Die Mülltonne darf kein rechtsfreier Raum sein!

28.08.2011 20:21 von /cbx, derzeit 3.57321 Kommentare

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Bei uns im Geddo gehen gerade Dinge vor, die sich so weit von meinem Erfahrungshorizont abheben, dass ich ernsthaft darüber nachdenke, auf einen anderen Planeten (also z.B. Baden oder Tirol) umzuziehen. Damit meine ich nicht den morgendlichen Auflauf mit Polizei, Notarzt, Feuerwehr (TATÜÜÜ!!!) und später Leichenwagen, sondern ein Schreiben, das uns vor wenigen Wochen auf den Tisch geflattert ist.

Darin war zu lesen, dass aus Kostengründen der freundliche junge Mann mit seinem kleinen Spezialauto, der bisher einmal pro Woche kam um den Müll in unseren Müllcontainern zu kompaktieren, fürderhin nicht mehr kommt. Stattdessen käme nun eine ganze Truppe von Entsorgungsfachkräften, die den Müll in den Containern sortieren soll. Und – ach ja – im Zuge dessen würden die einst abgeschafften Ungeziefer-Brutreaktoren Biotonnen wieder eingeführt. Man ersuche die Bewohner um entsprechende Würdigung.

Es war natürlich überhaupt nicht damit zu rechnen, dass sich diese Umstellung nicht zeitnah und reibungslos umsetzen lassen würde – noch dazu, wo es niemand für nötig erachtet hatte, die entsprechenden Informationen auch russisch oder türkisch kund zu tun. Deshalb war es nur eine Frage weniger Tage, bis weitere Schreiben die gerechte Enttäuschung der Entscheider dokumentierten. Man sei “unzufrieden” mit der “mangelnden Akzeptanz”, die die “im gemeinsamen Interesse” beschlossenen Maßnahmen fänden. Man fordere nochmals “eindringlich” die “Einhaltung der Mülltrennung”, widrigenfalls die Kosten…

Ich als braver Deutscher aber habe meine BILD-Zeitung gelesen! Unser Innenminister hat die Lösung:

“Die Mülltonne darf kein rechtsfreier Raum sein!”

Wir fordern das sofortige Verbot anonymer Müllentsorgung! Denn nur unter dem Schutz einer ungerechtfertigten Müllanonymität ist es möglich, vorsätzlich Kaffeesatz in die Restmülltonne oder Plastiktüten in die Bioreaktorentonnen zu werfen. Diese Akte des offenen Müllterrorismus darf eine wehrhafte Wohngemeinschaft nicht dulden. Denn was mit Kaffeesatz im Restmüll beginnt, endet nur zu oft mit brennenden (Oberklasse-)Autos! Auch wenn die Gräueltaten an unschuldigem Blech nicht in der Mülltonne stattfanden , so wurden sie doch in der Mülltonne geboren!

Aus diesem Grund fordern wir, den Einwurf von Müll in die entsprechenden Behälter nur mehr in namentlich beschrifteten Tüten und nach vorheriger Identitätsfeststellung durch den Blockwart Hausmeister (Personalausweis oder Führerschein genügt) zu erlauben.

Denn ein gesundes Volksempfinden beginnt in einer sauber getrennten Mülltonne!

/cbx, Kategorie: Rant & Grant -

 

Eigener Senf dazu?

  1. Kraska gab am 28. August 2011, 22:46 folgenden Senf dazu:

    Also bei UNS im Geddo wissen wir ja, wer wöchentlich die illegalen Müllkippen anlegt. Wir dürfen es aber nicht sagen, wg. Rassismus-Gefahr. Trotzdem sind wir gebenedeit unter den Gebeutelten, gleich zwiefach: Die Stadt hat nicht nur “Verständnis” dafür, dass die Geddo-Bürger das alles nicht so gut finden mit den Bulgaren, sondern mehr noch, man hat jetzt eine drastische Maßnahme ergriffen: Es wurde eine Kommission gebildet! – Wie sagt der Dschurnalist? Man darf gespannt sein…

    /cbx meint dazu:

    Oh Gitt! oder Ih Gott? Mal den Teufel nicht an die Wand! Eine Kommission? Ehrlich? OK - Du hast gewonnen. Dein Geddo ist geddoesker als mein Geddo.

  2. Buddhabrot gab am 29. August 2011, 18:26 folgenden Senf dazu:

    Tja, bei uns im Geddo gibts dafür eine schön typisch deutsche Lösung: Müllöffnungszeiten. Dreimal die Woche schließt der Hausmeister die heiligen Hallen auf, in denen die Nebenprodukte des zivilisierten Lebens gesammelt werden. Zu diesem exklusiven Areal haben nur diejenigen Auserwählten eine halbe Stunde lang Zutritt, die vorher eigens dafür bereitgestellte Mülltüten (14 Liter á 1,50€, 20 Liter á 2€) käuflich erworben haben. Kommunistischer Blockwart trifft Turbokapitalismus im spirituellen Materialismus. Dafür brauchts auch keine Kommission…

    /cbx meint dazu:

    "Ladies and gentlemen, in a fju minitz wi will arraiv in Nirvana! Sänk yu for.."

    Müllöffnungszeiten. Bin echt beeindruckt. Immer wenn ich mir eine besonders absurde und apokalyptische Horrorvision ausdenke, kommt irgend ein Leser und toppt das mit einem Tatsachenbericht. Damit steht Ihr ja quasi nur mehr Millimeter von der Antwort auf die Frage "nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest" entfernt. Respekt!

  3. DerIgel gab am 30. August 2011, 16:29 folgenden Senf dazu:

    Oh nein.. ich bin Teil des Problems. Ich werfe schon seit Jahren (es nicht besser wissend) meinen Kaffeesatz in die Restmülltonne. Ich wusste nicht, was ich damit auslöse. :-O

    /cbx meint dazu:

    Das sagen sie alle! Gut, dass wir in Deutschland sind, denn jetzt, wo bei Dir das nötige Problembewusstsein hergestellt ist, kannst Du die Sache als erledigt betrachten.