz darauf in einer Suppe wieder auf. Die Haut isst man dann ggf. wie beim Chinesen daheim in der speziellen Teigrolle mit der Ichtyolsalben-Soße, die Suppe sollte man tunlichst auch essen, denn dort steckt ja eigentlich das meiste Geld drin.


[Angstfrei essbare Schmankerln]

Auch wenn man konservativ vorgeht (wie wir am zweiten Abend) und nur Huhn und Ochsenfrosch bestellt, bleiben Überraschungen nicht aus. Der echte Chinese käme nie auf die tierquälerische Idee, das Fleisch vor der Zubereitung vom Knochen zu trennen. Dies in Verbindung mit der Notwendigkeit, dass zum Essen mit Stäbchen alle Stücke einigermaßen mundgerecht sein sollten (oder wenigstens so, dass man sabbernd und schlürfend davon abbeißen kann), führt dazu, dass die ganzen mundgerechten Fleischstücke von ebenso mundgerechten Knochenstücken durchzogen sind, die man dann im Mund gründlich ablutscht und sich der Knochen sodann laut spuckend entledigt. Das hat dann dem Ochsenfrosch nach Sizuan-Art das Gefressenwerden erspart. Der war nämlich zugleich sehr heiß, wahnsinnig scharf und voller Knorpel und Knochen. Da kann eine europäische Zunge einfach nicht lange und genußvoll daran lutschen. Trotzdem werden wir nicht nur nicht verhungern sondern haben bisher durchweg sehr gut gegessen, aber:

Der Chinese ist anders und er isst anders.

/cbx, Kategorie: Die China-Tagebücher -

 

Kommentare (anyone?)

  1. joggl gab am 14. Oktober 2009, 07:09 folgenden Senf dazu:

    ja, ums nochmal zu bestätigen: feig! put put put put

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