Der eine Betrüger hat seinen (Doktor-)Hut genommen...

02.03.2011 20:48 von /cbx

…und tausend andere geben sich bei mir die Klinke in die Hand. Gerade eben schreibe ich noch dem Google-Trend folgend über meine altbekannten Lieblingsfeinde von Privacy (neuerdings) Marketing Limited, da tritt auch schon – auf dem Postweg(!) ein anderer alter Bekannter auf, dessen ungeplantes Erscheinen ein paar Zornesfalten auf meine jugendlich glatte Stirn zaubert, weil ich den Begriff Pinzettenwixer gerade eben für andere Betrüger verschlissen habe.

“Es is, bitteschön, folgendes:” [Quelle: Lukas Resetarits] Am 18. Oktober 2010 hatte ich zuletzt in meiner Reihe “Eingetippt investigativ” über die schockierenden Erfahrungen des Internetbenutzers Jörg W. mit “Hypersoftware.de” berichtet. Damals war offen geblieben, ob die Geschichte denn eine Fortsetzung erfahren würde. Diese Frage ist jetzt beantwortet. Jörg W. findet dieses Schreiben in seinem Postfach:


[klick mich groß]

Der Text (für Google und Barrierefreiheit):


Rostock, den 02.03.2011

EILT! Mahnfrist läuft
Strafanzeige wegen Betrug – www.hypersoftware.de

Sehr geehrte/r xxxxxxxxxxx,

hiermit teilen wir Ihnen mit, dass AHTL Webservices die Ihnen mit dem Schreiben vom xx.yy.2010 in Rechnung gestellte Forderung für die Nutzung des Service-Portals HyperSoftware an uns abgetreten hat.

In der vorbezeichneten Angelegenheit mussten wir leider feststellen, dass Sie bei der Anmeldung auf der von uns betriebenen Homepage HyperSoftware eine falsche Adresse angegeben haben. Daher schreiben wir Sie nochmals auf diesem Weg an.

Sie haben sich am xxxxxxxx mit der IP-Adresse aa.bb.cc.dd
bei www.hypersoftware.de rechtsverbindlich angemeldet. Mit der von uns versandten Email vom xxxxxxxx ist ein rechtsgültiger Vertrag über die Dienstleistungen der Seite HyperSoftware mit einer Laufzeit von einem Jahr zustande gekommen. Der monatliche Abonnementspreis beträgt EUR 7.00, mithin EUR 84.00 jährlich. Zusätzlich haben Sie die Mahnkosten und Auslagepauschalen in Höhe von EUR 13.50 zu tragen.

Insgesamt weist Ihr Konto einen Rückstand von € 97.50 auf.

Wir fordern Sie auf diesem Weg letztmalig auf, den Betrag binnen 3 Tagen auf das Konto des Treuhänders Frank Seiler zu zahlen. Zu Ihrem Gunsten nehmen wir an, dass die vertragswidrige falsche Adressangabe durch Sie lediglich aus Versehen und ohne Absicht erfolgte. Sollten Sie die Zahlungsfrist verstreichen lassen, so sehen wir uns gezwungen, unsere berechtigten Ansprüche gerichtlich geltend zu machen, als auch, aufgrund Ihrer falschen Adressangaben, eine Strafanzeige wg. Betruges zu stellen.

Bitte überweisen Sie den Gesamtbetrag von € 97.50 auf das Konto des Treuhänders Frank Seiler:

Kunden aus Deutschland:

Kontoinhaber: Frank Seiler
Kontonummer: 1372465
Bankleitzahl: 13070024
Bankinstitut: Deutsche Bank

Kunden aus Österreich / Schweiz:

Kontoinhaber: Frank Seiler
IBAN: DE38130700240137246500
BIC-/SWIFT-Code: DEUTDEDBROS
Bankinstitut: Deutsche Bank

Geben Sie als Verwendungszweck unbedingt Ihre Kundennummer xxxxxx und Rechnungsnummer RExxxxxxx an, damit wir Ihre Zahlung in der Buchhaltung korrekt zuordnen können.
[…]
Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne auf http://www.hypersoftware.de/contact/ oder telefonisch unter +49(0)1805 014521 * (0,14 EUR/min aus dem deutschen Festnetz, maximal 0,42 EUR/min aus den Mobilfunknetzen) zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Payment Networx MV
Strandstrasse 96
18055 Rostock
Deutschland, Germany

Für Rückfragen zuständig:
AHTL Webservices
Chaussee 1
18236 Kröpelin

Geschäftsführer
Alexander Hennig

Nach “Hypersoftware” selbst und dem Inkassobüro “Evocate” (das wiederum eine Firma AHTL Webservices” vertritt) meldet sich jetzt eine Firma “Payment Networx MV” und möchte die angeblich ausstehende Zahlung plus einiger (aber nicht ausufernder) Mahnspesen und Gebühren eintreiben. Wunderbar durchsichtig, nicht? Genau so durchsichtig ist auch die Behauptung mit der falschen Adressangabe (und die daraus resultierende Drohung mit einer “Betrugsanzeige”). Auch das aktuelle Schreiben ging nämlich an diese – angeblich falsche – Adresse. Ein kurzes Googel bestätigt meinen Verdacht: Die Anschuldigung mit der falschen Adresse findet sich höchstwahrscheinlich in jedem der massenhaft versandten Schreiben.

Ich hatte ja eingangs schon den Begriff Pinzettenwixer erwähnt – aber wie komme ich jetzt darauf? Egal. Das Verbindungsglied zwischen diesen Firmen heißt Alexander Hennig (ich vertraue Google hier). Angesichts des Leumundes dieses seit Jahren einschlägig bekannten Abzockers fallen mir eigentlich nur mehr zwei Absätze ein:

  1. Wer wirklich auf einen Abofallen-Abzocker hereingefallen ist, tut weiterhin am besten daran, nach einmaligem Widerspruch die gesamte Kommunikation in der Recyclingtonne verschwinden zu lassen. Erst wenn ein Gerichtlicher Mahnbescheid (von einem echten Gericht, nicht irgendwelchen Flachflötenschlümpfen aus Rostock) ergehen sollte, ist ein kurzer, zeitgerechter Widerspruch angesagt. Allen Drohgebärden zum Trotz werden es diese Betrüger nie auf eine Gerichtsverhandlung ankommen lassen.
  2. Offenbar muss es in Deutschland wesentlich mehr Portemonnaie-promovierte Juristen geben als nur unseren (vorläufig) gescheiterten Kriegsminister, wenn solche Arschlöcher seit Jahren ungestraft mit derart tumben Betrugsmodellen durchkommen.

/cbx, Kategorie: Andere Betrüger -


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Eigener Senf dazu?

  1. Mattias gab am 3. März 2011, 23:10 folgenden Senf dazu:

    Ich finde diese verdammten Betrüger so scheiße, weil sie wieder mal auf die Angst der Leute zählen.

    Als ich so einen ähnlichen Brief bekommen habe, war ich kaum verunsichert, da dieser an einen Herren “Sowie So” adressiert war (mein einziger Gedanke: “Anzeigen? Kaum Sinn bei einer deutschen Sache. und Soll ich denen sagen, dass sie wohl in ganz Europa kaum einen Mann mit dem Namen finden werden?”

    sigh

    /cbx meint dazu:

    Herr “Sowie So” also. Der ist nicht schlecht - und zeigt deutlich, wie extrem sorgfältig diese Einzelfälle geprüft werden. Keine Spur von Massenabzocke!