Balls of steel oder pudding brain?

18.12.2010 13:23 von /cbx, derzeit 5.25228 Kommentare

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Unlängst hatte ich über die 3634623745te Variante der alten Finanzagentennummer berichtet. Ich habe sogar Mark Sander überredet, sich dort zu bewerben, er hat allerdings nie eine Antwort auf seine engagierte Bewerbung bekommen.

Heute nun bekomme ich einen Kommentar von jemandem, der sich wohl für den balls of steel award (oder den pudding brain Trostpreis?) bewirbt:

Kommentar: Hallo und guten Morgen.

Ich habe den Versuch gestartet.

Den gesamten Bericht bericht findet Ihr unter folgendem Link: http://www.heinsberg-regional.de/index.php/component/option,com_kunena/Itemid,178/catid,738/func,showcat/

Viel Spaß und ein schönes Wochenende.

Jakob Diener

Tja, der Typ hat sich nicht nur beworben (so wie Mark), nein, er ist auch hartnäckig dran geblieben (aha, das war’s also: man muss mindestens einmal nachfragen um ernst genommen zu werden). Schließlich ging er so weit, seine echten Kontodaten anzugeben und abzuwarten, was passieren würde. Es passierte, was ich schon vorhergesagt hatte:

Es ist Freitag, den 17.12.2010 – 9:30Uhr.

Da trift mich doch der Schlag.
Ich habe mit allen Gerechnet. Aber das wirklich Geld eingezahlt wurde allerdings nicht.

Doch ich werde eines besseren belehrt.

Fr 17.12.2010 09:44
Guten Morgen Frau Kolt.
Ich bestätige um 09:30 Uhr den Zahlungseingang in Höhe von 4.799,00 €. Bitte um Rückantwort.

Mit freundlichem Gruß

Es wurde also wirklich eine recht stattliche Summe überwiesen. Ebenso wurde Jakob dann unmissverständlich aufgefordert, das Geld so schnell wie möglich abzuheben und abzüglich seiner Provision als Ukash-Gutscheine den Betrügern zukommen zu lassen.

Sie sollen schnellstmöglichst auf die restliche Summe 3840 Euro UKASH Gutscheine (Ukash-Karten) kaufen. Das ist einmalige Bitte unseres Kunden. In einer Verkaufsstelle ist es möglich Gutscheine auf die Summe mehr als 1000 Euro kaufen,manchmal mehr, d.h. 10 Gutscheine mit dem Nominalwert 100 Euro.
Die restlichen Gutscheine kaufen Sie in anderen Verkaufsstellen.

An dieser Stelle wird es Jakob dann aber doch zu brenzlig und er ruft bei seiner Bank an.

Ein Anruf bei meiner Bank bringt dann den ganzen Betrug ans Tageslicht.
Wenn ich den Betrag in Höhe von 4799,00€ direkt morgens in der Zeit von 8:00 Uhr bis 9:00 Uhr abgehoben, die Gutscheine von dem Geld gekauft und die Anweisungen befolgt hätte, wäre ich zu Weihnachten um 3.840,00€ Ärmer.
Warum?
Die Zahlung in Höhe von 4.799€ wurde gegen 10:45 Uhr von den kontoführenden Bank zurückgerufen!

Quod erat demonstrandum. So oder so ähnlich laufen alle diese Operationen ab. Jene, deren Eingänge nicht sofort zurückgebucht werden haben dabei das größte Pech, denn sie werden erst später für die Summe, die sie schon lange weitergegeben haben, haftbar gemacht.

Deshalb, liebe Kinder, versucht so etwas besser nicht selbst, das muss nämlich nicht immer glimpflich ausgehen. Es besteht eine realistische Chance, dass der Besitzer des Empfängerkontos als Komplize der Betrüger verdächtigt und – wenn schon nicht verurteilt – so doch erheblich drangsaliert wird.

Mein Dank geht dennoch an Jakob, der die Nerven hatte, diese Aktion quasi bis zum bitteren Ende durchzuziehen. Die ganze Geschichte gibt es nochmals detailliert zu lesen unter Heinsberg Regional.

/cbx, Kategorie: Faule Jobangebote -

 

Eigener Senf dazu?

  1. Mattias gab am 18. Dezember 2010, 16:07 folgenden Senf dazu:

    Ich dachte eigentlich, dass man Überweisungen nicht rückgängig machen kann.

    Naja, jedenfalls echt mutig/dumm, das Ganze mal auszuprobieren.

    /cbx meint dazu:

    Ich tendiere eher zu kühn/mutig; das Risiko ist ja schon halbwegs kalkulierbar. Insofern ist es schön, dass jemand den Beweis erbracht hat.

  2. OnTo gab am 19. Dezember 2010, 01:13 folgenden Senf dazu:

    ich habe mich schon immer gefragt, was da hinter steckt. daß es betrug ist, war mir schon klar, aber wie das im detail dann läuft war mir neu. vielen dank an euch und auch an den “kühnen” tester.

    erschreckend ist da aber die tatsache, daß die das nur probieren und machen, weil sich anscheinend immer noch leute finden, die darauf hereinfallen. bei gier setzt halt bekanntermaßen oftmals der verstand aus.

    bleibt zu hoffen, daß viele den artikel hier lesen und nachdenken.

    also finger weg von solchen angeboten. keiner hat was zu verschenken und nichts ist umsonst.

    OnTo

    /cbx meint dazu:

    Deine Hoffnung in allen Ehren, aber wenn ich inzwischen eines gelernt habe, dann, dass die Armee der Dummen nie ausstirbt. Versteh' mich nicht falsch, jeder findet seinen Meister, nur liegt bei zu Vielen diese Schwelle extrem niedrig.

    Ich schreibe dieses Zeug für die Wenigen, für die noch etwas Hoffnung besteht...

  3. Daniela gab am 26. Januar 2011, 14:57 folgenden Senf dazu:

    Jaa ich kann bei meiner Bank auch nichts zurückbuchen, was ich selber überweise…das soll wohl seid dem 1.10.10 so sein. Aber schön, so mal zu sehen wie die allle einen betrügen wollen..und das sowas in Deutschland möglich ist ist für mich auch echt schockierend

    /cbx meint dazu:

    Dass das Rückbuchen eigener Überweisungen gar nicht gehen soll, klingt für mich abenteuerlich - ich weiß nur, dass sowas manchmal recht teuer werden kann. Aber banken traue ich absolut alles zu.

    Von fremden Konten einfach Geld einzuziehen ohne das die Bank das überprüft, ist hingegen normal und legal. Naja. Ich hätte eine Bank gründen sollen...

  4. Bente gab am 12. Februar 2011, 20:01 folgenden Senf dazu:

    Ich hörte, dass solche Jobs manchmal nicht direkt zurückbuchen – sondern dass die angeworbenen Leute, die mit einfachem Geld gelockt werden, auch als “Geldwäscher” missbraucht werden. Das allerdings kann aber zu etwas mehr als nur dem Verlust von 3800€ führen, wenn es dann mal aufgedeckt wird – das kann Knast bedeuten.

    /cbx meint dazu:

    Genau das ist es, was ich seit Jahren schreibe. Solche "Jobs" können einem das ganze Leben versauen!

  5. Josefinchen gab am 2. Dezember 2011, 09:57 folgenden Senf dazu:

    Ich wollte schon immer wissen, was genau für ein Betrug hinter diesen Jobangeboten steckt, aber ich hätte gar nicht gedacht, daß der eigentliche Betrug den Bewerber selbst betrifft. Ich bin lediglich von illegaler Geldwäsche ausgegangen, bei der die eigene Bezahlung hinterher vermutlich auf der Strecke bleibt. Aber das hier ist ja noch viel cleverer! Kriminelle Energie müßte man haben…;-)

    /cbx meint dazu:

    Ich glaube nicht mal, dass die Masche absichtlich den Geldwäscher auflaufen lässt - es kommt nur sehr häufig vor, dass die Opfer den Betrug erkennen und die Summe schnell rückbuchen lassen. Bei der unbegrenzten Menge an Idioten, die sich immer wieder für solche Jobs bewerben, sind solche Kollateralschäden aber völlig unbedeutend.

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