Man hat sich meiner erbarmt!

09.06.2011 19:24 von /cbx, derzeit 1.41914 Kommentare

Send to Kindle

Seit ich vor einigen Tagen geweint hatte, ich sei von meinen Spamquellen abgeschnitten, quillt mein Postfach schier über von weitergeleitetem Datenmüll aus den Reihen meiner lieben Leser (es müssen inzwischen doch mehr als 8.6 sein). Habt Dank, liebe Leser:

Stehe! Stehe!
Denn wir haben
Deiner Gaben
Voll gemessen!

[Wird Goethe mir jetzt meine Bloggerstatus aberkennen lassen, wenn ich ihn nicht als Quelle angebe?]

Damit die friendly fire Bespammung nicht ganz umsonst war, hier zuerst ein Prachtstück russischer Spamkultur (Mein Dank geht an Thorsten):

Unter dem URL: http://бабочки-тут.рф findet sich diese Seite:

Auf dieser Seite kann man allen Ernstes lebende Schmetterlinge als Geschenk bestellen. Die Lieferung erfolgt kostenlos bis zu einer Metro-Station oder für 300 Rubel Aufpreis direkt an die Haustüre. Sofern diese Haustüre sich in Moskau befindet. Ja, der Moskauer Spammer vergisst gerne mal, dass das Internet nicht an der Stadtgrenze endet.

Und damit auch der Rantlust (und der Kategorisierung unter “Faule Jobangebote”) Genüge getan ist, hier noch diese einwandfreie Karrierechance:

Wir zahlen reales Geld!

KUNDENMANAGER: EUR 2,000/Monat

Wahrend des Projekts arbeiten wir eng mit unseren Partnern, schnell und effizient zumachen unseren Job Bewertung der Wirksamkeit des Projekts und seiner Expertise durchgefuhrt mit Hilfe spezieller Software Unsere Forschung und Berichte sind immer logisch, klar und lesbar In unserem Consulting-Unternehmen gibt es ein System zur Uberwachung und Analyse der Ergebnisse jedes unseren Projekte.

Die Forderungen zum Kandidaten: Arbeitserfahrung in den Verkaufen ist nicht obligatorisch. Aber wir teilen die grosse Aufmerksamkeit den personlichen Qualitaten der Kandidaten zu, da sie fur die erfolgreiche Arbeit auf dem gegebenen Amt notwendig sind.

Die Pflichten: Man muss nicht selbstandig Kunden suchen. Wir geben dem Spezialisten die Basis unserer standigen Kunden, die mit uns den Vertrag schon geschlossen haben.

Die Hauptaufgaben: Den Kunden mit den entstehenden Fragen und Problemen helfen. Die langfristigen, freundlichen Beziehungen mit den Kunden aufbauen. Die Bezahlung nach Rechnungen uberwachen.

JETZT ANNEHMEN

Senden Sie Ihre Bewerbung WitellBurke@yahoo.com und wir schicken sie in HR Abteilung.

Mit Ihnen tritt man im Laufe der 24 Stunden in Verbindung!

Das Mail wurde von einem Anschluss in Indien (124.125.151.234) über einen als offenes Relay bekannten Mailserver der türkischen Regierung (85.105.236.24, mail.bakirkoy-meb.gov.tr) verschickt.

Über das Angebot selbst kann ich derweil noch nicht viel sagen, weil die überaus geschliffenen Formulierungen meine hermeneutischen Fähigkeiten bei weitem übersteigen. Vielleicht aber gibt es demnächst einen Update, denn angesichts der knackigen Formulierungen:

“Wir zahlen reales Geld!” und
KUNDENMANAGER: EUR 2,000/Monat”

konnte Mark Sander natürlich nicht an sich halten und hat sich umgehend dort beworben. Ich hingegen bleibe etwas skeptisch, weil im deutschen Sprachraum das Zeichen “,” eigentlich als Dezimaltrenner verwendet wird. Damit stünde ihm ein Monatsgehalt von immerhin 2€ in Aussicht.

Einschub: Ein weiterer sozio-kultureller Unterschied zwischen Österreichisch und Deutsch besteht in der Benennung eben dieses Zeichens. Der Deutsche nennt dieses Symbol stets “Komma”, während der Österreicher es in seiner Bedeutung als Dezimaltrenner ebenso benennt, in seiner Bedeutung als Satzzeichen aber den Begriff “Beistrich” verwendet. Durch diese klarere Trennung gewinnt der Österreicher eine erheblich verbesserte Abstraktionsfähigkeit, wenn er mit Kulturkreisen in Kontakt tritt, bei denen das “Komma” (→Dezimaltrenner) ein “Punkt” ist. Von den Albträumen die dieser idiotische Unterschied der Trennzeichen im praktischen Einsatz mit Computern macht, möchte ich gar nicht erst anfangen.

Von der gesamten Tätigkeitsbeschreibung habe ich eigentlich außer “schnell und effizient zumachen “ nichts verstanden und vermute, dass sich das auf den (Geld-)Sack bezieht, den die “Arbeitgeber” nach erfolgtem Betrug eben so schnell wie möglich “zumachen” wollen.

Die derzeit offene Frage ist an sich nur noch, welchen Beschiss die Leute hinter diesem Mail abziehen wollen. Und da hoffe ich ein weiteres Mal auf meinen Haus- und Hof-Idioten Mark Sander.

Wird vielleicht fortgesetzt…

/cbx, Kategorie: Faule Jobangebote - Schöngeistlos

 

Eigener Senf dazu?

  1. oachkatz gab am 15. Juni 2011, 11:04 folgenden Senf dazu:

    Speziell beeindruckt mich, dass sowohl Forschung als auch Berichte immer lesbar sind. Da würde ich auch gern arbeiten!

    /cbx meint dazu:

    Gerade dieser Satz hat mir unmissverständlich klar gemacht, dass es sich bei diesem Job nur um Betrug handeln kann...

Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen.